
Der TAGESSPIEGEL aus Berlin blickt auf die zahlreichen Prominenten, deren Namen in den Dokumenten auftauchen und bemerkt:
"Keiner will etwas geahnt haben. Doch das ist mit jeder Veröffentlichung immer schwerer vorstellbar. Es geht nicht darum, sämtlichen Personen, die mit Epstein in Kontakt standen, ein Mitwirken an seinen kriminellen Tätigkeiten zu unterstellen. Aber je mehr Namen ans Licht kommen, desto drängender wird die Frage, ab wann Wegschauen zur Mittäterschaft wird."
In Polen will die Regierung untersuchen, inwieweit Epstein Verbindungen zu russischen Geheimdiensten hatte. Dazu schreibt der CICERO:
"Staaten in Mittel- und Osteuropa verfügen über eine historische Erfahrung mit russischer Einflussnahme. Wenn Polens Ministerpräsident Tusk von nationaler Sicherheit spricht, meint er nicht strafrechtliche Schuld, sondern die Möglichkeit langfristiger Destabilisierung. Die Frage lautet nicht, wer sich schuldig gemacht hat, sondern wer erpressbar geworden sein könnte."
Auch T-ONLINE sieht eine Relevanz für die Sicherheit Europas:
"Niemand kann garantieren, dass es nicht noch weitere europäische Amtsträger oder andere Mächtige gibt, die durch ihren Umgang mit Epstein womöglich erpressbar sind. Die Bundesregierung sollte dafür sorgen, dass deutsche Nachrichtendienste und Sicherheitsbehörden die umfangreichen Dokumente auswerten."
Zur Aufarbeitung in den USA meint die NÜRNBERGER ZEITUNG:
"Es wird höchste Zeit, dass die fehlende Hälfte der Akten das Licht der Öffentlichkeit sieht. Doch das allein ist nicht genug. Gebraucht wird eine gründliche juristische Aufarbeitung der Verbrechen, ihrer Auftraggeber und Nutznießer. Ob die amerikanische Demokratie und der verbliebene Rechtsstaat die Kraft dazu haben, darf bezweifelt werden."
Themenwechsel. Die EU-Kommission wirft TikTok vor, Kinder und Jugendliche süchtig zu machen - und droht mit Strafen, sollte sich an der Funktionsweise der Kurzvideoapp nichts ändern.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG meint:
"Gut so! Bislang reagieren die Plattformen auf Regulierungsversuche allenfalls halbherzig. Auf sie verzichten sollte man aber nicht. Je mehr Versuche es gibt, desto größer wird der Druck. Und das führt vielleicht irgendwann zum Umdenken, auch in den Konzernen. Denn am Ende wollen die ja eins: Geld verdienen."
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER spricht angesichts der EU-Maßnahme von einem "wichtigen Schritt" und blickt auf Altersgrenzen für Social Media, über die zahlreiche Länder diskutieren:
"Keine Frage, soziale Medien sind gefährliche Orte für Kinder und Jugendliche. Die Lösung liegt jedoch nicht in willkürlichen und zudem porösen Altersgrenzen. Deutschland und Europa müssen die US-Konzerne hinter den Plattformen stärker in die Verantwortung nehmen."
