
Die finnische Zeitung ILTA-SANOMAT stellt fest, es sei erneut ein Mensch durch Schüsse eines Beamten der Migrationsbehörde ICE getötet worden: "Trump und sein engster Kreis lobten das Vorgehen der Behörde als patriotischen Akt und beschuldigten das Opfer als gefährlichen Unruhestifter. Augenzeugen berichten jedoch, dass der Mann bereits am Boden lag, als die tödlichen Schüsse fielen. In Minneapolis wiederholt sich damit ein Muster, das sich seit dem Beginn von Trumps zweiter Amtszeit leider in vielen US-Städten beobachten lässt. So wurden schwer bewaffnete ICE-Einheiten und sogar Nationalgardisten in mehrere Bundesstaaten entsandt, die von den Demokraten regiert werden, und aus diesem Grund sind auch Minnesota und Minneapolis zu bevorzugten Zielen geworden. Trump rechtfertigt die Einsätze damit, dass die Demokraten unfähig oder nicht bereit seien, gegen illegale Einwanderer und Kriminelle vorzugehen und für Ordnung auf den Straßen zu sorgen. Aber tatsächlich eskalierten die Krawalle immer erst, nachdem ICE-Schläger Angst und Schrecken verbreitet hatten", lautet das Fazit von ILTA-SANOMAT aus Helsinki.
Die spanische Zeitung LA VANGUARDIA betont mit Blick auf den Tod des Krankenpflegers Alex Pretti: "Es gibt keine größere Verfälschung der Wahrheit als die Behauptung, Pretti sei erschossen worden, um ein 'Massaker' unter ICE-Beamten zu verhindern, wie es Heimatschutzministerin Kristi Noem sagte. Man muss sich nur die Videos ansehen, um zu erkennen, dass der junge Mann, falls er eine Waffe bei sich trug, diese nie gezogen hat", notiert LA VANGUARDIA aus Barcelona.
Die italienische Zeitung CORRIERE DELLA SERA aus Mailand verweist auf den ICE-Einsatzkommandanten: "Die von Greg Bovino gewollten Inszenierungen der Aktionen haben bislang jede Bremse für ICE gelöst. Anzeichen für den Willen, die Konfrontation zu verschärfen, fehlen nicht. Doch der durch die ständigen Razzien erzeugte Terror und die Explosion der Feindseligkeit gegenüber ICE könnten Trump vielleicht auch dazu bewegen, Bovino aufzufordern, weniger brutale Methoden anzuwenden."
"Die öffentliche Meinung hat sich gedreht", analysiert die mexikanische Zeitung LA RAZON: "Aktuelle Prognosen sehen einen Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen im November voraus. Dann hätte es Trump schwerer, seine impulsiven und willkürlichen Entscheidungen durchzusetzen. Aber der Präsident gibt sich unbeeindruckt und lobt die Tötungen von Personen durch ICE-Beamte. Seine Sicht auf die Lage im Land weicht von der Realität ab, denn die Wirtschaft wächst längst nicht so stark wie von ihm dargestellt. Die Kaufkraft der Bürger sinkt, und immer mehr Menschen kämpfen um das tägliche Überleben. Hinzu kommen die Massenentlassungen in Behörden, wodurch die Arbeitslosigkeit weiter steigt. Trump stellt die geopolitische Ordnung in Frage, aber die Folgen dieser Politik bekommen auch die USA zu spüren", bilanziert LA RAZON aus Mexiko-Stadt.
In einem Gastkommentar erwartet die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio: "Wenn es so weitergeht, wird Donald Trump mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Unterstützung in der Bevölkerung weiter verlieren. Zwar wünscht sich eine Mehrheit der Amerikannerinnen und Amerikaner strengere Grenzkontrollen - aber keine Todesschüsse auf die Zivilbevölkerung auf der Straße."
Die tschechische Zeitung MLADÁ FRONTA DNES sieht Risse in Trumps MAGA-Koalition: "Ein Teil seiner Anhänger denkt streng isolationistisch und meint, dass die USA niemandem in der Welt helfen sollten, weder Europa noch Israel, sondern sich nur um sich selbst kümmern sollten. Und warum hat Trump in Grönland nachgegeben? 86 Prozent der Amerikaner waren gegen eine gewaltsame Eroberung. Zumal eine Eskalation des Zollkriegs mit Europa sowohl der europäischen als auch der amerikanischen Wirtschaft schaden würde, was für Trump im diesjährigen Wahljahr überhaupt nicht gut wäre", schreibt MLADÁ FRONTA DNES aus Prag.
Themenwechsel. Die dänische Zeitung JYLLANDS-POSTEN beschäftigt sich mit den Bemerkungen von US-Präsident Trump über Soldaten von NATO-Partnern: "Vieles, was Trump sagt und tut, ist unverschämt. Aber als er in einem Interview mit seinem Hof-Sender Fox News beiläufig fallen ließ, dass die Soldaten der anderen NATO-Länder beispielsweise in Afghanistan großen Abstand zur Front eingehalten hätten, überschritt er nicht nur eine rote Linie der Wahrheit, sondern auch des Anstands. Das führte zu einem seiner seltenen halben Zugeständnisse: Nachdem er vom britischen Premier Keir Starmer abgekanzelt worden war, lobte Trump eilig die britischen Soldaten. Auch in Dänemark haben Politiker die Äußerungen Trumps kritisiert. Der frühere Armeechef Knud Barteis verlangte von US-Botschafter Ken Howery eine Entschuldigung gegenüber den dänischen Soldaten, die Schulter an Schulter mit US-Truppen gekämpft hätten. Aber da sind wir wieder am gleichen Punkt angekommen wie so oft: Wir sind besorgt und frustriert über die Politik der USA", bemerkt JYLLANDS-POSTEN aus Århus.
POLITIKEN aus Kopenhagen gibt zu bedenken: "Zehntausende europäische Nato-Soldaten haben Seite an Seite mit den Amerikanern in Afghanistan gekämpft. Sie haben sich nicht im Hintergrund gehalten, 'etwas abseits der Front', wie Trump geringschätzig behauptet hat. Im Gegenteil: Unheimlich viele starben, und noch mehr wurden an Leib und Seele verletzt, als die USA die Nato um Hilfe gebeten haben. So darf die dominierende Macht der Nato sich nicht verhalten. Das ist unterirdisch. Es ist geschichtslos. Und es ist zerstörerisch für die transatlantische Zusammenarbeit", kritisiert POLITIKEN.
Nun geht es um die Lage im Iran. Die türkische Onlinezeitung T24 hält einen weiteren militärischen Angriff der USA für unwahrscheinlich und argumentiert: "Ein langwieriger Krieg könnte Trump bei den Zwischenwahlen im November mehr schaden als nützen. Zudem besitzt der Iran Hyperschallraketen und U-Boot-Flotten, was ein direktes Vorgehen der Vereinigten Staaten und/oder Israels gegen dieses Land erschweren würde. Eine solche Situation würde bedeuten, dass die Ölmärkte für einen viel längeren Zeitraum instabil blieben und die Preise stiegen. Die Amerikaner werden ein solches Szenario nicht in Kauf nehmen, denn das würde die Welt noch chaotischer und unkontrollierbarer machen", so die Einschäzung von T24 aus Istanbul.
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY blickt auf die Haltung des US-Präsidenten während der Proteste im Iran: "Trump hatte den iranischen Demonstranten zunächst die Hilfe der USA in Aussicht gestellt, dann von einem Angriff abgesehen. Er begründete das damit, dass die politische Führung des Iran die Hinrichtungen verhafteter Demonstranten aussetze. Tatsächlich lassen viele Daten aber vermuten, dass der Iran über eine Verteidigungskraft verfügt, die erheblich stärker ist als vielfach angenommen. Darum dürften sowohl die USA als auch Israel zu dem Schluss gekommen sein, dass ein Angriff mit erheblichen Risiken verbunden ist. So könnte zwischen den USA und dem Iran eine Art Gleichgewicht des Schreckens herrschen, das die Regierung in Washington von einem Angriff abhält", folgert AL QUDS AL-ARABY mit Sitz in London.
Abschließend geht es um die bevorstehenden Besuche mehrerer europäischer Staats- und Regierungschefs in China. Den Auftakt macht der finnische Ministerpräsident Orpo. Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO erläutert: "Dass es vor allem europäische Staatschefs nach Peking zieht, ist angesichts der politischen Turbulenzen durch US-Präsident Trump nur nachvollziehbar. Europa braucht eine neue Strategie und neue verlässliche Partner. Multilaterale Außenpolitik und Wirtschaftskooperationen sind eine Alternative. Eine engere Kooperation mit China könnte Europa zu mehr Selbständigkeit verhelfen." Das war die Meinung von JIEFANG RIBAO aus Shanghai zum Ende dieser internationalen Presseschau.
