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Deutsche Film- und Fernsehakademie
Streit um Direktorenposten

Derzeit ist der Direktorenposten der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin vakant und die Neubesetzung verursacht großen Aufruhr an der Hochschule. Es gibt öffentliche Podiumsdiskussionen und Mahnwachen vor dem Roten Rathaus in Berlin. Was ist los?

Von Daniela Siebert | 22.12.2014
    "Also momentan liegt vieles lahm. Wir protestieren eigentlich die ganze Woche, ich habe in den letzten Wochen ziemlich wenig für meine Ausbildung tun können, leider, aber es ist uns allen sehr wichtig, weil wir wissen, je nachdem wer kommt, kann es alles für uns verändern, das kann vieles eröffnen, aber es kann auch viel verhindern."
    Die Regiestudentin Katharina Rivilis. So wie ihr geht es derzeit vielen der rund 200 Studierenden an der dffb. Seit der bisherige Direktor Jan Schütte im Sommer vorzeitig zurücktrat, um an eine Filmhochschule in den USA zu wechseln, wird diskutiert, wer Nachfolger oder Nachfolgerin werden könnte. Die Personalie ist wichtig erklärt Jörg Daniel, Regie-Student im fünften Jahr:
    "Was stattgefunden hat eben unter unserem letzten Direktor, der eben seine Aufgaben komplett vernachlässigt hat: Es gibt eine totale Zerfaserung der Einzelnen, es gibt Potenzial, es gibt tolle Mitarbeiter, eine tolle Studienleitung, tolle Studenten, das bräuchte eine klare Richtung, eine klare Vision, eine klare Identität und ganz konkret es braucht wieder eine Kontinuierlichkeit was Dozenten angeht."
    Schlechtes Betriebsklima
    Denn viele Dozenten hätten die Akademie wegen des schlechten Betriebsklimas in den letzten Jahren verlassen.
    Viele dffb-Studierende favorisieren ihre ehemalige Kamera-Dozentin Sophie Maintigneux als neue Direktorin. Wie auch schon vor vier Jahren. Was alles für die Französin spricht, zählt bei einer öffentlichen Diskussion eine Studentin auf, die Maintigneux auch als Ausbilderin in Berlin erlebt hat:
    "Sie hat eine tolle Energie, sie inspiriert nicht nur Kamerastudenten, und das ist kein Zufall, sie hat eine wahnsinnig lange Lehrerfahrung, sie hat einen Studiengang aufgebaut, sie ist wahnsinnig gut vernetzt, ihre Filmografie spricht für sich."
    In den letzten Monaten sah es lange so aus, als ob die Studierenden und auch die Dozenten der dffb diesmal bei der Direktorenwahl mitentscheiden dürften. Zwar nicht ganz so öffentlich und transparent, wie sie das selbst vorgeschlagen hatten, – aber:
    "Letztendlich wurde uns aber – und damit haben wir uns im ersten Moment auch arrangiert – eine Absichtserklärung zum Konsens gegeben. Also letztendlich wurde ganz ausdrücklich gesagt: Es wird nichts gegen den Willen der Akademie entschieden und am Ende wird es einen Kandidaten geben, der im Prinzip im Konsens berufen wird."
    Doch seit Anfang Dezember Kandidaten zu Vorstellungsgesprächen nach Berlin eingeladen wurden und keine studentischen Vertreter dabei sein durften, hängt der Haussegen schief. Die Studierenden befürchten, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, eventuell mit einem Direktor, den sie partout nicht wollen, dem Bewerber Julian Pölsler, Regisseur aus Österreich.
    Eine Konsensentscheidung wäre ein Novum
    Seither organisieren sie Mahnwachen vor dem Roten Rathaus, Demonstrationen, versuchen Presse und Öffentlichkeit für ihre Forderung nach Mitbestimmung zu gewinnen. Allerdings gibt es bislang keinen traditionellen Anspruch darauf. Eine tatsächliche Konsensentscheidung mit den Studierenden wäre ein Novum. Denn die Vergangenheit sah so aus:
    "Es ist nicht offiziell festgeschrieben, deswegen war das wahrscheinlich immer ein Diskussionspunkt, sie haben nicht direkt mitentschieden, aber sie waren immer beteiligt am Prozess."
    Aus dem dffb-Interimsdirektorium war heute zum aktuellen Sachstand nichts zu erfahren.
    Und auch Björn Böhning, Chef der Berliner Senatskanzlei, ist schon im Weihnachtsurlaub. Er ist Vorsitzender des 6-köpfigen Kuratoriums, das über den neuen Direktor entscheiden darf. Letzten Freitag wurde Böhning in einer Berliner Zeitung mit der Aussage zitiert: die Entscheidung sei noch nicht erfolgt, aber in der finalen Phase.
    Die Studierenden wollen ihre Mahnwache bis Weihnachten fortsetzen und denken über Streik nach, sollte der Chefposten ohne sie neu besetzt werden.