28. Januar 2026
Die internationale Presseschau

Die Zeitungen beschäftigen sich unter anderem mit dem Rückzug der USA aus dem Klimaschutzabkommen von Paris, mit dem Verhältnis zwischen den USA und der EU und mit dem Freihandelsabkommen, das die EU und Indien miteinander geschlossen haben.

Ein weißes, verwittertes Hinweisschild mit der Aufschrift "Freihandelsabkommen", befestigt mit Schrauben an einer Wand mit der Flagge der Europäischen Union und der Nationalflagge der Republik Indien.
Symbolisches Schild Freihandelsabkommen EU - Indien (picture alliance/SULUPRESS.DE/Torsten Sukrow)
Die polnische GAZETA WYBORCZA spricht von einem "historischen Vertrag" zwischen der EU und Indien und hofft auf wachsenden Wohlstand: "Dieses Abkommen war lange überfällig, daher ist es ist erfreulich, dass die Verhandlungen nun endlich abgeschlossen sind. Der Vertrag ist wichtig für die gesamte zivilisierte Welt, da er einen Rahmen für Zusammenarbeit schafft, die sich – hoffentlich – zum Nutzen von zwei Milliarden Menschen vertiefen wird. Indien ist ein demokratisches Land, das sich dynamisch entwickelt. Es ist mittlerweile in der Lage, nahezu alles in hoher Qualität herzustellen. Und es ist dabei günstiger und zuverlässiger als China", notiert die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT gibt dagegen zu bedenken: "In der Praxis bleiben die Einfuhrzölle für sensible Sektoren wie die Landwirtschaft bestehen. Andere Produkte, darunter europäische Autos, unterliegen Quoten. Überdies ist der Handel zwischen der EU und Indien mit 180 Milliarden Euro pro Jahr eher begrenzt. Dennoch ist das Abkommen ein guter Schritt. Damit geht Europa den Weg, den der kanadische Regierungschef Mark Carney in seiner viel beachteten Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos aufgezeigt hat. Während der Schutz durch die USA wegfällt und der Druck durch China zunimmt, müssen Europa und Kanada neue Partner suchen, um Risiken zu streuen und ihre Abhängigkeit von den Großmächten zu verringern", kommentiert die Amsterdamer Zeitung DE VOLKSKRANT.
Auch die australische Zeitung THE AGE sieht vor allem die Zollpolitik von US-Präsident Trump als Auslöser dafür, dass die EU und Indien sich nach fast 19 Jahren Verhandlungen jetzt geeinigt haben: "Das Abkommen ist Teil des eiligen Bemühens der Handelspartner der USA, Handelsabkommen mit Partnern außerhalb der Vereinigten Staaten zu schließen. Solche Abkommen bergen jedoch auch das Risiko von Trumps Zorn und der Drohung mit weiteren Zöllen. Die Bereitschaft des Präsidenten, mit solchen Drohungen auf jede Handlung oder Äußerung zu reagieren, die er als schädlich für die amerikanischen Interessen oder sein eigenes Ego empfindet, macht dieses Risiko jedoch vertretbar – ja, es muss eingegangen werden, um die Abhängigkeit der Länder von Amerikas nunmehr instabilen und zunehmend aggressiven Beziehungen selbst zu seinen ehemals engsten Verbündeten zu verringern", analysiert THE AGE aus Sydney.
Die türkische Zeitung HÜRRIYET geht davon aus, dass das Abkommen auch für die Türkei von Bedeutung ist. Voraussetzung sei allerdings, dass die EU dem Land in einem wichtigen Punkt entgegenkomme: "Obwohl sie nicht zu den Unterzeichnerländern gehört, ist die Türkei aufgrund der Zollunion eng mit der EU verbunden. Die Türkei kann jedoch nicht automatisch von demselben Markt profitieren, wenn sie keine ähnlichen Freihandelsabkommen mit diesen Ländern unterzeichnet. Deshalb möchte Ankara, dass die EU in dieser Frage aktiv wird und die Zollunion aktualisiert. Dann könnte das Abkommen zwischen der EU und Indien auch eine Chance für die Türkei darstellen", überlegt die Istanbuler Zeitung HÜRRIYET.
Auch die finnische Zeitung ILTA-SANOMAT sieht das Handelsabkommen vor dem Hintergrund einer zunehmenden Entfremdung zwischen der EU und den USA: "Es ist auch US-Präsident Trump zu verdanken, dass die EU und Indien nun endlich eine Einigung erzielt haben: Auch Indien braucht neue Verbündete, nachdem es von Trump mit hohen Zöllen belegt worden ist. Wohl kaum jemand hätte vor einem Jahr gedacht, zu welchen globalen Umwälzungen die Politik von Trump führen würde. Er demontiert die regelbasierte Weltordnung und konzentriert sich auf die kurzfristigen Interessen der USA. Aus der Sicht der alten Freunde lassen sie sich jedoch inzwischen nicht immer leicht von Feinden unterscheiden", lautet das Fazit der Zeitung ILTA-SANOMAT aus Helsinki.
Ähnlich sieht es die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG; sie hofft aber, dass es nicht zum Äußersten kommt: "Dass aus der Entfremdung zwischen Europa und den USA der totale Bruch folgt, ist weiterhin schwer vorstellbar. Zu eng ist die wirtschaftliche Verzahnung, zu groß der gegenseitige Einfluss. Und trotz aller politischer Agitation fühlen sich die beiden kulturell nah. Zwei Drittel der Amerikanerinnen und Amerikaner haben gegenüber den wichtigsten europäischen Ländern positive Gefühle, 90 Prozent sprechen sich für enge transatlantische Beziehungen aus. Politisch kann der Republikaner deshalb wenig gewinnen, wenn er die Konfrontation auf die Spitze treibt. Das ist der große Hoffnungsschimmer in der fundamentalen Krise", glaubt die NZZ aus Zürich.
EL PAIS aus Madrid schaut auf den vollzogenen Austritt der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen. Die spanische Zeitung sieht US-Präsident Trump damit auf verlorenem Posten: "Trumps Politik widerspricht dem globalen Trend und ist ein Geschenk an China, das sich zum weltweit führenden Anbieter in diesem Bereich entwickelt hat und gleichzeitig den Boom von E-Autos antreibt. So sehr sich Trump auch für die Fossilwirtschaft einsetzt: Weltweit war 2025 ein Rekordjahr für erneuerbare Energien. Ebenso kontraproduktiv sind Trumps Drohungen gegen Europa: Die EU schmiedet neue Handelsbündnisse mit Indien und Lateinamerika, um ihre Märkte zu diversifizieren. Früher oder später wird man sich dort fragen, warum man weiterhin Flüssigerdgas aus den USA importieren soll und sich damit abhängig von den täglich wechselnden Launen eines einzigen Mannes macht", gibt EL PAIS zu bedenken.
Und die norwegische Zeitung DAGBLADET verweist auf ein Windkraftprojekt norwegischer Firmen in den USA, das von Trump gestoppt wurde. Nach juristischen Auseinandersetzungen könnten die Firmen jetzt weiterbauen, aber: "...ihre Projekte sind von den Launen eines unberechenbaren Präsidenten abhängig. Während seiner endlosen Rede in Davos behauptete Trump, China habe keine Windparks, drehe seine Windkraftanlagen aber anderen Ländern an, die dumm genug dafür seien. Aber wenn es um den grünen Wandel geht, muss man die Dummköpfe anderswo suchen. Es ist außerdem unerträglich, wenn ein großes Land wie die USA, das früher von seiner Berechenbarkeit profitierte, solche Großprojekte zu einem Pokerspiel degradiert", wirft das DAGBLADET aus Oslo ein.
Themenwechsel. In China ist der ranghöchste General des Landes, Zhang Youxia, abgesetzt worden. Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN vermutet, Chinas Staatschef Xi Jinping gehe es darum, möglichst viel Macht auf sich selbst zu vereinen: "Es ist besorgniserregend, dass Staatschef Xi Jinping seine Alleinherrschaft weiter vorantreibt und offenbar die volle Kontrolle über das Militär haben will. Durch die Entmachtung von Zhang gibt es keinen Offizier mehr, der Xi einen Rat geben könnte. Kann Xi Jinping künftig in Militärfragen eine richtige Entscheidung treffen? Das ohnehin intransparente chinesische Militär ist nun um einen bislang beispiellosen Risikofaktor reicher geworden", befürchtet ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Und die in Taipeh erscheinenden Zeitung ZIYOU SHIBAO befürchtet, die Absetzung des Generals mache es wahrscheinlicher, dass China den Versuch einer Invasion Taiwans unternehmen werde: "Das neueste Beben in der Führungsriege reiht sich an frühere mysteriöse Vorfälle wie die Absetzung und der anschließende plötzliche Tod des Ministerpräsidenten Li Keqiang. Was zweifellos feststeht ist, dass Xi Jinping die absolute Kontrolle über das Militär anstrebt und sich nach und nach erfahrener Generäle entledigt, die möglicherweise zögern, Gewalt gegen Taiwan anzuwenden", lautet das Urteil der taiwanesischen Zeitung ZIYOU SHIBAO.