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Deutsche Umwelthilfe Abgasmanipulationen bei Luxusautos entdeckt

Bei Geländewagen und Limousinen der Oberklasse von Audi und Porsche hat die Deutsche Umwelthilfe viel zu hohe Abgaswerte gemessen. Alle getesteten Fahrzeuge sind mit demselben Typ Dieselmotor ausgerüstet. Die Ergebnisse seien den Behörden schon seit drei Jahren bekannt, so die Umwelthilfe.

Von Daniela Siebert | 02.07.2019

Der Schriftzug "Diesel" steht am Kotflügel eines Porsche Cayenne 3,0-Liter-Diesel.
Der Schriftzug "Diesel" auf einem Porsche Cayenne (dpa / Daniel Maurer)
Im Prinzip geht es heute um eine Geschichte, die wir so schon seit 2015 kennen, aber mit neuen Fallbeispielen. Die Geschichte ist ein Fortsetzungsroman: Die Deutsche Umwelthilfe deckt durch eigene Messungen auf, dass Fahrzeuge im Betrieb auf der Straße die gesetzlich zulässigen Grenzwerte für bestimmte Schadstoffe bei weitem überschreiten und macht dafür illegale Abschaltvorrichtungen in den Motoren verantwortlich.
Das Fallbeispiel heute: Der Diesel-Motor EA897. Er wird sowohl bei Audi als auch bei Porsche in Luxuslimousinen und teuren Geländewagen verbaut. Nach Messungen der Deutschen Umwelthilfe reißen viele dieser Fahrzeuge jedoch die gültigen Stickoxidgrenzwerte extrem. DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch:
"Es geht um Audi und Porsche, die sind mit einem Motor, der bislang nicht im amtlichen Fokus war, aufgefallen, es geht letztendlich um alle Dieselmodelle, die bei Porsche verkauft werden. Wir haben zwei Porsche-Cayenne-Modelle untersucht, die eben diesen Motor EA897 an Bord haben, Euronorm 6. Da haben wir eben festgestellt, dass die Grenzwerte um das 3,6- beziehungsweise 4,2-fache überschritten werden und das Fahrzeug dann zusätzlich, wenn man es im Sportmodus fährt, fast das Doppelte an Stickoxiden emittiert als wenn es im Normalmodus betrieben wird, das ist eindeutig illegal."
KritIk am Kraftfahrtbundesamt
Konkret verweist die Deutsche Umwelthilfe heute auf verschiedene Modelle des Porsche Panamera, des Porsche Cayenne und den Audi SQ5 Plus. Alle Fahrzeuge wurden nach 2015, also nach Auffliegen des Abgasskandals verkauft. Und alle untersuchten Pkw entsprachen der Abgasnorm Euro 5 oder Euro 6.
Die Kunden seien nicht über das Vorhandensein illegaler Abschalteinrichtungen informiert worden, kritisiert die Umweltorganisation. Auch einen amtlichen Rückruf vermisst sie und erhebt schwere Vorwürfe gegen das Kraftfahrtbundesamt. Das sei heute nur noch ein Dienstleister für die Autoindustrie.
"Was uns überrascht, ist, dass die Behörden bis jetzt da zuschauen. Dass eben nicht angeordnet wurde, dass entweder diese Fahrzeuge stillgelegt werden oder - was natürlich viel vernünftiger ist - auf Kosten des Herstellers so nachgebessert werden, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Wenn ein Fahrzeug eine defekte Bremse hat, gibt es überhaupt keinen Zweifel, dass eben über einen Rückruf diese Bremse auf Kosten des Verantwortlichen repariert werden muss."
Nachrüstung der Hardware wird gefordert
Nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe sollten die betroffenen Fahrzeuge kurzfristig und kostenlos eine Hardware-Nachrüstung durch die Hersteller erhalten. Ein vom Kraftfahrtbundesamt angeordnetes Software-Update habe nicht dafür gesorgt, dass die Grenzwerte eingehalten würden. Eine kostenfreie Reparatur müsse jetzt den Besitzern zu rechtskonformen Fahrzeugen verhelfen.
Problematisch sei in diesem Zusammenhang auch das Verhalten des Bundesverkehrsministeriums, betont Resch.
"Weil das Bundesverkehrsministerium sehr viele der Abschalteinrichtungen, die mittlerweile nachgewiesen sind, einfach für legal erklärt. Wir erfahren auch nicht, welche der Abschalteinrichtungen verbaut werden. Hier sagt dann das Bundesverkehrsministerium frech: Das sind Betriebsgeheimnisse der Hersteller. Weder erfahren die Besitzer der entsprechenden Fahrzeuge, bei welchen Situationen, bei welchen Temperaturen, bei welchen Beschleunigungen die Abgasanlage abschaltet, noch geht das Ministerium dagegen vor."
Neue Informationen zum Dieselskandal speziell bei Audi publizierte gestern auch die ARD in einem Dokumentarfilm. Darin wurde deutlich, dass die Betrügereien schon Anfang der 2000er-Jahre angebahnt wurden. Etwa durch ein Gedicht eines Mitarbeiters über "defeat devices", heute bekannt als Schummel-Software. Und ein Audi-Ingenieur soll 2008 geschrieben haben "ohne Bescheißen werden wir es nicht schaffen".
Mit anderen Worten: Die Diesel-Affäre wird noch weitere Kapitel bekommen.