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Die Geschichte des Filmmaterials von Prozess und Hinrichtung der Männer des 20.Juli 1944

Hitler nahm Rache und im Radio kündigte er sie an, wenige Stunden nach dem gescheiterten Attentat am 20. Juli 1944. Ein "ganz kleiner Klüngel verbrecherischer Elemente" würde "jetzt unbarmherzig ausgerottet".

Von Klaus Amann | 17.07.2004

Propagandaministers Josef Goebels beauftragte einen Dokumentarfilm über den Prozessverlauf vor dem Volksgerichtshof des Roland Freisler und der vorab geplanten Hinrichtungen mit dem Titel "Verräter vor dem Volksgericht". Der Auftrag ging an die Mitarbeiter der Deutschen Wochenschau, der lärmenden Propagandatrompete des Dritten Reiches. Im Saal des Berliner Kammergerichts und dann in der Hinrichtungsstätte Berlin - Plötzensee wurden Scheinwerfer, Mikrophone und Tonfilmkameras aufgebaut. Roland Freisler wollte den Angeklagten die Würde nehmen, seinem Gebrüll war die Tonfilmapparatur jener Zeit kaum gewachsen .

Goebbels erkannte sehr rasch, dass diese Film beim Publikum vor allem Mitleid mit den Opfern auslösen könnte, denn diese bewahren tapfer die Würde, obschon der Blutrichter sie lächerlich machen und demütigen wollte. Die Öffentlichkeit bekam den Film "Verräter vor dem Volksgericht" niemals zu sehen; ausgenommen blieb ein sehr kleiner Kreis von Eingeweihten. Sogar Reichsleiter Martin Bormann verlangte, dass nicht einmal die Gauleiter des Reiches diesen Film sehen sollen. Mit Verweis auf das Strafgesetzbuch wurde im Titelvorspann darauf hingewiesen, dass niemand , der diesen Film zu Gesicht bekommt, damit von seiner Existenz weiß und auch von der betreffenden Vorführung an Dritte berichten dürfe; der Filme gelte als "Geheime Reichssache".

Hitler hatte die Anweisung gegeben, die Attentäter sollen hängen wie Schlachtvieh. Und diesem Wunsch wurde entsprochen; im gleißenden Scheinwerferlicht der Wochenschauoperateure.

Der deutsche Dokumentarfilmproduzent Bengt von zur Mühlen hat sich seit Jahrzehnten mit dieser grauenhaften Nazifilm - Hinterlassenschaft beschäftigt. Er verweist darauf, dass es zu den Hinrichtungsaufnahmen nur Hinweise gebe, die Filmrollen selbst seien verschollen; eine Kopie des Prozessverlaufs indes sei erhalten geblieben.

Es gibt Berichte der beteiligten Kameramänner. Zum Beispiel bezeugten Kameramann Erich Stoll und andere, was vor ihrer Apparatur geschah. Die gefesselten Opfer wurden auch Angesichts des Todes an den Fleischerhaken noch gedemütigt. Die Henker hoben die Verurteilten in Schlingen aus dünner Klaviersaite. Im Todeskampf wurden ihnen die Hosen heruntergerissen. Die Henker hatten ihren Spaß und es wurde im Verlauf des grauenhaften Geschehens kräftig gesoffen .

Ingesamt waren bei der Herstellung dieses "Dokumentarfilmes" abwechselnd rund 10 Kameramänner beteiligt. Einer von ihnen nahm sich nach 1945 das Leben. Nach einer Auskunft von Marcel Colin Reval , Chef der "Section Cinema" der französischen Besatzungszone war dies der deutsche Wochenschau – Kameramann Walter Roth(e) (sic!). Marcel Colin - Reval entlastete die Zunft der deutschen Kameramänner und suchte den Neubeginn mit ihnen zusammen. Der französische Filmchef hatte durchaus Verständnis, dass die Filmoperateure den Auftrag für den Streifen "Verräter vor dem Volksgericht" nicht ablehnen konnten.

Im Gegensatz zu den Aussagen eines Filmvorführers, ist der Dokumentarfilmproduzent der Chronos - Film Bengt von zur Mühlen der Meinung, Hitler habe die Hinrichtungsaufnahmen nicht zu sehen bekommen. Von den Original 35mm - Negativen sei keine Positivkopien gezogen worden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit habe man Hitler Fotoaufnahmen vorgelegt. Die Filmaufnahmen der Hinrichtungen bleiben weiterhin verschollen -- und das ist gut so.