Dienstag, 05. März 2024

Künstliche Intelligenz
Bundesarbeitsminister Heil erwartet ähnliche Umwälzungen durch KI wie bei der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert

Nach Ansicht von Bundesarbeitsminister Heil sind die zu erwartenden Veränderungen durch die Künstliche Intelligenz gleichzusetzen mit der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. Das Ausmaß für die Arbeitswelt lasse sich noch nicht absehen, sagte der SPD-Politiker dem "Tagesspiegel".

14.05.2023
    Arbeitsminister Hubertus Heil schaut schräg an der Kamera vorbei. Er trägt einen dunklen Anzug mit blauer Krawatte.
    Arbeitsminister Hubertus Heil: Arbeit wird sich durch KI rasant verändern. (imago / Christian Spicker)
    Klar sei aber, man stehe mit der KI am Anfang einer revolutionären Entwicklung. Die Experten in seinem Haus prognostizierten, ab 2035 werde es keinen Job mehr geben, der nichts mit KI zu tun habe. Das gelte auch für Tätigkeiten, von denen man das jetzt noch nicht glaube. Laut Schätzungen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC könnte die KI bereits im Jahr 2030 einen Beitrag von bis zu 15,7 Billionen US-Dollar zur Weltwirtschaft beitragen. Die Industrielle Revolution im 19. Jahrhundert gilt als eine der massivsten und nachhaltigsten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen der Geschichte infolge technischer Erneuerungen.
    Heil forderte, jetzt die Weichen zu stellen, damit am Ende die Künstliche Intelligenz den Menschen diene und nicht umgekehrt. Forderungen nach einer Entwicklungspause bei der KI wies er zurück: "Es geht nicht darum, Tempo rauszunehmen, sondern es geht darum, selbst schnell zu sein." Deutschland und Europa müssten die sich ergebenden Chancen von KI jetzt auch nutzen.

    Vestager: EU auf dem Weg zu weltweit ersten KI-Gesetzen

    Die Europäische Union wird sich nach Ansicht von Wettbewerbskommissarin Vestager dieses Jahr auf die weltweit erste umfassende Rahmengesetzgebung für Künstliche Intelligenz einigen. Beim Treffen der G7-Digitalminister im japanischen Takasaki sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters, geplant sei zum Beispiel die Verpflichtung, durch KI geschaffene Bilder zu kennzeichnen. Vergangene Woche hatten die zuständigen Ausschüsse des Europäischen Parlaments bereits einen Entwurf zur KI-Regulierung verabschiedet. Auch Vestager zufolge wird KI in vielen Bereichen bald einen enormen Einfluss haben.

    Plädoyer für offene KI-Forschung

    Der Leiter des Instituts für künstliche Intelligenz an der Universität Bremen, Michael Beetz, plädiert für eine offene Forschung. Wichtig sei dabei, dass die Öffentlichkeit wisse, woran geforscht werde, sagte er dem Sender Radio Bremen. Dazu gehöre auch, Meinungen von Ethik- und Sozialforschern einzuholen über Potenziale und Risiken und den besten Umgang damit. Es sei bekannt, dass jede Technologie, die Fortschritt bringe, auch das Risiko der doppelten Verwendung habe. Drohnen etwa könnten bei Naturkatastrophen Überlebende finden, mit Waffen ausgerüstet aber auch Menschen töten. Aufgabe sei daher, Studenten und Nachwuchswissenschaftler so auszubilden, dass sie bewusst mit diesen Risiken umgingen.

    Bitkom: KI könnte Chinas Tech-Branche ausbremsen

    Der Aufschwung künstlicher Intelligenz könnte nach Einschätzung des Branchenverbands Bitkom die chinesische Technologiebranche ausbremsen. Hauptgeschäftsführer Rohleder sagte der "Bild am Sonntag", Anwendungen wie das derzeit populäre Dialogsystem ChatGPT könnten der Anfang vom Ende des Höhenflugs Chinas im Tech-Sektor sein. Künstliche Intelligenz brauche Meinungsfreiheit und Pluralismus, sonst könne sie nicht lernen. Das chinesische Zensursystem stelle solche Anwendungen vor eine kaum lösbare Aufgabe. Für Deutschland rechnet Bitkom damit, dass die KI das Internet für weitere Menschen erschließen werde. Immer noch seien rund zehn Millionen hierzulande nicht online, führte Rohleder aus. Das werde sich ändern. Künftig werde man auch seinem Fernseher, seinem Hörgerät oder seinem Auto einfach eine Frage stellen können und hierauf brauchbare Antwort erhalten.
    Diese Nachricht wurde am 01.05.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.