31. Januar 2026
Die internationale Presseschau

Heute blicken die Zeitungen vor allem auf die Krisenherde Iran und Ukraine, aber auch auf die Nominierung von Kevin Warsh für den Vorsitz der US-Notenbank Federal Reserve.

Außenansicht des Gebäudes der Federal Reserve. Über dem Portal sitzt die Skulptur eines Adlers.
Die Fed steht unter Druck durch US-Präsident Trump. (Getty Images / Alex Wong)
"Mit Warsh installiert Trump nun einen Erfüller für präsidiale Wünsche", notiert DER STANDARD aus Wien. "Anders als Jerome Powell hat Warsh nie einen Hehl daraus gemacht, dass er schnelle Zinssenkungen befürwortet und die strengen Regulierungen für Banken, die nach der Finanzkrise eingeführt wurden, für überzogen hält. Seine Trump-Nähe lässt vermuten, dass sich geldpolitische Entscheidungen künftig stärker an dem politischen Kalender als ökonomischen Notwendigkeiten orientieren."
Der russische KOMMERSANT aus Moskau äußert sich etwas zuversichtlicher: "Analysten schätzen Kevin Warsh trotzdem als einzigen Kandidaten auf der Auswahlliste für den Vorsitz der US-Notenbank ein, der in der Lage wäre, Entscheidungen ohne Rücksicht auf politische Erwägungen und mit Fokus auf die wirtschaftliche Lage zu treffen. Der neue Fed-Chef wird sich auf die wachsenden Risiken einer beschleunigten Inflation konzentieren, angesichts der verzögerten Auswirkungen der Zölle - und auf die alarmierende Lage auf dem US-Arbeitsmarkt. Analysten gehen weiterhin von maximal zwei Zinssenkungen im Jahr 2026 aus."
Nach Ansicht der FINANCIAL TIMES aus London bietet Warshs Erfahrung als ehemaliger Gouverneur der Fed und Verfechter ihrer Unparteilichkeit eine gewisse Beruhigung. Allerdings... "... muss er noch viel beweisen. Angesichts der Zwischenwahlen in diesem Jahr dürfte Donald Trumps Wunsch nach niedrigeren Zinsen kaum nachlassen - zumal die Sorgen um die Finanzierbarkeit von Krediten zunehmen. Kevin Warsh wird die Institution energisch vor den zu erwartenden Angriffen des Präsidenten schützen müssen, so wie Jerome Powell es auf bewundernswerte Weise getan hat. Die Anleger werden genau darauf achten, ob er dazu bereit ist", betont die britische FINANCIAL TIMES.
Für Schlagzeilen sorgte US-Präsident Trump auch mit seinen Drohungen in Richtung des iranischen Regimes. Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN stellt klar: "Manche Beobachter meinen, dass eine mögliche militärische Intervention der USA die Proteste der Menschen im Iran gegen das Regime unterstützen würde. Dieser Gedanke ist schlicht falsch. Vielmehr würde das Mullah-Regime die US-Angriffe als Vorwand nehmen, um die Proteste noch stärker zu unterdrücken. Außerdem ist in der iranischen Gesellschaft die Erinnerung immer noch wach, dass die demokratisch gewählte Regierung 1953 durch die CIA gestürzt wurde. Das führt bei den Menschen im Iran bis heute zu tiefem Misstrauen gegenüber Washington. Sollte es im Iran einen Wandel geben, wird er aus dem Inneren der Gesellschaft heraus entstehen - durch wiederholte Aufstände und eine Revolution. Militärischer Druck aus dem Ausland wird den Prozess der Demokratisierung nicht beschleunigen: Vielmehr wird er den Repressionen durch das Regime Vorschub leisten", befürchtet ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Ein Gastkommentator in der chinesischen Zeitung HUANQIU SHIBAO glaubt, ein Muster in den jüngsten US-Einmischungen zu erkennen. "Seit 2025 ist die US-Armee in fast allen Krisenherden im Nahen Osten involviert - sei es in Syrien, im Libanon oder in Gaza. Anders als früher zielt die jetzige US-Regierung nicht mehr auf Regimewechsel. Sie konzentriert sich mehr auf wirtschaftliche Interessen. Wenn sie militärische Angriffe für notwendig erachtet, hält die US-Regierung lieber an dem Prinzip fest: keine Eigenkosten, keine Bodentruppen und ohne Beteiligung am Wiederaufbau. Die Verantwortung tragen die betroffenen Staaten und die Weltgemeinschaft. Eine neue US-Nahost-Strategie nimmt gerade Gestalt an", heißt es in HUANQIU SHIBAO aus Peking.
Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN kommentiert die Rolle der europäischen Länder: "Immerhin hat die EU endlich die iranische Revolutionsgarde als Terror-Organisation eingestuft. Lange gab es Widerstand gegen einen solchen Schritt, darunter aus Frankreich. Die Revolutionsgarde untersteht direkt dem obersten iranischen Führer Ayatollah Khamenei, und sie hat große Macht. Viele der getöteten Demonstranten gehen auf ihr Konto. Wenn sie jetzt als Terror-Organisation eingestuft wird, können bereits verhängte Sanktionen verschärft und ausgeweitet werden. Solche Sanktionen gibt es auch deshalb, weil der Iran Drohnen und weitere Militärausrüstungen für Russlands Krieg gegen die Ukraine liefert. Aus Teheran kam die Warnung vor ‚destruktiven Folgen‘ einer solchen Einstufung der Revolutionsgarde als Terror-Organisation. Man hat das Signal also verstanden. Die Iraner müssen ihre Machthaber selber stürzen, aber die übrige Welt kann es ihnen leichter machen", unterstreicht AFTENPOSTEN aus Oslo.
L'ORIENT - LE JOUR aus dem Libanon geht auf die besondere Situation des eigenen Landes mit Blick auf den Iran ein: "Denn es gibt im Libanon eine legale Regierung, die von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wird - und mit der Hisbollah einen dieser bewaffneten Arme, über die der Iran in mehr als einem Teil der arabischen Welt verfügt. Zwar ist das ein ziemlich zersplitterter Arm - doch die Hisbollah zeigt unverhohlen ihre Entschlossenheit, im Falle eines Angriffs auf den Iran eigenmächtig zu handeln. Kaum hat sie die desaströse Unterstützung für Gaza beendet, droht die Hisbollah nun, dem Iran zu Hilfe zu eilen, was keine Kleinigkeit ist", hebt L'ORIENT - LE JOUR aus Beirut hervor.
El PAÍS aus der spanischen Hauptstadt Madrid merkt an: "Auffällig ist die öffentliche Zurückhaltung Israels, des iranischen Erzfeindes, bezüglich eines Angriffs auf Teheran. Gerade Israel hat besser als jedes andere Land die Folgen eines groß angelegten Angriffs analysiert, bei dem es sicherlich mit sofortigen Vergeltungsmaßnahmen rechnen müsste."
Nun noch zu einem weiteren wichtigen Thema: die anhaltenden russischen Luftangriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung. Dazu schreibt die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER: "Jetzt hat Russland doch tatsächlich versprochen, die Ukraine nicht zu bombardieren! Das teilte Donald Trump nach einem Gespräch mit Präsident Putin mit. Es dauerte dann allerdings nur wenige Stunden, bis erneut Drohnen über ukrainischen Wohngebäuden und Zivilisten niedergingen. Trotz der sogenannten Friedensverhandlungen deutet nichts darauf hin, dass Russland seine Angriffe einstellen will - nicht einmal, wenn sich die Ukraine auf die Forderung einlassen würde, für ein Friedensabkommen den gesamten Donbass abzutreten. Mehr als eine Million russische Soldaten wurden getötet oder verwundet, und zur Finanzierung seines Krieges hat Russland über 70 Prozent seiner Goldreserven verkauft. Trotzdem hat man seit 2024 nur 1,5 Prozent des ukrainischen Territoriums erobern können. Die Öleinnahmen schrumpfen, und bald kommt das nächste Sanktionspaket der EU. Mit der richtigen Hilfe kann die Ukraine diesen Krieg gewinnen. Es liegt am übrigen Europa, dafür zu sorgen, dass diese Hilfe kommt", mahnt DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Und die italienische Zeitung LA STAMPA konstatiert: "Die laufenden Verhandlungen über ein Ende des Kriegs sind keine Dreierverhandlungen. Das sieht nur so aus. Die Ukraine wird von den Amerikanern sporadisch konsultiert, ohne dass sie mit Russland direkt am Verhandlungstisch sitzt. Von Europäern am Verhandlungstisch will Russland nichts wissen. Dennoch ist es ihnen gelungen, sich in Washington Gehör zu verschaffen, was in Moskau wahrscheinlich für Unmut sorgt. Aber die Europäer haben ein gewisses Mitspracherecht, das es schwierig macht, sie zu ignorieren. Die Amerikaner beabsichtigen nämlich, den Europäern die wichtigsten Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach dem Ende des Konflikts zu übertragen und von ihnen Geld für den Wiederaufbau sowie für den Beitritt Kiews zur Union zu verlangen. Das viel zu kurze Wochenende der Waffenruhe bestätigt die Verhandlungsdynamik zwischen Russland und den USA - mit der Ukraine im Schlepptau und Europa am Fenster." Das war LA STAMPA aus Turin.