
Am Vormittag hatte Starmer seinen Rücktritt als Premierminister und Parteivorsitzender angekündigt. Er habe vor zwei Jahren den Vorsitz der am Boden liegenden Labour-Partei übernommen und sie zum Besseren verändert, sagte der 63-Jährige in einer Ansprache vor dem Regierungssitz in London. Nun werde er alles in seiner Macht Stehende tun, um einen geordneten Wechsel zu gewährleisten und seinen Nachfolger unterstützen. Es wird damit gerechnet, dass dieser seine Ämter im September antreten kann.
International wurde Starmer vor allem wegen seines Engagements bei der Unterstützung der Ukraine gewürdigt. Der ukrainische Präsident Selenskyj erklärte, Starmers Entscheidungen hätten zum Schutz seines Landes und ganz Europas beigetragen.
Neuer Premier wohl im September
Starmer will bis zur Wahl seines Nachfolgers Regierungschef bleiben. Das Verfahren zur Wahl eines neuen Vorsitzenden der Labour-Partei werde im Juli gestartet. Sein Nachfolger könnte den Labour-Vorsitz und das damit verknüpfte Amt des Premierministers dann voraussichtlich im September antreten. Der Nachfolger wird der siebte britische Regierungschef binnen zehn Jahren.
Starmer hatte das Amt des Premierministers nach dem Wahlsieg seiner sozialdemokratischen Labour-Partei im Juli 2024 übernommen. Nach schweren Verlusten bei den Kommunalwahlen im Mai und dem Rücktritt führender Kabinettsmitglieder aus Protest gegen seinen Führungsstil war der Druck zuletzt massiv gestiegen.
Weiter verschärft hatte sich die Lage für Starmer am Freitag, als sein parteiinterner Rivale Burnham einen Sitz im Parlament gewann, was diesem eine formale Kandidatur für den Parteivorsitz ermöglicht. Burnham hätte Starmer Berichten zufolge in eine Führungswahl gezwungen, wäre der Premier zu einer anderen Entscheidung gekommen.
Farage fordert Neuwahlen
Der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Reform UK, Farage, forderte nach Starmers Rücktritt Neuwahlen. Es brauche radikale Veränderungen in Großbritannien, erklärte Farage. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen lobte Starmer hingegen als herausragenden Staatsmann. Er habe viel für die Sicherheit Europas und der Ukraine getan.
In Deutschland wurde der Rücktritt zurückhaltend aufgenommen. "Die Bundesregierung hat in Keir Starmer immer einen verlässlichen und engen Partner gehabt in außenpolitischen und gerade die Ukraine betreffenden Fragen", sagte Regierungssprecher Kornelius. Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Ahmetovic, sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Für Labour bleiben nicht mehr viele Chancen, diese Entscheidung muss daher sitzen." Eine stabile britische Regierung liege im deutschen und europäischen Interesse.
Diese Nachricht wurde am 23.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
