Sonntag, 29. Mai 2022

Deutsche Bahn
Lokführergewerkschaft will ab Montag Streik-Pause einlegen

Der Chef der Lokführer-Gewerkschaft, Claus Weselsky, hat eine siebentägige Streikpause ab morgen in Aussicht gestellt. Die Verhandlungen sind jedoch weiter festgefahren. Verkehrsminister Alexander Dobrindt forderte GDL und Bahn erneut auf, den Tarifkonflikt schnell zu entschärfen. Heute müssen Bahnkunden noch mit Ausfällen und Verspätungen rechnen.

19.10.2014

Eine junge Frau mit Kopfhörern wartet am 15.10.2014 im Hauptbahnhof Hannover (Niedersachsen) sitzend auf einen Zug, während im Hintergrund Lokführer stehen.
Wegen des Streiks der Lokführer mussten Bahnreisende erneut viel Geduld mitbringen. (picture alliance / dpa / Ole Spata)
"Ich denke, dass wir über die nächste Woche reden und dass wir dort eine Pause einlegen von mindestens sieben Tagen", sagte Weselsky im ZDF. Während dieser Zeit müsse man dann reden. Mit der Streik-Pause solle auch der Bahn Gelegenheit gegeben werden, "entsprechende Vorbereitungen zu treffen". Weselsky betonte, er bedauere sehr, dass die Reisenden diesem Streik ausgesetzt seien. Aber die Bahn habe die Gewerkschaft zum Arbeitskampf "provoziert und gezwungen". Sie halte weiter daran fest, Verhandlungen unter Vorbedingungen zu führen, die für die GDL unannehmbar seien.
Bundesverkehrsminister Dobrindt rief die Gewerkschaft der Lokführer auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Wenn in Tarifverhandlungen konkrete Angebote auf dem Tisch liegen, sollte verhandelt werden", sagte der CSU-Politiker der "Bild am Sonntag". Tarifauseinandersetzungen wie auch Streiks seien ein elementarer Bestandteil der Tarifautonomie, dazu gehöre aber auch, die Folgen für betroffene Dritte möglichst gering zu halten. Mit Blick auf das neue Angebot der Bahn sagte Dobrindt, wenn es konkrete Vorschläge gebe, müsse darüber gesprochen werden.
Bahn-Kunden müssen mit erheblichen Einschränkungen rechnen
Bis Montag früh müssen Fahrgäste nach wie vor mit Ausfällen und Verspätungen rechnen. Im Fernverkehr fallen etwa zwei Drittel der Züge aus. Betroffen sind auch Regionalzüge und S-Bahnen. Alle Reisenden können sich auf der Internetseite der Deutschen Bahn über die aktuelle Entwicklung informieren und schauen, ob und wann die Züge fahren. Wer gar nicht weiterkommt: Der Konzern hat für alle gestrandeten Urlauber auch Hotelzüge bereitgestellt, und zwar in Hamburg, Berlin, Frankfurt und München.
Mit ihrem Streik trafen die Lokführer die Bahnkunden dieses Wochenende hart. Etwa zwei Drittel der Fernverkehrszüge standen seit gestern morgen still und auch Regionalzüge verkehrten nur nach Ersatzfahrplan. Kritik an der GDL, Streiks zur Herbstferienzeit auszurufen, wies Weselsky zurück: "Es ist immer Hauptreisezeit, an sieben Tagen in der Woche."
"An der Grenze zur Irrationalität"
Die Bahn kritisierte die Haltung der GDL und den Streik in scharfer Form. Personalvorstand Ulrich Weber sagte, so kurzfristig und in dieser Dimension sei der Ausstand völlig verantwortungslos und an der Grenze zur Irrationalität. Die Deutsche Bahn hatte Freitag, in etwa gleichzeitig zum Streikbeginn, ein neues Angebot vorgelegt. Es sieht fünf Prozent mehr Geld und eine Einmalzahlung von 325 Euro vor. Der Konzern will außerdem nächstes Jahr 200 neue Lokführer einstellen, um den Abbau der Mehrarbeit voranzubringen.
Die GDL wies das Angebot zurück. Hintergrund: Die GDL will nicht nur mehr Geld und weniger Wochenarbeitszeit durchsetzen. In dem Tarifstreit geht es auch darum, dass die Gewerkschaft über die Lokführer hinaus auch andere Berufsgruppen vertreten will - etwa die Zugbegleiter. Darum konkurriert sie mit der zweiten Gewerkschaft, der EVG. Die Deutsche Bahn lehnt aber konkurrierende Tarifverträge ab.
(jri/tk)