02. Februar 2026
Die internationale Presseschau

In den Kommentaren geht es um die Situation in Myanmar fünf Jahre nach dem Militärputsch und um die Frage, ob der Konflikt zwischen den USA und dem Iran zu einer neuen Weltordnung führt.

Protestierende haben eine nächtliche Straße in Teheran mit brennenden Autoreifen blockiert.
Proteste im Iran: Straßenblockade in Teheran im Januar 2026 (imago / Middle East Images / MAHSA)
Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT blickt angesichts der Drohungen von US-Präsident Trump gegen den Iran mit Sorge auf die Entwicklungen in der Region. "Niemand weiß, welche Szenarien im Pentagon und in Teheran vorbereitet werden. Sicher ist jedoch, dass die iranische Armee im Falle eines Angriffs die Straße von Hormus schließen wird. Das könnte zu einem enormen Anstieg der Öl- und Gaspreise führen. Nicht zu vergessen ist außerdem, dass in den letzten Wochen große Mengen an Waffen und Ausrüstung aus Russland und China in den Iran transportiert wurden. Die Operation im Jemen im Jahr 2025 hat gezeigt, dass die aktuelle US-Regierung nicht zu einem langfristigen Militäreinsatz bereit ist. Der Jemen ist jedoch ein deutlich kleineres und schwächeres Land als der Iran. Mit seinen Äußerungen zum Iran ist Trump zu weit gegangen", findet MÜSAVAT aus Baku.
Die türkische Zeitung CUMHURIYET kommentiert eine mögliche militärische Intervention der USA im Iran: "Natürlich wäre es ideal, wenn allein durch interne Dynamik der Schritt in Richtung Demokratie gelänge. Da das Regime in Teheran jedoch alles kontrolliert, ist eine Intervention von außen die einzige Option. Das Nazi-Regime in Deutschland wäre ohne die militärische Intervention der UdSSR, der USA und Großbritanniens nicht beendet worden. Ohne das internationale militärische Eingreifen in Bosnien-Herzegowina und Serbien wären die Bosnier noch lange Zeit Opfer von Massakern gewesen", unterstreicht CUMHURIYET aus der Türkei.
Ähnlich sieht es die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA: "Die Zerschlagung des iranischen politischen Systems würde das Zusammenwirken externer und interner Kräfte erfordern. Bei vertraulichen Gesprächen mit den USA sollen Vertreter Saudi-Arabiens die Sorge vorgetragen haben, dass die Führung der Islamischen Republik nur gestärkt werde, sollte Trump seine Drohungen gegen den Iran nicht wahr machen", notiert die NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Die britische Zeitung THE INDEPENDENT beschäftigt sich mit möglichen Folgen eines US-Angriffs auf den Iran: "Der Iran verfügt über ein weitreichendes, wenn auch geschwächtes Netzwerk terroristischer Verbündeter. Das bedeutet, dass er weiterhin in der Lage ist, mit Hilfe von Stellvertretern einen asymmetrischen Krieg gegen US-amerikanische und israelische Interessen im Nahen Osten zu führen. Verbündete Amerikas haben US-Präsident Trump zu Recht zur Zurückhaltung aufgerufen. Saudi-Arabien, die Türkei, Oman und Katar haben öffentlich ihre Befürchtungen zu den Folgen eines regionalen Konflikts geäußert - wobei der Zusammenbruch des iranischen Staates und ein Bürgerkrieg vielleicht der schlimmste Albtraum wäre", betont THE INDEPENDENT aus London.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG sieht in der US-Außenpolitik die Grundzüge einer neuen Weltordnung: "Das Denken in Einflusssphären zieht sich durch die Strategiepapiere der Regierung Trump. Mit der Priorisierung der westlichen Hemisphäre anerkennen die USA implizit, dass sie in anderen Erdteilen keine Vorherrschaft anstreben. Ziel müsse ein Gleichgewicht der Mächte sein, in dem kein Land so einflussreich werde, dass es die Interessen Amerikas bedrohe. Das Denken in Einflusszonen verheißt keine friedlichere Zukunft. Zwar besteht die Chance, dass das politische Pendel in Washington irgendwann umschlägt. Aber selbst unter einem weniger nationalistischen Präsidenten als Trump werden die USA als Weltpolizist nur noch punktuell zur Verfügung stehen. Für Europa bedeutet dies, Überreste der regelbasierten Ordnung zu retten, wo es geht – und sich im Übrigen für die Risiken einer Ära des geopolitischen Raubrittertums zu wappnen", warnt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG.
HUANQIU SHIBAO aus Peking bewertet die möglichen Folgen der US-Politik so: "Der hegemoniale Wahn und die Gier der Trump-Regierung fordern die Weltordnung heraus. Wir sehen, dass die von dem großen Nachbarn sich bedroht fühlenden lateinamerikanischen Staaten sich gerade zusammentun. Der alte US-Verbündete Europa sucht den Schulterschluss mit Indien, um die Risiken durch die US-Zölle zusammen abzufedern. Der Multilateralismus tritt dem amerikanischen Unilateralismus entgegen. Als eines der wichtigen Schwellenländer sieht China da eine große Chance. In einer neuen multilateralen Weltordnung kann Peking als ein Stabilisator wirken und die Zusammenarbeit fördern", meint die chinesische HUANQIU SHIBAO.
Auch O GLOBO aus Rio de Janeiro befürchtet, dass die USA eine neue Weltordnung anstreben: "Wie Wladimir Putin missachtet auch Donald Trump das Völkerrecht. Beide schaffen Einflusssphären, die den Großmächten unterstehen, und sie lehnen multilaterale Institutionen ab. Trump gründete unter dem Vorwand, den Friedensplan für Gaza umzusetzen, seinen sogenannten Friedensrat, verfolgt damit jedoch in Wahrheit das Ziel, die Vereinten Nationen zu ersetzen. Natürlich war das Völkerrecht oft nur ein Ideal. Aber es ist doch etwas anderes, wenn ein US-Präsident das Völkerrecht explizit ablehnt und das Recht des Stärkeren beschwört", stellt O GLOBO aus Brasilien klar.
Der SYDNEY MORNING HERALD äußert sich zu der Entscheidung von US-Präsident Trump, den früheren Fed-Gouverneur Warsh als Nachfolger für Notenbank-Chef Powell zu nominieren. "Die gemischte Reaktion der Märkte unterstreicht die Unsicherheit darüber, was die Ernennung für die Fed und den Ausblick für die US-Zinsen bedeuten könnte. Unabhängig davon, wozu Warsh die Fed bei den kurzfristigen Leitzinsen bewegen könnte - die längerfristigen Zinssätze, die Verbraucher und Unternehmen tatsächlich zahlen, werden vom Markt bestimmt. Trump wird feststellen, dass die Ernennung seines Kandidaten zum Fed-Chef keine Garantie für bessere Ergebnisse ist", prophezeit der australische SYDNEY MORNING HERALD.
Auch DAGENS NYHETER aus Stockholm beschäftigt sich mit der US-Finanzpolitik: "Die USA galten bislang als Rechtsstaat mit einer unabhängigen Zentralbank, die auf den Wert des Dollar achtete. Jetzt aber greift Donald Trump dieses Fundament an, indem er den Staat dazu nutzt, um gegen seine Widersacher und gegen die Fed vorzugehen. Vor allem aber ist er zum Frontalangriff auf die Weltordnung übergegangen, die seit dem Zweiten Weltkrieg die globale Sicherheit und den Handel regelt", beklagt die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER.
Zum letzten Thema: Vor fünf Jahren putschte sich in Myanmar das Militär an die Macht und nahm die Führung der Regierungspartei NLD fest. Jüngst ließ die Armee erstmals seit dem Putsch das Parlament neu wählen. Die Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio zieht folgendes Fazit: "Die von der Militärjunta durchgeführte Abstimmung ist weit entfernt von Freiheit und Gerechtigkeit. Die Wahlbeteiligung sank von 72 Prozent der letzten Wahl 2020, bei der die NLD einen Erdrutschsieg feierte, auf 55 Prozent. Dies zeigt den Protest der Bevölkerung. Während China und Russland das Wahlergebnis unterstützen, wird es von Japan und Europa nicht akzeptiert. Besorgniserregend aber ist die Haltung der USA. Das US-Heimatschutzministerium hat bekannt gegeben, dass Washington die Lage in Myanmar als 'verbessert' einstufe und die Hilfeleistungen für Geflüchtete aus dem Land einstelle. Das ist eine egoistische, inakzeptable Politik der USA, für die die Einschränkung der Einwanderung an oberster Stelle steht", kritisiert die japanische NIHON KEIZAI SHIMBUN.
In der ASAHI SHIMBUN aus Tokio heißt es dazu: "Es ist bedauerlich, dass in Myanmar politische Äußerungen durch Gewalt unterdrückt werden und trotz dieser Situation die Bürger in die Wahllokale gehen mussten. So werden der Wunsch der Bürger für eine Beteiligung an der Politik unterdrückt und das autoritäre Regime unterstützt. Diese Entwicklung wird den Rückgang der weltweiten Demokratien einmal mehr beschleunigen."