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Bob Geldof wird 65
Mehr Aktivist als Musiker

Bekannt wurde der Ire Bob Geldof vor allem als Initiator von Bandprojekten wie "Band Aid" und "Live Aid". Seit mehr als 30 Jahren engagiert sich der Sänger der "Boomtown Rats" gegen Hungersnöte, Armut, Verschuldung und für eine bessere Welt.

Von Gabi Biesinger | 05.10.2016

Bob Geldorf diskutiert bei der Verleihung des Charlie Award 2014 im Rahmen des Campus Symposium Iserlohn
Bob Geldof bei der Verleihung des Charlie Award 2014 (Andreas Keuchel/dpa)
Die musikalische Karriere von Bob Geldof ist eigentlich relativ übersichtlich: Den größten internationalen Hit hatte er als Frontman der Boomtown Rats 1979 mit dem Song "I don't like Mondays" über ein Massaker an einer amerikanischen Schule. 1984 rüttelt ihn eine Fernsehdokumentation über den Hunger in Äthiopien auf. Der Ire fährt selbst dorthin und findet seine Berufung:
"Ich hatte so etwas noch nie gesehen. Wir sind auf dem Weg zu dem großen Lager durch die Sahelzone gefahren. Da waren 30 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht. Es war Horror, der reine Horror."
"Band Aid" und "Live Aid"
Geldof stellt das Projekt "Band Aid" auf die Beine und sammelt mit dem Weihnachts-Hit "Do they know it's Christmas" Millionen Spendengelder ein. Ein Jahr später organisiert er "Live Aid", das bis dato größte Rockkonzert der Musikgeschichte, in London und Philadelphia.
Queen, David Bowie, Elton John, Tina Turner - dutzende Superstars treten bei dem 16-stündigen Spektakel auf, 1,5 Milliarden Menschen schauen am Fernseher zu. 2014 will Geldof mit einer Neuauflage von "Do they know it's Christmas" Spenden gegen die Ausbreitung von Ebola in Westafrika sammeln. In 63 Ländern schnellt die Single auf Platz 1. Doch prominente Musiker werfen Geldof auch Eitelkeit vor, gehen auf Distanz zu Geldofs Projekt, so wie Blur-Sänger Damon Albarn:
"Ich habe Probleme mit dieser Art von Wohltätigkeit: Einfach aus dem Nichts einen Media-Hype in die Welt zu blasen, und so zu tun, als könne man einfach nur mit Geld die Probleme lösen. Manchmal schafft Geld sogar Probleme."
Private Schicksalsschläge
Private Tragödien überschatten Geldofs Leben immer wieder. Seine erste Frau, die Moderatorin Paula Yates, mit der er drei Töchter hatte, verlässt ihn 1995 für INXS-Sänger Michael Hutchence. Drei Jahre nach dessen mysteriösem Tod stirbt Yates an einer Überdosis Drogen:
"Als sie mich verließ, war ich am Boden zerstört, ich habe sie sehr geliebt. Ich habe es nicht verstanden, der Schmerz war unermesslich."
2014 wird auch Geldofs zweitälteste Tochter Peaches nach einer Überdosis Heroin tot in ihrem Haus gefunden.
Hochzeit, Kampagnen gegen den Brexit und neue Konzerte
Kurz danach heiratet Geldof seine langjährige Lebensgefährtin, die französische Schauspielerin Jeanne Marine. Eine von Geldofs aktuellen politischen Kampagnen richtet sich gegen den Brexit. Akzeptiert hat er die Entscheidung der Briten, aus der EU auszusteigen, nicht und hofft bei öffentlichen Kundgebungen noch immer, dass das Votum nicht umgesetzt werden wird:
"Wir haben jetzt zwei Jahre lang Zeit, mit aller Energie zu verhindern, dass dieses Land zerstört wird."
Obwohl Geldof durch sein soziales Engagement inzwischen vermutlich bekannter ist als durch seine Songs, sieht er sich selbst vor allem als Musiker:
"Das ist das, was ich im Kopf habe, das steht in meinem Pass und beschäftigt mich."
Im März 2017 wird er auch ein paar Konzerte in Deutschland geben.
Geldofs Konzerte in Deutschland sind am 05.03.2017 in der Sporthalle Hamburg und am 06.03.2017 im Pier 2 in Bremen.