
Dazu bemerkt der Schweizer TAGES-ANZEIGER in seiner Online-Ausgabe: "Indien, das bevölkerungsreichste Land der Welt mit 1,4 Milliarden Menschen, baut sich gerade zur Wirtschaftsmacht aus. Die Vision der Regierung in Delhi, bis 2047 ein vollständig entwickeltes Land zu sein, ist vermutlich zu ehrgeizig. Aber vor allem in den Städten ist der Wandel nicht zu übersehen. Neue Strassen, Flughäfen, Einkaufszentren sind im vergangenen Jahrzehnt entstanden. Und die Entwicklung geht weiter. Es gibt viel zu bauen. Für Europa ist Indien jetzt die grosse Chance auf gute Geschäfte. Hinzu kommt: Das Land ist die grösste Demokratie der Erde. Und damit offensichtlich der passende Partner im Kampf um eine Welt, in der Staaten Regeln und Freiheitsrechte achten", notiert der TAGES-ANZEIGER aus Zürich.
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO analysiert: "Angesichts des Konkurrenzkampfs zwischen den USA und China ist es für Mittelmächte unvermeidlich geworden, ihre strategische Zusammenarbeit zu verstärken. So wird als Grund für die Annäherung zwischen der EU und Indien immer wieder eine Reduzierung der Risiken genannt, die sich angeblich in Chinas Lieferketten verbergen. Nun wartet auf das Freihandelsabkommen aber erstmal ein schwieriges Ratifizierungsverfahren, wie das jüngste Votum des Europäischen Parlaments zum Mercosur-Abkommen deutlich gezeigt hat", folgert JIEFANG RIBAO aus Schanghai.
Die dänische Zeitung POLITIKEN beschäftigt sich mit der Konferenz der Nordsee-Anrainerstaaten in Hamburg: "Bis 2050 sollen in der Nordsee Windräder mit einer Gesamtleistung von 300 Gigawatt installiert werden, was einer Verzehnfachung entspricht - und das wären 20.000 der größten Windräder, wie sie die dänische Vestas und die deutsche Siemens entwickeln. Außerdem sollen 90.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Die Voraussetzung ist allerdings, dass die Regierungen die benötigten Milliarden bereit stellen, und schon früher wurden manche ehrgeizigen Ziele nicht erreicht. Auch ist Skepsis angebracht, was den Transport des Windstroms zu den Großstädten und Industriestandorten betrifft", meint der Kommentator von POLITIKEN aus Kopenhagen.
"Es ist ein verbindendes Projekt, auch im wörtlichen Sinne", betont die belgische Zeitung DE STANDAARD: "Es stärkt die Beziehungen zum Vereinigten Königreich, unterstützt einen bereits starken europäischen Sektor, der für technologische Innovation steht und macht den Kontinent weniger energieabhängig. Natürlich können wir nicht von heute auf morgen vom Gas wegkommen, aber es muss das Ziel sein, den Anteil schnell abzubauen. Damit nimmt man seinen Partnern - egal ob sie amerikanisch, russisch oder arabisch sprechen - die Waffen aus der Hand", ist DE STANDAARD aus Belgien überzeugt.
Thema in der US-amerikanischen Zeitung THE WALL STREET JOURNAL ist die Abschiebepolitik der Regierung von Präsident Trump: "Die Beendigung des Migrationschaos an der Grenze war notwendig nach der Amtszeit von Präsident Joe Biden. Doch die undiszipliniert umgesetzte Politik der Massenabschiebungen und der Null-Zuwanderung von White-House-Berater Stephen Miller schürt Misstrauen. Und die Argumentation des Weißen Hauses, die Maßnahmen dienten der öffentlichen Sicherheit, verliert an Glaubwürdigkeit", schreibt THE WALL STREET JOURNAL aus New York
Die brasilianische Zeitung O GLOBO stellt fest: "Selbst die Waffenlobby NRA - die für ihre Nähe zu den Republikanern bekannt ist - bezeichnete es als falsch und gefährlich, Polizisten den Einsatz von Schusswaffen gegen Personen zu erlauben, die lediglich eine Waffe bei sich tragen. Umfragen zeigen, dass zwar eine Mehrheit der Amerikaner für die Abschiebung illegaler Einwanderer ist, jedoch die Methoden der Migrationsbehörde ICE kritisiert. Polizeikräfte werden in paramilitärische Staatsorgane umgewandelt, die Gewalt gegen friedliche Demonstranten einsetzen, willkürlich auf Menschen schießen und Ermittlungen behindern. Solche Methoden sind sonst charakteristisch für brutale Diktaturen." Das war O GLOBO aus Rio de Janeiro.
Die ungarische Zeitung NEPSZAVA aus Budapest wendet ein: "Die gegenwärtigen Ereignisse unterstreichen die historische Lehre, dass ein einziger Tyrann die Freiheitsrechte beliebig hinfällig machen kann. US-Präsident Donald Trump ist zwar noch kein klassischer Tyrann, doch dieser 'charismatische Führer', als welchen ihn seine Anhänger gerne sehen möchten, befindet sich auf einem sehr direkten Weg dazu."
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA verweist auf die bevorstehende Abstimmung über mehrere Gesetze zur Finanzierung staatlicher Einrichtungen im US-Senat: "Die Demokraten haben angekündigt, dass sie einen Teil des Pakets – den Gesetzentwurf zur Finanzierung der ICE-Behörde – nicht unterstützen werden, wenn die ICE-Mitarbeiter ihre Razzien in Minnesota nicht einstellen. Einige Republikaner planen, sich dem Widerstand der Demokraten im Senat anzuschließen. Es könnte viele dieser ‚Rebellen‘ geben: zehn Senatoren oder sogar mehr. Sollte Trump keine Einigung mit den Senatoren erzielen, muss er entweder nachgeben oder einen erneuten Regierungsstillstand in Kauf nehmen. Letzteres wäre riskant", hält NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau fest.
Die schwedische Zeitung EXPRESSEN aus Stockholm fragt: "Im November gibt es Zwischenwahlen - oder? Ein gezielt gestiftetes Chaos wie in Minneapolis könnte sich in anderen wichtigen 'Swing States' wiederholen und dann als Vorwand dienen, Einfluss auf die Wahlen zu nehmen. Das mag dramatisch oder wie ein Verschwörungsmythos klingen, ist aber nicht völlig unbegründet. Donald Trump ist kein Demokrat. Er weigerte sich 2020, seine Wahlniederlage zu akzeptieren, und er hat die Teilnehmer des Sturms auf das Kapitol begnadigt. Mehrmals hat er damit gedroht, den 'Insurrection Act' anzuwenden und Militär in rebellische Bundesstaaten zu entsenden. Den USA steht ein unruhiges Jahr bevor", prognostiziert EXPRESSEN.
Die türkische Zeitung YENI ŞAFAK aus Istanbul blickt zurück auf die Präsidentschaftswahlen 2024: "Trump hatte unerwartet viele Stimmen von nicht-weißen Amerikanern, insbesondere von 'Hispanics', gewonnen. Umfragen deuten auf den Zusammenbruch dieser Koalition hin. Für Trump stehen die Ampeln auf Rot, da seine Zustimmungsrate sinkt. Fällt die Zustimmungsrate des amtierenden Präsidenten unter 50 Prozent, verliert seine Partei in der Regel ihre Mehrheiten in beiden Kammern bei den Zwischenwahlen. Trump ist auf der Suche nach neuen Siegen, um seine Zustimmungsrate zu erhöhen", vermutet YENI ŞAFAK.
Abschließend zum Nahost-Konflikt. Die letzte getötete Geisel der islamistischen Hamas ist aus dem Gazastreifen nach Israel zurückgebracht worden. Die italienische Zeitung LA REPUBBLICA aus Rom vermutet: "Mit dem Auffinden des Leichnams des Polizisten Ran Gvili, der am 7. Oktober 2023 getötet und nach Gaza verschleppt wurde, kann Israel ein neues Kapitel aufschlagen. Die gelben Bänder, die überall im Land hängen, die Plakate mit der Aufschrift 'Bring Them Home', die Fotos von Gvili: All das kann abgebaut werden. Und vielleicht kann man in Israel sogar beginnen, vom Tag danach zu sprechen."
Die israelische Zeitung THE JERUSALEM POST nennt die nächsten Schritte: "Nun soll in Phase II von Trumps Gaza-Plan die Entwaffnung der Hamas und ihre Absetzung als Regierungsmacht erreicht werden – zwei der zentralen Kriegsziele Israels. Ob diese erreicht werden, bleibt jedoch ungewiss. Die Rückkehr von Gvili löscht weder das Trauma aus, noch lindert sie die Trauer der Familien, die vor Monaten ihre Angehörigen beerdigt haben. Etwas Grundlegendes hat sich jedoch verändert: Zum ersten Mal seit dem 7. Oktober ist es an der Zeit, tief durchzuatmen. Die Nation kann langsam und vorsichtig voranschreiten - ohne, dass jemand in Gaza zurückgelassen wird," kommentiert THE JERUSALEM POST, mit der die internationale Presseschau endet.
