Archiv

Coronavirus und Kultur"Spielbetrieb solange wie irgend möglich aufrechterhalten"

Angesichts des Coronavirus hat die Schweiz Veranstaltungen mit über 1.000 Menschen verboten. Solch eine Maßnahme mache für Deutschland derzeit keinen Sinn, sagte Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), im Dlf. Das Problem sei nicht das Virus, sondern mangelnde Hygiene.

Gerald Mertens im Gespräch mit Christoph Vratz | 02.03.2020

Zu sehen ist der menschenleere Kammermusiksaal im Deutschlandfunk-Gebäude. Ein großer Raum mit Parkett ausgelegt, darauf Stuhlreihen und davor ein Konzertpiano. Von der Decke hängen schwarze Scheinwerfer.
Sollten Konzerte aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus abgesagt werden? (Deutschlandradio - Markus Bollen)
Statt Besucherzahlen generell zu begrenzen, rät Gerald Mertens zu Einzelfallentscheidungen: "Viel sinnvoller ist es, dass jeder Veranstalter vor Ort mit seinem Gesundheitsamt eine örtliche Risikobeurteilung macht und danach entscheidet, ob der Konzert- und Spielbetrieb noch weiter geht oder ob es Einschränkungen geben muss. Aber wir sind der Meinung es macht Sinn, den Spielbetrieb solange wie irgend möglich weiter aufrechtzuerhalten."
"Das Problem ist am Ende die mangelnde Hygiene"
Laut DOV gebe es im Bereich der Konzerthäuser, Philharmonien, Opern und Theater erhöhte Hygienemaßnahmen - hinter wie vor der Bühne. Die persönliche Entscheidung in eine Konzertveranstaltung zu gehen, könne man keinem abnehmen. Derzeit gebe es für Ticketinhaber aber keinen Anlass und auch keine juristische Grundlage bereits gekaufte Konzerttickets zu stornieren. "Das Problem ist am Ende nicht das Virus, sondern das Problem ist am Ende die mangelnde Hygiene", sagte Mertens. Jeder müsse mit der persönlichen Hygiene besser umgehen.
Coronavirus
Coronavirus (imago / Science Photo Library)
Wirtschaftliche Folgen für Konzertveranstalter
Da es in jüngerer Vergangenheit keine Epidemie gegeben habe, fehle es an Erfahrung mit wirtschaftlichen Folgen für Veranstalter, erklärte Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung. Er rät Veranstaltern, die in wirtschaftliche Not geraten, sich mit ihren Partnern, wie Stadt, Kommune, Land oder Gesundheitsbehörden in Verbindung zu setzen.