Mittwoch, 25. Mai 2022

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Deutschlandradio trennt sich von Mitarbeiter
Dlf-Chefredakteurin: "Wir müssen die Instrumente schärfen"

Anstatt selbst Interviews zu führen, hat ein freier Mitarbeiter des Deutschlandradios O-Töne von anderen Medien als eigene ausgegeben. Man habe die Zusammenarbeit mit dem Journalisten inzwischen einvernehmlich beendet, sagte Dlf-Chefredakteurin Birgit Wentzien im Deutschlandfunk.

Birgit Wentzien im Gespräch mit Mirjam Kid | 07.10.2019

Das Funkhaus des Deutschlandfunk in Köln
Das Deutschlandradio hat die Zusammenarbeit mit einem freien Mitarbeiter beendet, nachdem dieser zugegeben hatte, unsauber gearbeitet zu haben (Deutschlandradio © Markus Bollen)
Der freie Mitarbeiter hatte mehr als zwei Jahrzehnte lang Radiobeiträge aus dem europäischen Ausland für Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur geliefert, darunter auch Beiträge für die Sendung @mediasres. Der Sender wirft ihm vor, zuletzt unsauber gearbeitet zu haben. So hatte er Redaktionen nicht darüber informiert, dass sein Audiomaterial nicht aus eigenen Interviews stammte. Außerdem hatte er in Beiträgen den Eindruck erweckt, selbst vor Ort recherchiert zu haben - obwohl das nicht der Fall war.
Die Vorwürfe beträfen eine einstellige Zahl an Beiträgen, sagte Birgit Wentzien, Chefredakteurin des Deutschlandfunk, in der Mediensendung @mediasres. Aufgedeckt habe die Mängel ein Kollege im Sender.
Chefredakteurin verweist auf Fürsorgepflicht des Hauses
Der betroffene Mitarbeiter habe nachvollziehbar begründen können, warum er diese Fehler "aus einer persönlichen Situation heraus" gemacht habe. Deswegen habe sich das Haus auch dagegen entschieden, selbst an die Öffentlichkeit zu gehen: "Wir haben praktisch in dem Moment einen Schutzwall um ihn herum gezogen, um ihn natürlich auch für die Zukunft nicht verbrennen zu lassen. Das war die fundamentale Fürsorgepflichtentscheidung", erklärte die Chefredakteurin.
Bekannt geworden war der Fall, nachdem unter anderem das Portal Übermedien darüber berichtet hatte. Wentzien kündigte an, das 2014 beschlossene journalistische Selbstverständnis des Hauses noch einmal zu überarbeiten - unabhängig von dem konkreten Fall. Ziel sei es, "unsere Instrumente noch mal nachzuschärfen". Im Gespräch seien zum Beispiel Rechercheprotokolle und Ombudsleute, die Beiträge stichprobenartig prüfen könnten. Man warte im Moment noch auf Vorschläge aus der Kollegenschaft. "Der Weg ist genauso wichtig wie das Ziel", stellte die Dlf-Chefredakteurin klar.