Dienstag, 05. Juli 2022

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Der Geiger und Dirigent Tibor Varga
Unstillbare Neugier

Tibor Varga spielte das gesamte Violinrepertoire und setzte sich auch sehr für die Musik des 20. Jahrhunderts ein. Er war einer der herausragenden Interpreten des Violinkonzertes von Arnold Schönberg, der Vargas Aufnahme des Werkes als „überwältigende Darstellung“ lobte.

Am Mikrofon: Norbert Hornig | 01.07.2021

Schwarz-Weiß Foto des Geigers Tibor Varga, wie er Geige spielt, er trägt einen dunklen Anzug und ein weißes Hemd, die weißen Haare sind zurückgekämmt
"Ich fühle mich gar nicht als Geiger, ich fühle mich als Musiker." Tibor Varga verkörperte den Typus des universalen Künstlers (imago stock&people)
Tibor Varga wurde vor einhundert Jahren im westungarischen Györ geboren, einer Region, aus der auch die berühmten Geiger und Pädagogen Joseph Joachim, Leopold Auer und Carl Flesch stammten. An der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest studierte er bei Jenö Hubay, dem damals bedeutendsten Geiger Ungarns.
Vargas Repertoire war denkbar breit gefächert. Die Kritik lobte seine Bach-, Mozart- und Paganini-Interpretationen, aber auch seinen Einsatz für die "Klassiker der Moderne". Varga spielte auf der Geige eine Zeit lang alles, was neu und schwer war und leistete einen substantiellen Beitrag zur Rezeption des zeitgenössischen Violinrepertoires.
Früh weitete sich sein künstlerischer Horizont, die Violinpädagogik und das Dirigieren traten neben seine solistischen und kammermusikalischen Ambitionen. Viele Jahre unterrichtete er als Violinprofessor an der Musikhochschule in Detmold und prägte Generationen junger Geigerinnen und Geiger. Dazu gehörte u.a. Madeleine Carruzzo, die als erste Frau in die Gruppe der ersten Violinen der Berliner Philharmoniker aufgenommen wurde. Und auch Alice Harnoncourt hatte in London bei ihm Stunden genommen.
Vargas Meisterkurse im schweizerischen Sion, das "Festival Tibor Varga" und der "Concours International de Violon Tibor Varga" wurden zu ersten Adressen der internationalen Violinszene.