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Bilanz
Rekordjahr für die deutsche Exportwirtschaft

Die deutsche Wirtschaft hat im Jahr 2015 Waren im Wert von knapp 1,2 Billionen Euro exportiert und im Wert von knapp 950 Millionen importiert. Beides waren Höchstwerte. Gegen Jahresende ging der deutschen Industrie allerdings etwas die Puste aus.

Von Brigitte Scholtes | 09.02.2016

    Container auf einem Verladebahnhof in Dornstadt bei Ulm
    Container auf einem Verladebahnhof in Dornstadt bei Ulm (imago / Chromorange)
    Die deutsche Wirtschaft hat im vergangenen Jahr Waren im Wert von knapp 1,2 Billionen Euro exportiert und Waren im Wert von knapp 950 Millionen importiert. Beides waren Höchstwerte, aber gegen Jahresende ging der deutschen Industrie etwas die Puste aus. Die Exporte schrumpften im Dezember sogar – um 1,6 Prozent. So sagt Stefan Schneider, Chefvolkswirt für Deutschland der Deutschen Bank:
    "Für das Gesamtjahr mit über sechs Prozent steht Deutschland eigentlich überraschend gut da. Wir haben damit Welthandelsanteile gewonnen. Allerdings, wenn man sich die Entwicklung unterjährig anschaut: Es gab einige Sonderphänomene, z.B. im ersten Halbjahr hatten wir einen Exportboom in die USA, z.T. durch Automobile getrieben. Das hat sich zum Schluss deutlich verlangsamt. Wir sehen auch, dass die Nachfrage aus den Emerging Markets deutlich nachgelassen hat, und auch in der Eurozone hat die Dynamik sich zum Schluss nicht weiter beschleunigt."
    Länder des Euroraums blieben wichtigste Exportregion
    Die Länder des Euroraums blieben mit einem Anteil von knapp drei Fünftel wichtigste Exportregion für Deutschland. Der schwache Euro beflügelte die Ausfuhren in Länder außerhalb des Euroraums – nach Großbritannien etwa und vor allem in die USA: Die haben, wenn man die einzelnen Länder betrachtet, Frankreich als stärksten Exportkunden abgelöst. Aber auch in Amerika lässt die Dynamik nach. Keine rosigen Aussichten für die deutsche Industrie, meint Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Diba:
    Wir sehen eine Stagnation, haben das ja auch in den Industrieproduktionszahlen gesehen. Die waren jetzt im Dezember ja auch sehr enttäuschend. Wir merken halt auch, dass wir nicht auf einer Insel leben, sondern wir merken halt, dass China abkühlt, die Schwellenländer abkühlen, dass uns die Nachfrage aus den ölexportierenden Ländern fehlt und dass dieses Wirtschaftswunder, dass das im Augenblick wirklich nur ein "Wunderchen" ist, denn es wird wirklich nur durch die Inlandsnachfrage getragen.
    Die Verbraucher profitieren noch vom niedrigen Ölpreis, das hellt das Gesamtbild für die deutsche Volkswirtschaft etwas auf. Aber ob die deutschen Unternehmen bei der nachlassenden Exportdynamik bereit sind zu investieren, da hat Volkswirt Brzeski seine Zweifel:
    Die Produktionskapazitäten sind normal ausgelastet. Es ist aber nicht so, dass alles jetzt unter Hochdruck und Hochdampf steht in Deutschland. Wenn jetzt die Nachfrage aus dem Ausland nachlassen würde, dann sehe ich hier eigentlich wenig Gründe, warum die Investitionen in Deutschland anziehen sollten, es sei denn, die Politik gibt neue Investitionsanreize und macht es so möglich, dass dadurch auch die Privatinvestitionen anziehen.
    "Wahrscheinlich wird die Weltwirtschaft mit rund drei Prozent wachsen"
    Andererseits sollte man die Lage für die deutsche Wirtschaft nicht zu schwarz malen, glaubt Stefan Schneider von der Deutschen Bank.
    Wahrscheinlich wird die Weltwirtschaft mit rund drei Prozent ähnlich stark wie im vergangenen Jahr wachsen. Das ist natürlich im Vergleich zu den Erwartungen, die wir noch vor ein paar Monaten hatten, sicherlich schlechter. Aber es ist halt nicht ein Szenario, wie wir es 2008/2009 hatten. Wenn man sich die Finanzmärkte anschaut, hat man hier und da den Eindruck, als würden diese Szenarien wieder eingepreist. Das halte ich für übertrieben.
    Der Bundesverband Groß- und Außenhandel rechnet trotz aller Unsicherheiten mit einem Anstieg der Ausfuhren um 4,5 Prozent und der Importe um vier Prozent.