Archiv

Coronakrise und EU"Kultur spielt in der Kommission keine große Rolle"

In Deutschland gibt es mit "Neustart Kultur" ein Sofortprogramm von rund einer Milliarde Euro für die Kultur in Corona-Zeiten. Auch andere Länder haben Hilfen angekündigt. Und was macht die EU? Die Antwort der Kommission sei "mehr als unbefriedigend", sagte die SPD-Politikerin Petra Kammerevert im Dlf.

Petra Kammerevert im Gespräch mit Kathrin Hondl | 10.07.2020

Illustrierte Karte der europäischen Kultur und Tierwelt.
Europa versteht sich als Kontinent der Kulturvielfalt. Und wer zahlt nach Corona dafür? (imago / Ikon Images / Christopher Corr)
Im EU-Parlament wurde am Freitag (10.07.2020) über die Folgen der Corona-Pandemie für die Kultur debattiert. Es sei wichtig gewesen, in dieser Debatte noch mal klarzustellen, dass die EU-Kommission eine Verantwortung für die Kultur in Europa habe, so SPD-Politikerin Petra Kammerevert, sie habe "mehr als nur ein paar schöne Worte" erwartet. "Die Antworten der Kommission darauf waren mehr als unbefriedigend", bilanziert Kammerevert allerdings nach der Debatte.
Schon vor der Corona Krise forderte der Kulturausschuss des Parlaments eine Verdopplung des Budgets, speziell für das Programm "Creative Europe". Bislang seien dafür 1,4 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt worden - für 7 Jahre und 27 Mitgliedstaaten. Stattdessen gab es eine Kürzung um sieben Prozent. Auch Bildungsprogramme seien beschnitten worden. "Das macht deutlich, dass die Kultur und auch die Bildung in der Kommission keine große Rolle spielen".
Hamburg: Abgesperrte Stuhlreihen in einem Kinosaal des Programmkinos Abaton.
Corona-Hilfen des Bundes - Eine Milliarde für den Neustart der Kultur
Die Koalition hat ein "Rettungs- und Zukunftspaket Kultur" auf den Weg gebracht. Damit soll der Neustart von Kinos, Gedenkstätten, Museen und weiteren Kultureinrichtungen unterstützt werden.
Kultureller Schaden durch zu wenig Finanzhilfe
Kammervert habe heute im Parlament gefordert, dass von dem geplanten "Recovery Fund" in Höhe von rund 750 Milliarden Euro zwei Prozent der Kultur zugutekommen sollten. "Wir wissen, wie viele Menschen in diesem Bereich beschäftigt sind, wie viele Arbeitsplätze auch gefährdet sind in diesem Bereich", warnt Petra Kammerevert. Letztlich sei das eine wirtschaftliche Bedrohung, ganz abgesehen von dem kulturellen Schaden, der zusätzlich entstünde.
Man könne nicht einerseits in "Sonntagsreden immer wieder betonen, wie wichtig die Vielfalt der europäischen Kultur ist und auch der Erhalt der Vielfalt der Kultur", und dann andererseits nichts Entscheidendes tun. Diese Vielfalt sei wichtig für das Zusammenwachsen Europas. Hier müsse das EU-Parlament entscheiden, dass bestimmte Mittel sofort in die Kultur flössen, statt es den Mitgliedsstaaten selbst zu überlassen, wie sie Finanzhilfen einsetzen. "Wir reden hier über eine minimalste Umschichtung im Bereich des europäischen Haushaltes", das aber in der Kultur eine erhebliche Wirkung erzielen könne.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.