Nach Festnahme
Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen zu Strom-Sabotage

Nach einer Reihe von Sabotage-Angriffen auf das deutsche Stromnetz hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen gegen den Verdächtigen übernommen. Grund ist nach Angaben einer Sprecherin die besondere Bedeutung des Falls. Unter anderem gehe es um den Verdacht verfassungsfeindlicher Sabotage.

    Polizeifahrzeuge stehen in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler.
    Die Polizei nahm in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler einen Verdächtigen fest. (picture alliance / dpa / Sascha Thelen)
    Ein 48-Jähriger soll an mehreren Orten versucht haben, Stromleitungen in der Nähe von Kohlekraftwerken zu sabotieren. In Brandenburg und Nordrhein-Westfalen war das gelungen. Am Dienstag fiel er Polizisten bei einem Großeinsatz in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen auf - und wurde festgenommen.

    Kurzschlüsse mittels selbstgebauten Raketen verursacht 

    Den Ermittlungen zufolge soll der Mann Abschussvorrichtungen aufgebaut und mit selbstgebauten Raketen einen Draht über Hochspannungsleitungen geschossen haben. Mindestens zweimal kam es dadurch zu Kurzschlüssen, und zwei Kraftwerke mussten vom Netz genommen werden. Zu Schäden für die Bevölkerung kam es nicht.
    Der Verdächtige wollte seine Angriffe nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Innenminister Reul (CDU) fortsetzen. "Der war immer noch unterwegs und wollte weitermachen. Dieses Spiel ist heute beendet worden", sagte Reul am Tag der Festnahme. "Im Moment spricht alles dafür, dass es ein Einzeltäter und alles aus seiner Hand war."
    Das Amtsgericht Aachen hat einen Haftbefehl erlassen, der Mann ist in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Cottbus wirft ihm unter anderem das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, die Störung öffentlicher Betriebe und die Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel vor. 

    "Klimaterrorismus" als Motiv?

    Hintergrund der Fahndung waren zwei Bekennerschreiben, die bei mehreren Medienhäusern eingingen und auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. "Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges Täterwissen", sagte Bundesinnenminister Dobrindt Ende vergangener Woche.
    Zum Motiv sagte der CSU-Politiker, es handele sich sehr wahrscheinlich um "Klimaterrorismus" eines Einzeltäters. In einem Bekennerschreiben heißt es: "Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen."
    Politiker unterschiedlicher Parteien und Experten forderten nach Bekanntwerden der Sabotage-Aktionen einen stärkeren Schutz der sogenannten kritischen Infrastruktur und vor allem der Stromnetze in Deutschland.
    Diese Nachricht wurde am 10.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.