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Computer in Grün

Die immensen Energiekosten, die für die Kühlung von Technikräumen in Rechenzentren aufgebracht werden müssen, waren Auslöser für eine Diskussion, die in dieser Woche zwischen Industrie und Bundesumweltministerium stattfand. Experten zufolge könnte schon jetzt ein Drittel des Energiebedarfs moderner Rechenzentren eingespart werden.

Von Wolfgang Noelke |
    "Was kümmern mich die Benzinpreise, ich tanke sowieso nur für fünf Euro" - Wer so denkt, mag sicher auch glauben: Flugzeuge fliegen sowieso, der Strom kommt aus der Steckdose und die Server meines Providers laufen Tag und Nacht. Tatsächlich kostet aber jeder Klick Energie. Jede Sucheanfrage bei Google, jede E-Mail kostet Energie, die zwar mit der Flatrate schon voraus bezahlt ist, es kann jedoch sein, dass wegen einer einzelnen E-Mail-Abfrage beim Provider ein Hardwareserver dazu geschaltet werden muss. In verkehrsarmen Zeiten, also nachts, ist bei Providern auch weniger Technik aktiv. Damian Schmidt, der Vorstandsvorsitzende der STRATO AG ließ aus Gründen der Energieeffizienz sogar die Kühlräume der Server architektonisch neu gestalten:

    "Die Gebäudetechnik basiert auf einem großen Prinzip der kalten und warmen Gänge. Das bedeutet, dass ich eine gezielte Luft- und Abluftführung im Rechenzentrum hab, was eben nicht zu so starken Verwirbelungen von Frischluft und Abluft führt. Dadurch haben wir etwa 20 Prozent Energieeffizienzgewinn realisieren können. Andere Bereiche sind zum Beispiel die freie Kühlung. Das heißt, bei niedrigen Temperaturen keine Kompressorkühlung, weil die Außentemperatur kalt genug ist. Was auch kein Standard heutzutage ist und in ganz extrem heißen Situationen, ist eine zusätzliche Wassernebelkühlung. Durch Verdunstungskühlung erreichen wir zusätzlichen Effizienzgewinn."

    Bereits damit gelingt es Damian Schmidt, die Energieversorgung seines Unternehmens vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen:

    "Wenn wir 30 Prozent Kosten einsparen, haben wir die Möglichkeit, sehr wettbewerbsfähige Pakete zu machen, so oder so. Und einen Teil dieser Energie nutzen wir für die doch immer noch anfallenden Mehrkosten für den Bezug regenerativer Energie. Wir haben uns entschlossen, auf 100 Prozent regenerativer Energie umzustellen und das können wir uns leisten, ohne den Kunden mit Mehrkosten zu belasten."

    Rund zehn Prozent Energie spart STRATO durch die Ausstattung mit Hardware-Architektur nur eines Anbieters. Das, so Schmidt vermeidet unnötige Softwareressourcen:

    "Sicherlich hilft es uns, dass wir eine einheitliche Serverstruktur haben, so dass wir die Software speziell auf die Geräte zuschneiden können. Es ist ein Teil, der diesen Effizienzgewinn ausmacht. Das ist anders als wenn Sie einen so genannten Serverzoo aus vielen verschiedenen Modellen haben. Dann brauchen Sie eine Softwareschicht, eine Virtualisierungsschicht dazwischen, die zusätzlich Ressourcen schluckt."

    Virtualisierung heißt das Zauberwort künftiger umweltfreundlicher digitaler Kommunikation und bedeutet, möglichst viele virtuelle Serverapplikationen auf einen Hardwareserver zu packen, statt pro Applikation jeweils einen Server einzurichten. Rolf Kersten, von Sun Microsystems:

    "Im Durchschnitt sind in der Industrie auf der Welt die Server nur zu 15 Prozent ausgelastet, während solche Internet-Dienstleister wie Google oder Ebay oder STRATO durchaus Werte von 90 Prozent erreichen und dadurch schon eine Vorbildfunktion für den Trend abgeben, wo die Industrie sich sicherlich auch hin entwickeln wird."

    Neue Netzteile, eine intelligente Applikation des Servermanagements außerhalb der Spitzenzeiten sowie leistungsoptimierte Prozessoren gewährleisteten, die steigenden Energiekosten der nächsten fünf Jahre auszugleichen. Anhand einer schlichten Rechnung zeigt Kersten, welche Kosten nur eine Ebay-Auktion, bei heutiger Technik verursacht:

    "Ebay veröffentlicht ja, wie viele Auktionen sie immer gleichzeitig bedienen. Das sind also weltweit über 100 Millionen Auktionen. Sie haben 15.000 Server, jeder Server verbraucht ungefähr 300 Watt Strom, also soviel wie drei Glühbirnen. Das gleiche kommt noch mal für Kühlung und Infrastruktur dazu. Und wenn man dann alles in eine große Formel wirft, kommt dann raus: ungefähr 30 Wattstunden für eine Auktion, die eine Woche lang läuft, wird verbraucht."

    Pro Auktionen entstehen 18 Gramm Kohlendioxid, die Google Anfrage verursacht drei Gramm Kohlendioxid und wenn der Avatar bei Second Life das ganze Jahr online sein sollte, entstünden 120 Kilogramm des Treibhausgases. Dr. Ulf Jaeckel vom Bundesumweltministerium will dieses Gespräch mit der Industrie und den gesellschaftlich relevanten Gruppen im Februar fortsetzen. Sein Ziel ist, Internet-Dienstleister, Hardwareproduzenten und die Nutzer zu sensibilisieren, möglichst umweltneutrale Produkte herzustellen oder zu verwenden und dazu müsse man erst einmal Bewertungsstandards entwickeln:

    "Wichtig ist die Konvention der Methodik, damit nicht jeder seine eigene Methodik entwickelt, sich möglicherweise das Ganze schönrechnet, sondern mit der Konvention soll ein gesellschaftlicher Konsens entwickelt werden. Wir wollen das mit allen gesellschaftlichen Gruppen diskutieren und wir wollen eine Akzeptanz dabei erreichen."