CSD-Angriff
Bundeskanzler Merz: Extremisten haben bei uns keinen Platz - Innenminister geht von islamistischem Hintergrund aus

Nach dem Angriff eines Autofahrers beim Christopher Street Days in Berlin hat Bundeskanzler Merz sein Mitgefühl ausgedrückt. Den Teilnehmern von CSD-Veranstaltungen sagte er: "Lassen Sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern."

    Friedrich Merz steht an zahlreichen Mikrofonen und gibt ein Statement ab. Über ihm ist ein großer schwarzer Regenschirm zu sehen.
    Statement von Bundeskanzler Merz (CDU) nach dem mutmaßlichen Terroranschlag am Rande des CSD in Berlin (Christoph Soeder / dpa )
    Merz sagte vor einem Gedenkgottesdienst für die Opfer in Berlin: "Diese Taten haben nur den Zweck, die Gesellschaft zu spalten und uns die Offenheit und Freiheit nehmen. Diese Extremisten haben in der Mitte der Gesellschaft keinen Platz. Wir sind mehr, wir sind stärker und wir halten zusammen."
    Zuvor hatte Bundesinnenminister Dobrindt erklärt, dass die Ermittler von einem islamistischen Terroranschlag ausgehen. Die Suche nach dem mutmaßlichen Täter stehe nun im Vordergrund.
    Der 21-Jährige habe sich den Erkenntnissen zufolge radikalisiert und gehöre der islamistischen Szene an, sagte Dobrindt vor Journalisten im Berliner Tiergarten. Der Generalbundesanwalt übernimmt die Ermittlungen. Der Tatverdächtige sei in der Vergangenheit zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Dagegen habe die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingelegt.
    Der Mann sei 2005 in Deutschland geboren und deutscher Staatsbürger, sagte der Innenminister. Er habe einen libanesischen Hintergrund, seine Mutter sei 2002 in Deutschland eingebürgert worden.

    Dobrindt korrigiert die Zahl der Opfer

    Bei der Tat, bei der der Mann auch eine Machete einsetzte, kam nach Dobrindts Angaben eine Frau ums Leben, 29 Menschen wurden teils schwerst verletzt. In Lebensgefahr sei keines der Opfer mehr, sagte ein Polizeisprecher.
    Der Tatverdächtige soll am späten Samstagabend mit einem weißen Kastenwagen in die Menschenmenge am Rande der CSD-Veranstaltung gefahren sein und anschließend mit einer Stichwaffe auf weitere Passanten losgegangen sein. Der CSD wurde daraufhin abgebrochen.

    Innenminister mahnt zur Überprüfung von Sicherheitskonzepten

    Der Innenminister hat die Veranstalter von Großveranstaltungen und CSDs aufgerufen, ihre Sicherheitskonzepte zu überprüfen. Es gebe weitere Großveranstaltungen und weitere Veranstaltungen des CSD. "Wir erwarten, dass die Sicherheitsmaßnahmen in diesem Zusammenhang noch einmal betrachtet und im Zweifelsfall erhöht werden müssen." Es sei unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen, dass es Nachahmer geben könnte.
    Der Vorfall ereignete sich im Tiergarten, außerhalb des offiziellen Veranstaltungsbereichs.

    Härtere Gangart gegen Islamisten gefordert

    Führende Innenpolitiker der Union haben Konsequenzen und ein ‌härteres Vorgehen gegen ⁠Islamisten gefordert. "Dieser furchtbare ⁠Anschlag auf unsere freiheitliche Lebensweise, aber auch andere tödliche Attacken der letzten Zeit müssen jetzt Anlass sein, den Kampf gegen den Islamismus noch einmal zu intensivieren", sagte Unions-Vize-Fraktionschef Günter Krings. "Wir brauchen Lösungen, um erkannte Gefährder dauerhaft aus der Öffentlichkeit zu entfernen." Diejenigen, die wegen einer deutschen Staatsbürgerschaft nicht außer Landes gebracht ⁠werden könnten, ⁠müsse man "dauerhaft hier bei uns ⁠hinter Schloss und Riegel bringen".
    Der Unions-Innenexperte Throm sagte: "Der Islamismus zeichnet sich durch extremen Fanatismus ​mit hoher Gewaltbereitschaft gegen Menschen aus. Das macht ihn so gefährlich. Und deshalb muss ‌es bei jeder einzelnen Entscheidung bei Haft, Abschiebehaft und Präventivgewahrsam heißen: im Zweifel für die Sicherheit der Bevölkerung."
    Nach dem mutmaßlichen Anschlag beim Berliner Christopher Street Day wird über Gefahren durch Islamismus debattiert.
    FDP-Chef Kubicki sagte der "Bild"-Zeitung, er sei wütend, dass die Gefahr des Islamismus in Deutschland noch immer nicht mit der notwendigen Entschlossenheit bekämpft werde. Es wiederholten sich lediglich Diskussionen, aber die Taten leider auch.
    Die Berliner AfD-Vorsitzende Brinker sprach von einer katastrophalen Migrationspolitik und einem Kuschelkurs gegenüber gewaltbereiten Islamisten. Der in der Deutschen Polizeigewerkschaft für die Bundespolizei zuständige Vorsitzende Ostermann erklärte, Islamisten breiteten sich seelenruhig aus. Nötig sei nun endlich eine kompromisslose Sicherheitsoffensive von Staatsbürgerschaftsrecht bis Abschiebungen.
    Der Grünen-Innenpolitiker von Notz sprach sich für mehr Befugnisse für die Sicherheitsbehörden im Vorgehen gegen gewaltbereite Islamisten aus. Die SPD-Spitzenpolitiker Bas, Klingbeil und Miersch forderten eine lückenlose Aufklärung und konsequente Bestrafung der Tat. Die Linke-Spitzenkandidatin für die anstehende Berlin-Wahl, Eralp, erklärte man dürfe nicht zulassen, dass Hass queeres Leben unsichtbar mache, das zur DNA der Stadt gehöre.
    Diese Nachricht wurde am 26.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.