29. Januar 2026
Die internationale Presseschau

Die Zeitungen beschäftigen sich mit der Beziehung zwischen den USA und dem Iran und mit der China-Reise des britischen Premierministers Starmer.

EU-Ratspräsident Antonio Costa (l.), Indiens Premierminister Narendra Modi (Mitte) und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (r.) stehen mit nach oben gestreckten Armen nebeneinander. Sie feiern das Handelsabkommen zwischen der EU und Indien.
EU-Ratspräsident Antonio Costa (l.), Indiens Premierminister Narendra Modi (Mitte) und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (r.) feiern das Handelsabkommen. (picture alliance / ROPI / Sierakowski / EU)
Zunächst aber Kommentare zum Handelsabkommen zwischen der EU und Indien. Dazu schreibt die spanische Zeitung LA VANGUARDIA: "Die EU und Indien haben eine bemerkenswerte Leistung vollbracht: Sie haben ein Handelsabkommen geschlossen, das beiden Seiten zugutekommt. EU-Kommissionpräsidentin von der Leyen bezeichnete es als die 'Mutter aller Handelsabkommen' und tatsächlich entsteht dadurch ein Markt mit fast zwei Milliarden Konsumenten. Indien hat zudem eine dynamische Wirtschaft mit hohen Wachstumsraten und wird in diesem Jahr voraussichtlich Japan als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt ablösen. Die EU baut damit ihre internationale Zusammenarbeit aus, und es ist dies ein klares Bekenntnis zum Multilateralismus und zum Freihandel", urteilt LA VANGUARDIA aus Barcelona.
Die indische Zeitung HINDUSTAN TIMES stellt heraus: "Das Freihandelsabkommen zwischen Indien und der Europäischen Union ist mehr als nur der Höhepunkt langer und komplexer Verhandlungen. Es signalisiert einen bewussten Kurswechsel Indiens in der sich wandelnden Weltwirtschaft. In einer Zeit, in der der Handel zunehmend von geopolitischer Unsicherheit, Lieferkettenproblemen und strategischen Neuausrichtungen geprägt ist, zeichnet sich diese Partnerschaft nicht nur durch ihren Umfang, sondern vor allem durch ihren Zweck aus. Sie vereint zwei große und sich optimal ergänzende Volkswirtschaften und legt den Grundstein für eine nachhaltige und zukunftsfähige Wirtschaftsbeziehung", hofft die HINDUSTAN TIMES aus Neu-Delhi.
"Beide Partner haben sorgsam darauf geachtet, strittige Themen zu vermeiden", betont die französische Zeitung LE MONDE und notiert: "Die Landwirtschaft ist weitgehend aus dem Abkommen ausgenommen. Darüber hinaus wurden einige europäische normative Ziele zurückgestellt. Freihandel bringt Interessen näher zusammen, ohne zwangsläufig zu einer politischen Angleichung in Bezug auf Menschenrechte oder Indiens Energieabhängigkeit von Russland zu führen. Das Abkommen ist in erster Linie ein politisches Signal, das zeigt, dass der multilaterale Handel weiterhin eine Zukunft hat und dass es nach wie vor Raum für regelbasierte Austauschprozesse gibt - so unvollkommen sie auch sein mögen. In einer Zeit, in der das Recht des Stärkeren die Oberhand zu gewinnen droht, ist das Wagnis einer multipolaren Welt, in der Mittelmächte ihre Position sichern wollen, durchaus lohnenswert", so das Urteil der LE MONDE aus Paris.
THE HINDU aus Indien meint dagegen: "Beide Seiten haben gut daran getan, Probleme anzugehen, die zuvor unlösbar schienen. Da das Freihandelsabkommen von 27 europäischen Staaten gebilligt und schließlich vom Europäischen Parlament genehmigt werden muss, wird die tatsächliche Umsetzung wahrscheinlich eine Weile dauern. Indien muss deshalb auf einen möglichst schnellen Prozess drängen. Andernfalls werden die so mühsam ausgehandelten Gewinne zu spät kommen, um die US-Zollschmerzen auszugleichen."
Die dänische Zeitung KRISTELIGT DAGBLAD macht ebenfalls auf den Abstimmungsprozess aufmerksam: "Nun muss das Abkommen aber noch durch das EU-Parlament, und hier scheint es, als ob noch nicht alle Abgeordneten den Ernst der Lage verstanden hätten. Das zeigte zuletzt die Abstimmung über das Abkommen mit den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten, das jetzt vom EuGH geprüft wird und - wenn überhaupt - erst verspätet in Kraft treten kann. Wir haben eine neue Weltordnung und Europa kann es sich nicht mehr leisten, sich bequem zurückzulehnen. Es sind unsichere Zeiten, in denen ein Abkommen mit den USA nur noch bis zum nächsten Wutanfall des Präsidenten gilt. Also ist es wichtig, andere Partner zu finden", soweit KRISTELIGT DAGBLAD aus Kopenhagen.
US-Präsident Trump hat der Führung im Iran mit militärischer Gewalt gedroht, falls Teheran nicht über ein neues Atomabkommen verhandelt. Die finnische Zeitung ILTA-SANOMAT vermerkt: "Man kann US-Präsident Donald Trump für alles Mögliche kritisieren, aber manchmal kann man ihm auch dankbar sein. So haben seine an die iranische Führung gerichteten Drohungen möglicherweise die Gewalt gegen die Bevölkerung eingedämmt. Die Iraner erleben, wie ihre Wirtschaft durch Sanktionen kollabiert ist und sie betrachten mit Neid die Golfstaaten. Der Lebensstandard ist dort deutlich höher, obwohl auch der Iran Ölvorräte besitzt. Krieg ist vielleicht nicht der beste Weg, um den unterdrückten Iranern zu helfen. Aber die internationale Gemeinschaft muss auf die brutalen Repressionen des Regimes reagieren", glaubt ILTA-SANOMAT aus Helsinki.
Die türkische Zeitung EVRENSEL fragt: "Was passiert, wenn die Vereinigten Staaten den Iran angreifen?" und erklärt: "Eine Welle des Chaos, die sich auf Teheran konzentriert und Dutzende Millionen Menschen betrifft, würde sich auf sehr weite Gebiete ausbreiten. Hoffen wir, dass sich im Iran ein Transformationsprozess vollzieht, bei dem das Volk den Lauf der Dinge bestimmt – ohne Blutvergießen und in seinem eigenen Interesse. Zwar fehlen im Iran Oppositionsbewegungen und Strukturen zur Organisation und Führung der unruhigen Massen, doch das Volk hat das Potenzial, sie zu schaffen. Der Iran ist eines der wenigen Länder der Region mit einem hohen Bildungsniveau und politischem Bewusstsein. Zudem hat das Land eine große Zahl von Wirtschaftswissenschaftlern, Politologen, Soziologen und Militärexperten, die aus verschiedenen Gründen das Land verlassen haben. Natürlich hoffen wir, dass der Iran von Iranern gerettet wird", führt EVRENSEL aus Istanbul aus.
Der britische Premierminister Starmer ist zu Gast in China. Dazu bemerkt die britische Zeitung THE GUARDIAN: "Premierminister Starmer versucht einen Balanceakt: Er sondiert unternehmerische Möglichkeiten in einer schnell wachsenden Wirtschaftsmacht und muss gleichzeitig die nationale Sicherheit vor einem autoritären Giganten schützen. Das ist ein hehres Ziel. In der Praxis werden das Streben nach engeren Handelsbeziehungen und die notwendige strategische Vorsicht unweigerlich Spannungen mit Peking erzeugen. Der Widerspruch zwischen der Wahrung demokratischer Werte und der Annäherung an Präsident Xi ist deutlich. Das ist kein Grund, einen Dialog zu verweigern, doch es bedarf mehr als bloßer Zusicherungen des Premierministers, um zu beweisen, dass er die richtige Balance finden kann", erläutert THE GUARDIAN aus London.
"Der Besuch ist ein Versuch, die britische Außenpolitik an die Realitäten des 21. Jahrhunderts anzupassen: eine Welt strategischer Rivalität bei gleichzeitig tiefgreifender wirtschaftlicher Verflechtung", hebt die chinesische SOUTH CHINA MORNING POST hervor. "Starmer erklärt, dass Großbritannien nicht länger ein bloßer Zuschauer in einem von Washington und Peking definierten Wettstreit sein wird. Offensichtlich will Großbritannien weiterhin fest im US-Sicherheitslager verankert bleiben und gleichzeitig die wirtschaftlichen und politischen Kanäle zu Peking wieder öffnen. Starmer braucht Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze. Sein Besuch in Peking signalisiert, dass Großbritannien die wirtschaftlichen Vorteile der Beziehungen zu China maximieren will, anstatt China als Bedrohung zu betrachten", so die SOUTH CHINA MORNING POST aus Hongkong.
Und die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN beobachtet: "Europa ist alarmiert, außen vor zu sein, während die beiden zunehmend autoritären Großmächte USA und China die Welt regieren. Europa muss die Beziehungen zu beiden Seiten stärken. Allerdings wird die Verbesserung der Beziehungen zwischen Europa und China nicht einfach verlaufen. Für die Europäer werden Werte wie Freiheit, Demokratie oder Rechtstaatlichkeit groß geschrieben. Wenn sie nun der Wirtschaft eine höhere Priorität als den Menschenrechten einräumen, setzen sie sich harter Kritik im In- und Ausland aus." Das war NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio zum Ende der Internationalen Presseschau.