Archiv


Chancen auf dem Land

Wirtschaftliches Wachstum auf dem Land wollen Deutscher Landkreistag und der Deutsche Bauernverband anstoßen. Immerhin 68 Prozent der Bevölkerung wohnen und arbeiten in ländlichen Regionen, 23 Millionen Arbeitsplätze existieren dort. Das sind rund 60 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland.

Von Dieter Nürnberger |
    Die Botschaft des Deutschen Bauernverbandes wie auch des Deutschen Landkreistages ist eindeutig: Nicht nur in Ballungszentren, sondern auch auf dem Land liegen Kraft und Potenzial. Man stellte zusammen ein Positionspapier vor, ein Zehn-Punkte-Programm mit dem Ziel, nachhaltiges, wirtschaftliches Wachstum auf dem Land zu erreichen. Die wesentlichen Schwerpunkte hierfür liegen in den traditionellen Betätigungsfeldern wie Land-, Forst und Ernährungswirtschaft, aber eben auch in der Tourismus- und Erholungsbranche sowie der Energiegewinnung. Und um diese Potenziale des ländlichen Raumes auch optimal ausschöpfen zu können, müsse natürlich eine regionsspezifische Förderung beibehalten und auch ausgebaut werden. Gerd Sonnleitner ist der Präsident des Deutschen Bauernverbandes:

    "Wir wollen aufzeigen, welche wirtschaftliche Bedeutung der ländliche Raum hat. Und wir spüren jetzt, dass in der Politik eine andere Strategie eingeläutet wird. Man will sich nämlich auf Ballungsgebiete und Metropolen konzentrieren. Und dies wäre für Deutschland der verkehrte Weg. Wir brauchen die Unterstützung über die Gemeinschaftsaufgabe des Bundes für Landwirtschaft, für Agrar- und Küstenschutz sowie die Entwicklung der ländlichen Wirtschaftsstrukturen. Wir brauchen hier Unterstützung. Aber man möchte jetzt ja die finanziellen Mittel auf Metropolen konzentrieren."

    Kritik deshalb auch an den Kürzungen der Europäischen Union - hinsichtlich der zweiten Säule in der Agrarförderung. Diese Defizite, so Gerd Sonnleitner, sollte der Bund deshalb versuchen auch auszugleichen.

    Der ländliche Raum werde allzu oft unterschätzt, das zeige allein ein Blick auf ein paar Zahlen. Immerhin 68 Prozent der Bevölkerung wohnen und arbeiten in ländlichen Regionen, 23 Millionen Arbeitsplätze existieren hier, das sind zusammen rund 60 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland. Zudem: Der Anteil an der Wirtschaftsleistung beträgt für diese Regionen rund 57 Prozent. Und für den Deutschen Landkreistag und den Bauernverband ist zudem auch wichtig zu betonen, dass in wirtschaftlich schwachen Gebieten Landwirtschaft und Tourismus oft die größten und somit wichtigsten Arbeitgeber sind. Und mit Umwelttechniken könne hier auch ein Zukunftsmarkt liegen, Stichwort: Bioenergie:

    "Es sind ja jetzt schon im Bereich der Bioenergie rund 50.000 Menschen beschäftigt. Und da könnten wir noch ein Plus von rund 200.000 Beschäftigungsverhältnissen erreichen. Weil es mit der Bio-Energie-Erzeugung auch Effekte auf Service und Dienstleistungen gibt. Das betrifft Handwerker genauso, die den Service auf dem Wärmemarkt anbieten. Handwerk, Gewerbe und Industrie ziehen hier gemeinsam mit den Landwirten an einem Strang. Das ist eine Boombranche. Aber der Schwerpunkt wird schon die Nahrungsmittelproduktion bleiben."

    Dem Deutschen Landkreistag und dem Bauernverband geht es aber auch um eine Stärkung in politischer Hinsicht. Und gerade beim Thema Bekämpfung der Vogelgrippe zeige sich dies ganz besonders. Auch hier gelte es, eine Funktionsfähigkeit des föderalen Systems zu untersteichen, so der Präsident des Bauernverbandes:

    "Die Erfahrungen auf Rügen zeigen ja, dass es zwar Abstimmungsprobleme gegeben hat. Aber danach hat es sich eingespielt. Und wir haben bundesweit gesehen, dass man dies vor Ort regeln muss, dass man Seuchen von der Basis her in den Griff bekommen muss. Natürlich in Abstimmung mit Landes- und Bundesbehörden. Aber der Schwerpunkt der Seuchenbekämpfung liegt vor Ort – beim Landrat, beim Landratsamt."

    Insgesamt also ein Plädoyer der beiden Verbände für eine deutliche Stärkung des ländlichen Raumes – finanziell aber auch verwaltungstechnisch und politisch.