21. August 2023
Die internationale Presseschau

Heute mit Stimmen zum Misserfolg der russischen Mondmission und zum Dreiergipfel der USA, Japans und Südkoreas. Zunächst geht es aber um die Zusage Dänemarks und den Niederlanden, F-16-Kampfjets an die Ukraine zu liefern.

F-16-Kampfjet in der Luft vor blauem Himmel mit Wolken.
Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Dänemark und die Niederlande besucht und F-16-Kampfjets zugesagt bekommen - das ist auch Thema in vielen ausländischen Zeitungen. (picture alliance / Presidential Office of Ukraine / Sven Simon)
DER STANDARD aus Österreich hält das für eine gute Nachricht, moniert aber mangelndes Tempo bei der Unterstützung: "Es war ein ähnliches Zaudern und Zögern wie damals bei den westlichen Kampfpanzern. Die damalige Lieferung war ein überfälliger Dammbruch. Russland reagierte, anders, als viele befürchteten, nicht. Auch diesmal bricht ein Damm. Sich zu verpflichten, Kiew F-16-Jets zu liefern, war ein überfälliger und dennoch mutiger Schritt. Der niederländische Premier Mark Rutte und die dänische Premierministerin Mette Frederiksen leisten so einen deutlichen Beitrag zu einem sichereren Luftraum über der Ukraine und helfen, den täglichen Terror aus der Luft zu brechen", befindet DER STANDARD aus Wien.
Die portugiesische Zeitung CORREIO DA MANHA gibt zu bedenken: "Das große Problem ist, dass es noch viele Monate dauern wird, bis die F-16-Kampfjet eingesetzt werden können. Bestenfalls Ende des Jahres werden sie in der Lage sein, die ukrainische Gegenoffensive zu unterstützen. Hoffen wir, dass es dann nicht zu spät ist. Schon seit Beginn des Krieges zeichnet sich die westliche Unterstützung durch eine unerklärliche Langsamkeit aus. Wenn all die Hilfe einschließlich der F-16 früher gekommen wäre, könnte die Lage heute ganz anders aussehen“, ist sich CORREIO DA MANHA aus Lissabon sicher.
Nach Ansicht der russischen Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA ist der außenpolitische Erfolg des ukrainischen Präsidenten nicht ganz so groß wie nach außen dargestellt: "Selenskyj hatte erklärt, es sei ihm während seiner Besuche in Dänemark und den Niederlanden gelungen, 'bahnbrechende Vereinbarungen' zu treffen - dabei war die Reise weitgehend formaler Natur. Dass die Ukraine die F-16 erhalten würde, war bereits letzte Woche klargeworden, als die USA als Herstellerland in einem Brief an die Außenminister Dänemarks und der Niederlande die Erlaubnis dazu erteilten. Unklar bleibt, welche Rolle diese Flugzeuge im Verlauf der Feindseligkeiten spielen können. Für Luftverteidigungssysteme unverwundbar sind sie keineswegs", hält die NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau fest.
Die belgische Zeitung DE TIJD überlegt zum zukünftigen Kriegsgeschehen: "Es drängt sich die Frage auf, wie breit die Unterstützung für die Ukraine noch sein wird, während der Krieg ins nächste Jahr geht. 2024 ist ein wichtiges Wahljahr, und es bleibt abzuwarten, ob die Ukraine sowohl bei den Wahlen in Europa als auch in den USA ein Thema sein wird. Auf jeden Fall wird der Krieg auch im Jahr 2024 noch toben. Und es ist fraglich, ob US-Kampfflugzeuge dann noch einen Unterschied machen werden. Immer deutlicher zeichnet sich das Bild eines eingefrorenen Krieges ab. Keine der großen Konfliktparteien hat deutlich erkennbare Zielstellungen, und niemand ist bereit, zu verhandeln. Dieser Krieg wird uns noch jahrelang beschäftigen", befürchtet DE TIJD aus Brüssel.
Die japanische NIHON KEIZAI SHIMBUN kommentiert den Absturz der russischen Raumsonde "Luna-25" kurz vor der geplanten Landung auf dem Mond. "Es war die erste Mondmission für Russland seit 47 Jahren. Das könnte man als Trost für ihr Scheitern werten. Andererseits ist dieser Misserfolg eine Konsequenz daraus, dass Russland versäumt hat, seine Erfahrungen und sein personelles Kapital aus Sowjet-Zeiten weiterzuentwickeln. Es ist ein Beispiel dafür, wie wichtig Beständigkeit und Kontinuität in der Raumforschung sind, woraus auch Japan für seine Missionen eine Lehre ziehen sollte. Durch das Scheitern von Luna 25 wird auch Russlands Position in internationalen Mondmissionen geschwächt – etwa in einem kürzlich vereinbarten Kooperationsprojekt mit China", betont NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
"Der Wettlauf ins All 2.0 scheint offiziell eröffnet zu sein", stellt die chinesische Zeitung XINGJING BAO fest: "Dabei ist nicht nur die alte Raumfahrtgroßmacht Russland mit Luna 25, sondern auch ihr Rivale USA mit der schon mehrmals verschobenen Mondmission Artemis 3, und ebenso der Raumfahrt-Neuling Indien mit Chandrayaan 3. Allerdings läuft die Umsetzung der Pläne bei keinem der drei genannten Staaten reibungslos. Das größte Hindernis ist jedoch nicht wissenschaftlicher Natur, sondern politisch. Man darf sich fragen, wie alles gelaufen wäre, wenn Russland sich weniger vom Ehrgeiz treiben, und Amerika sich nicht von Gender- oder Rassendiskussionen ablenken ließen? Nach vielen technischen Problemen besteht zumindest für Indien noch die Hoffnung, dass die Chandrayaan 3 nun doch erfolgreich auf den Mond landet. Übermorgen soll es so weit sein. Es bleibt spannend." Das war die XINGJING BAO aus Peking.
Der TAGES-ANZEIGER aus der Schweiz zieht Bilanz des Gipfeltreffens der USA mit Japan und Südkorea in Camp David: "Der Dreier-Gipfel war ein grosser Erfolg für den US-Präsidenten Joe Biden. Er hat zwei wichtige US-Partner in Asien an einen Tisch gebracht, die vor kurzem noch so zerstritten waren, dass deren Regierungschefs sich kaum 'Guten Tag' sagen konnten. Die gemeinsamen Statements nach dem Treffen in Camp David stärken die US-Position auch im Konflikt mit China. Aber Joe Biden muss realistisch bleiben, denn seine asiatischen Freunde sind kompliziert. Die Kolonialgeschichte zwischen Japan und Südkorea ist weiterhin nicht richtig aufgearbeitet, deren Territorialstreit um die Liancourt-Felsen ungelöst. Und China ist beiden so nah als Nachbar und wichtigster Handelspartner, dass sie um gewisse Rücksichten nicht herumkommen", stellt der TAGES-ANZEIGER aus Zürich fest.
Die türkische Zeitung CUMHURIYET ist überzeugt: "Die USA wollten mit einem Dreierbündnis eine Art 'asiatische NATO' schaffen. Das hat das Treffen zwar nicht ergeben, aber immerhin eine Dreier-Partnerschaft. In der Abschlusserklärung werden die Gegner der USA klar definiert: China, Nordkorea und Russland. Seitdem Washington China zum Hauptgegner erklärt hat, versuchen die Amerikaner dieses Land im asiatisch-pazifischen Raum einzukreisen. Sie konzentrieren sich darauf, eine Militärfront von Australien bis nach Japan und Südkorea aufzubauen, um die schwächelnde Vormachtstellung der USA in dieser Region aufrechtzuerhalten. Leider erzielen die Vereinigten Staaten mit ihren Initiativen nicht immer den gewünschten Erfolg. Daher ändert sich das Gesamtbild nicht, der Aufbau einer neuen multipolaren Weltordnung geht weiter", notiert CUMHURIYET aus Istanbul.
Zum Schluss noch zwei Stimmen zum Sieg des spanischen Teams bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen: MUNDO DEPORTIVO aus BARCELONA ist begeistert: "Ein Riesentor von Olga Carmona reicht der 'Roja', um den Olymp zu betreten und um England in einem denkwürdigen Finale zu schlagen. Der 20. August 2023 ist jetzt schon ein Teil der Geschichte des spanischen Fußballs. Dieser Frauen-Nationalmannschaft gebührt für immer ein Platz im Herzen des spanischen Fußballs."
THE AGE aus Australien verweist auf die größere Bedeutung der Fußball-WM der Frauen: "Es ist eine Schande, dass Englands Löwinnen nicht gewonnen haben, aber es ist auch eine Schande, dass Frauen während des letzten Jahrhunderts überhaupt nicht Fußball spielen durften. Diese WM ist denkwürdig, weil sie uns gezeigt hat, wie Frauen den Sport nutzen, um ihr Leben zu etwas Großem zu machen, und nicht nur ihre Taille schlanker. Sie ist denkwürdig, weil sich Sport so lange wie eine Strafe für Frauen angefühlt hat, etwas, das wir tun müssen, um in Form zu bleiben, gut auszusehen und für Männer attraktiv zu bleiben. Hier sehen wir, was Sport sein kann, wenn man es nur zulässt: etwas, das manchmal Freude macht und manchmal herzzerreißend ist, aber immer geht es darum, zu lernen und zu wachsen und Teil einer Gemeinschaft zu sein", unterstreicht THE AGE aus Melbourne, und damit endet die Internationale Presseschau.