BGH-UrteilKonflikt um Pyrotechnik beim Fußball bleibt ungelöst

Wenn Fußballfans das Spiel stören, drohen häufig satte Geldstrafen für die Vereine. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs darf der DFB solche Strafen auch weiterhin verhängen. Das eigentliche Problem der Fanausschreitungen sei damit aber nicht gelöst, kommentiert Thorsten Poppe.

Ein Kommentar von Thorsten Poppe | 04.11.2021

Bei einem Fußballspiel unterstützen Fans ihre Mannschaft auf den Rängen mit dem Abzünden von Bengalischen Feuern.
Fans des FC Carl Zeiss Jena zündeten beim Auswärtsspiel gegen den KFC Uerdingen Pyrotechnik. (picture alliance / dpa / Revierfoto)
Der DFB darf die Vereine also weiter wie bisher zur Kasse bitten. In der Saison 2019/20 sind das über 2 Millionen Euro an Strafzahlungen allein wegen Bengalos und Böllern in der Stadionkurve gewesen! Und diese Summe macht klar, dass mit dem Urteilsspruch aus Karlsruhe der eigentliche Konflikt nicht aus der Welt geschafft wird.
Und der heißt: PYROTECHNIK!
Denn für die besonders engagierten Fans, die Ultras, sind brennende Bengalos Kulturgut. Für den Deutschen Fußball-Bund DFB gehören diese aber nicht mehr ins Stadion. Was in den 1980er und 90er Jahren noch allgemein zum Stimmungsbild in den Bundesligastadien gehörte, ist mittlerweile dort verpönt. Darum entzündet sich seit Jahrzehnten ein tiefer, tiefer Konflikt zwischen Fans und dem DFB. Und der wird sich auch nicht mit der gewonnenen Rechtssicherheit von DFB-Strafen auflösen.

Andere Ligen reagieren mit Pyro-Zonen

Der Verband bietet in dieser Hinsicht nämlich keinerlei Lösungen an. So hat er vor Jahren Gespräche mit Fanvertretern sang- und klanglos abgebrochen, in denen es um die Legalisierung von Pyrotechnik gegangen ist. Allein dieses Vorgehen nehmen die Anhänger dem DFB bis heute zurecht mehr als übel. Die Fronten sind also total verhärtet. Dabei ließe sich all das vermeiden.
Andere Profi-Ligen gehen diesen Konflikt kreativ an. In Österreich oder in den USA gibt es extra ausgewiesene Pyro-Zonen, wo Bengalos kontrolliert abgebrannt werden können.
Die US-amerikanische Fußball-Profi-Liga Major League Soccer hat solche Pyro-Zonen auch deshalb eingerichtet, um das europäische Fußballgefühl in die amerikanischen Stadien zu transportieren.

DFB sollte eigene Lösungen für Pyrotechnik entwickeln

Anders leider in den deutschen Ligen. Brennt es in der Kurve, wird sanktioniert. Das Abrennen von pyrotechnischen Gegenständen kostet in der Bundesliga 1.000 Euro, in der 3. Liga ist es mit 350 Euro preiswerter. Zahlen müssen diese Strafen weiter die Vereine, wie der BGH nun bestätigt hat.
Die Vereine allerdings wissen sich nicht mehr zu helfen, was sie noch machen können, um Pyro in den Kurven zu verhindern. Der FC Carl Zeiss Jena, Kläger vor dem Bundesgerichtshof, weist völlig zurecht daraufhin, dass selbst der DFB Pyrotechnik beim jährlichen Pokalendspiel in Berlin nicht verhindern könne. Wie solle es dann den Vereinen gelingen?
Mit dem BGH-Urteil ist die Diskussion um Pyro nun erneut entflammt. Der DFB wäre deshalb gut beraten, eigene Lösungsvorschläge zu entwickeln. Vorbildliche Ideen dafür gibt es genügend!