
"Die Personalentscheidungen haben Unmut in einer Dimension ausgelöst, die Merz offenbar massiv unterschätzt hat", heißt es in der RHEINISCHEN POST aus Düsseldorf. "Geht die Umbesetzung schief, wird das vollständig mit dem Kanzler nach Hause gehen. Die Autorität des Kanzlers ist beschädigt."
DER TAGESSPIEGEL aus Berlin erklärt: "Das Ausmaß der Kritik an Merz und die Zahl seiner Kritiker in den CDU-Spitzengremien könnten den Montag zu einer Art Kipppunkt gemacht haben. Teilnehmer wiesen darauf hin, dass die Kritik aus allen Teilen der CDU kam. Merz hat es sich mit der ganzen Breite der CDU verscherzt."
Die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG aus Essen urteilt: "Es lief zuletzt doch gar nicht so schlecht. Es ist ein Jammer, wie er ohne Not die eigene Partei gegen sich aufbringt."
Der MÜNCHNER MERKUR blickt voraus: "Der Kanzler muss hoffen, dass seine Partei ihre Wut nicht an seinem Intimus Thorsten Frei auslässt, dessen Wahl zum Fraktionschef diesen Mittwoch ansteht. Merz kann nicht verhindern, dass seine Leute schon an die Zeit nach ihm denken, an Hendrik Wüst und die CSU-Allzweckwaffe Alexander Dobrindt."
Die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg meint: "Inzwischen steht die Frage im Raum: Kann Merz seine bröckelnde Machtbasis noch einmal kitten? Es ist ja schon fast grotesk: Als CDU-Chef enttäuscht Merz vor allem diejenigen, die seine Rückkehr in ein Spitzenamt unbedingt wollten: die Parteibasis."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG befasst sich mit möglichen Konsequenzen nach dem islamistischen Terroranschlag auf den CSD in Berlin und schreibt mit Blick auf Bundesinnenminister Dobrindt: "Die derzeitige Rechtslage, die den Sicherheitsbehörden enge Grenzen setzt, sollte nicht in Stein gemeißelt sein. Gleiches gilt für Dobrindts Forderung, vermehrt elektronische Fußfesseln einzusetzen. Auch das sollte kein Tabu sein. Dobrindts Forderungen mögen mit manchen pauschalen Formulierungen den Tatbestand eines Schnellschusses erfüllen. Aber sie sind ein Anfang."
Die NÜRNBERGER ZEITUNG moniert: "Um Terror, Hass und Gewalt entgegenzuwirken, steht ein breit gefächertes Instrumentarium zur Verfügung. Wenn es Justiz und Behörden nicht nutzen, ist es sinnlos, für weitere Verschärfungen einzutreten."
Und der KÖLNER STADT-ANZEIGER kommentiert:
"Die politische Antwort fällt erwartbar aus. Mehr Überwachung, Fußfesseln, Präventivhaft, strengere Regeln für junge Straftäter. Doch Härte ist kein Synonym für Sicherheit. Ein Gefährder ist kein Verurteilter. Die Einstufung beschreibt eine Prognose der Polizei, keinen Schuldspruch. Präventivhaft darf deshalb nicht zum Gefängnis auf Verdacht werden. Kein Land kann alle Betroffenen rund um die Uhr überwachen, das Personal dafür wird es niemals geben."
