02. Februar 2026
Blick in die Zeitungen von morgen

Die Zukunft des Sozialstaats in Deutschland und die jüngsten Vorschläge des CDU-nahen Wirtschaftsrats sind die bestimmenden Themen auf den Kommentarseiten der Zeitungen von morgen. Dabei liegen die Bewertungen sehr weit auseinander.

    Schild mit der Aufschrift "Wirtschaftsrat Deutschland", aufgenommen in Berlin-Mitte.
    Die Vorschläge des CDU-nahen Wirtschaftsrats sind Thema in der Presseschau (Archivbild). (picture alliance / photothek.de / Thomas Trutschel)
    "Der CDU-Wirtschaftsrat hat recht", heißt es zum Beispiel in der RHEINISCHEN POST:
    "Die Sozialabgaben haben ein Niveau erreicht, das für Arbeitnehmer und Arbeitgeber kaum noch zu tragen ist. Da die Abgaben immer weiter steigen, sind rasche und schmerzhafte Reformen in der Sozialversicherung angesagt, auch im Gesundheitswesen. Ohne mehr Eigenverantwortung und neue Belastungen wird es nicht gehen."
    Die Zeitung aus Düsseldorf ergänzt allerdings:"Doch was der CDU-Wirtschaftsrat dazu nun konkret vorschlägt, wird sich nicht als notwendige Wurzelbehandlung erweisen, sondern als schwerer Behandlungsfehler."
    Die FREIE PRESSE aus Chemnitz sieht es ähnlich:
    "Dass in Zeiten wie diesen über Strukturreformen, Ausgaben und Bürokratie diskutiert wird, ist nachvollziehbar. Unter dem Druck der Umstände könnten Reformen in Gang kommen, die von der Politik lange als nicht dringlich angesehen wurden. Aber die Diskussion wird zunehmend schrill, bringt kaum noch sinnvolle und politisch umsetzbare Vorschläge zutage – und nervt. Mehr noch: Sie droht das gesellschaftliche Klima zu vergiften, weil sie ein dumpfes Gefühl der Unsicherheit, Bedrohung und Ohnmacht bei allen erzeugt, die etwas zu verlieren haben."
    Einige Zeitungen sehen es deutlich kritischer. Als "absurd" bezeichnet etwa der WIESBADENER KURIER den jüngsten Vorschlag des Wirtschaftsrats, die Zahnarztleistungen aus dem Katalog der gesetzlichen Krankenversicherungen herauszunehmen.
    "Die Einsparungen bei den gesetzlichen Krankenkassen könnten schnell von den Folgekosten unbehandelter Zahnkrankheiten übertroffen werden. Denn chronisch kranke Zähne sind Entzündungsherde für den ganzen Körper. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle oder Herzinfarkte sind mögliche Folgen."
    Und die FRANKFURTER RUNDSCHAU betont:
    "Dem Wirtschaftsrat ist es nicht einmal peinlich, wenn er gleichzeitig mit dem Sozialabbau eine Entlastung der Reichen fordert – und durch die Abschaffung des Solidaritätszuschlags auch für Gutverdienende."
    Die NÜRNBERGER ZEITUNG blickt voraus:
    "Glücklicherweise dürften diese Vorschläge dank politisch vernünftiger Parteispitzen der Koalition nicht umgesetzt werden. Da sie aber einmal in der Welt sind, werden sie zur Wahlkampfmunition in den nächsten Wochen. Vermutlich entwerfen die Parteien am rechten und linken Rand des Spektrums schon Dankesbriefe an den CDU-Wirtschaftsrat."
    Und DIE RHEINPFALZ aus Ludwigshafen schaut auf einen anderen Aspekt in der Debatte:
    "Auffällig ist, worüber kaum gesprochen wird. Über leistungslose Einkommen etwa. Über große Vermögen und Erbschaften, die konsumiert oder verwaltet werden, ohne produktiv zu wirken. Immer wieder wird behauptet, eine stärkere Besteuerung schade dem Wirtschaftsstandort. Ökonomische Gutachten und internationale Vergleiche zeigen hingegen, dass Privilegien für Unternehmenserben Innovation und Strukturwandel eher bremsen als fördern."