Restitution
Deutschland gibt Fragmente des Wandteppichs von Bayeux zurück

Deutschland hat zwei Fragmente des berühmten Wandteppichs von Bayeux an Frankreich zurückgegeben. Ein deutscher Wissenschaftler hatte sie offenbar während der NS-Besatzung entnommen und mit nach Deutschland genommen.

    Ausschnitt aus dem Wandteppich von Bayeux: Die Normannen rücken in Schlachtordnung vor.
    Ausschnitt aus dem Wandteppich von Bayeux: Die Normannen rücken in der Schlacht von Hastings vor (Archivbild). (picture-alliance / akg-images / akg-images)
    Die beiden zwischen einem und zwei Zentimeter langen unbestickten Leinenstücke waren 2023 im persönlichen Archiv des 1984 verstorbenen deutschen Textilspezialisten und Museumsleiters Karl Schlabow entdeckt worden. Schlabow war während der Nazi-Besatzung im Sommer 1941 mit einer gründlichen Untersuchung des mittelalterlichen Wandteppichs aus besticktem Leinen beauftragt worden.
    Der Wissenschaftler habe die beiden Fragmente vermutlich damals entnommen und nach Deutschland gebracht, erklärte das Museum von Bayeux. Nun, 85 Jahre später, wurden sie vom Direktor des Landesarchivs Schleswig-Holstein, Hering, in Bayeux übergeben.
    1872 hatte das heutige Victoria and Albert Museum in London bereits ein besticktes Stück des Wandteppichs zurückgegeben, das ein britischer Künstler 1816 entnommen hatte. Er war damals mit einer Reproduktion des Kunstwerks beauftragt worden.

    Mittelalterliche Bildergeschichte

    Der im elften Jahrhundert entstandene rund 70 Meter lange bestickte Wandteppich von Bayeux schildert in einer Art mittelalterlicher Bildergeschichte die Invasion im Königreich England durch den Normannenherzog Wilhelm der Eroberer. Diese führte nach der Schlacht von Hastings 1066 - die letzte erhaltene Szene auf dem Wandteppich - zur Herrschaft der Normannen in England.
    Der Wandbehang wurde im vergangenen Sommer im Museum von Bayeux abgehängt und in ein Zwischenlager gebracht. Von September an soll er im British Museum in London gezeigt werden. Restauratoren kritisieren den Plan scharf, weil sie befürchten, das empfindliche Stück könne beim Transport Schaden nehmen.
    Die regionale Kulturbehörde hatte noch 2021 erklärt, dass der Wandteppich "nicht transportfähig" sei, solange er nicht restauriert wurde. Frankreichs Präsident Macron will den Kulturschatz dennoch nach England verleihen.
    Diese Nachricht wurde am 17.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.