Donnerstag, 06. Oktober 2022

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DHB-Präsident Andreas Michelmann
"Eine Fußball-WM alle vier Jahre ist gut genug"

Der Deutsche Handball-Bund hat am Sonntag Andreas Michelmann erneut zum Präsidenten gewählt. Jetzt gelte es, die guten Strukturen im Verband in sportlichen Erfolg umzumünzen, sagte Michelmann im Dlf. Denn der sportliche Erfolg sei der "beste Impuls für duie Nachwuchsgewinnung".

Andreas Michelmann im Gespräch mit Matthias Friebe | 03.10.2021

DHB-Präsident Andreas Michelmann beim Vorrundenspiel Deutschlands gegen Chile bei der Handball-WM in Frankreich.
DHB-Präsident Andreas Michelmann beim Vorrundenspiel Deutschlands gegen Chile bei der Handball-WM in Frankreich. (imago - Camera 4)
Der Deutsche Handballbund (DHB) hat am Sonntag die personellen Weichen für die Zukunft gestellt. Nach acht Jahren als Vizepräsident wird Bob Hanning von Jörg Föste, Geschäftsführer des Bundesligisten Bergischer HC, abgelöst. Auf dem DHB-Bundestag in Düsseldorf wurde zudem Präsident Andreas Michelmann, seit 2015 im Amt, mit überzeugender Mehrheit wiedergewählt.
Das größte Problem im deutschen Handball ist aktuell das sportliche Abschneiden, vor allem bei den Männern. "Wir haben bescheinigt bekommen, dass unsere Strukturen und unsere potenziellen Ansätze vielversprechend sind. Jetzt geht es darum, das mit sportlichem Erfolg zu unterstützen", sagte Michelmann im Dlf. Schließlich sei sportlicher Erfolg, der "beste Impuls für die Nachwuchsgenerierung".

"Mussten unsere Prioritöten verschieben"

Eine weitere große Herausforderung in den vergangenen Monaten sei die Corona-Pandemie gewesen. "Es war für alle extrem hart und eine ungewohnte Situation. In dieser Phase mussten wir auch unsere Prioritäten ein klein wenig verschieben. Es ging auf einmal darum, dass unsere Profiklubs, die ja unser Rückgrat sind, die Pandemie möglichst gut überleben. Und das war nur möglich, in dem wir wirklich zusammengehalten haben und auch über Teamsport Deutschland versucht haben, die Politik zu sensibilisieren, was sie zum Glück auch getan hat. Alle Profiklubs der fünf großen Teamsport-Verbände haben ja diese Pandemie überstanden", sagte Michelmann.
Jim Gottfridsson von Flensburg-Handewitt wirft auf das Tor.
"Skeptisch, was davon übrig bleibt"
Die Handball-Bundesliga der Männer ist in die neue Saison gestartet. Die Fans wurden mit der #ihrseiddiestars-Kampagne empfangen. David Gembitz ist Fan der SG Flensburg-Handewitt. Im Gespräch im Dlf zeigt er sich skeptisch, ob die Liga wirklich ihre Fans in den Mittelpunkt stellen wird.
Darüber hinaus sei der Handball seiner gesellschaftlichen Verantwortung nachgekommen und habe den Spielbetrieb in allen Ligen innerhalb von zwei Wochen eingestellt. "Das hat, glaube ich, kaum eine andere Sportart in dieser Geschwindigkeit, in dieser Eindeutigkeit zu hinbekommen."

Nachwuchs fehlt

Die dritte Facette der Pandemie sei das Nachwuchsproblem. Zwar hätten nicht viele Sportlerinnen und Sportler den Handball verlassen. Jedoch fehle der Nachwuchs, "weil der einfach gar nicht mit dem Handball beginnen kann." Deshalb habe der DHB seine zehn Förderregionen mit insgesamt 500.000 Euro versorgt, um Mitarbeiter einzustellen, die sich speziell um Nachwuchsgewinnung kümmern.
Wichtig für die Nachwuchsgewinnung ist außerdem Sichtbarkeit. Rainer Koch, Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bundes, hat sich auf dem DHB-Bundestag gegen eine Fußball-WM alle zwei Jahre ausgesprochen, um anderen Sportarten Freiräume zu lassen. "Der Sportkalender ist insgesamt sehr gut austariert", sagte Michelmann. "Wir sind froh, dass wir in Deutschland im Rahmen von Teamsport auch zum Fußball inzwischen ein sehr gutes Verhältnis haben, wo wir uns gerade in der Pandemie-Zeit gegenseitig unterstützt haben. Ich meine, die großen Fußballverbände, gerade die UEFA insbesondere, aber auch die FIFA haben sich zu Recht über diese Operettenliga beschwert, und jetzt fangen sie selbst an, verrückt zu spielen. Von daher kann ich Rainer Koch und den DFB nur unterstützen und sagen: Eine Weltmeisterschaft und Europameisterschaft alle vier Jahre sind gut genug."