
Der TAGESSPIEGEL aus Berlin fragt:
„Sollte nun der Staat wirklich für die seelische Verfassung seiner Bürger zuständig sein? Wer das in Frage stellt, muss wissen: Einsamkeit schlägt nicht nur aufs Gemüt. Sie macht messbar krank, trägt zu Schlaganfällen und Herzinfarkten bei, kann Depressionen begünstigen.“
Ganz anders sieht es die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG:
„Ganz ehrlich – Einsamkeit bekämpfen, worum soll sich der Staat noch alles kümmern? Muss er immer dort einspringen, wo die Gesellschaft versagt? Entbindet man damit nicht jeden Einzelnen der Verantwortung für sein persönliches Wohlergehen und befördert so eine Vollkasko-Mentalität? Unsere Politiker sind gut darin, Symptome zu bekämpfen. An den Ursachen so mancher Misere ändern sie nichts.“
Für die STUTTGARTER ZEITUNG kommt es auf das Zusammenspiel von Mensch und Politik an:
„Natürlich kann sich die politische Arbeit nicht um die persönlichen Isolationserlebnisse kümmern. Aber die Politik setzt die Rahmenbedingungen für unseren Alltag. Umgekehrt wirkt Einsamkeit als soziales Massenphänomen auf die Politik zurück. Einsame Menschen wenden sich ab, misstrauen den Institutionen oder radikalisieren sich schlimmstenfalls.“
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder) blickt voraus auf die Europawahl:
„Keiner spricht darüber, was alles schiefläuft in Brüssel und Straßburg – und wie man es besser machen könnte. Keiner will sich mit Kritik an der EU dem Verdacht aussetzen, mit den Rechtspopulisten gemeinsame Sache zu machen. Es ist der fehlende Streit um und über Europa, der den Gegnern Europas zum Erfolg verhilft.“
Auch die anhaltende Debatte über den Einsatz westlicher Waffen gegen Ziele auf russischem Boden wird kommentiert. Während sich noch bis morgen die NATO-Außenminister zu Beratungen in Prag treffen, sieht der SÜDKURIER aus Konstanz keinen Diskussionsbedarf mehr:
„Völkerrechtsexperten haben bereits klargestellt, dass sich die Ukraine mit westlichen Geschossen gegen russische Militärziele jenseits der Grenze wehren darf. Leider hat Olaf Scholz nicht den Schneid, sich in der Sache klar auf die ukrainische Seite zu stellen. Stattdessen laviert er und äußert sich wie das antike Orakel von Delphi, dessen Sprüche man so oder anders deuten konnte.“
Auch für die SÜDWESTPRESSE aus Ulm ist der Fall völkerrechtlich klar. Sie gibt jedoch zu bedenken:
„Die Frage ist, ob Wladimir Putin das auch so sieht. Der russische Präsident hat mit seinem brutalen Überfall auf die Ukraine ja nicht nur gegen jede Form der Menschlichkeit, sondern auch gegen das Völkerrecht verstoßen – was er natürlich anders sieht. Mit international anerkannten Paragrafen jedenfalls muss man dem Mann im Kreml nicht kommen.“
