03. Februar 2026
Die internationale Presseschau

Die US-Justiz hat neue Dokumente im Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Epstein veröffentlicht. Auch die eingeschränkte Öffnung des Grenzübergangs Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten ist Thema in den Kommentaren.

in Kran fährt am Sonntag, dem 1. Februar 2026, durch das ägyptische Tor des Grenzübergangs Rafah zum Gazastreifen in Rafah, Ägypten
Ein Thema: Die Teil-Öffnung des Grenzübergangs Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten (Archivbild). (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Mohammed Arafat)
Dazu bemerkt die spanische Zeitung LA VANGUARDIA: "Diese Maßnahme ist einer der wesentlichen Punkte des Friedensplans, der von US-Präsident Donald Trump auf den Weg gebracht wurde, denn für die Palästinenser im Gazastreifen ist dieser Grenzübergang die einzige wirkliche Verbindung zur Außenwelt. Der Schritt ist allerdings eher von symbolischer Natur, weil nur eine begrenzte Zahl Menschen tatsächlich passieren kann. Dazu gehören Kranke und Verwundete, die in ägyptischen Kliniken behandelt werden sollen, nachdem Israel seit Beginn des Krieges verboten hat, palästinensische Patienten in Krankenhäuser in Ost-Jerusalem und im Westjordanland bringen zu lassen. Auf der ägyptischen Seite der Grenze warten außerdem tausende Palästinenser auf die Rückkehr in ihre Häuser oder was davon übrig ist. Der Übergang ist nur sechs Stunden am Tag und nur für bestimmte Personen geöffnet, nicht aber für Waren oder die so dringend benötigte humanitäre Hilfe. Trotzdem wird die Öffnung des Grenzübergangs von Israel und den internationalen Vermittlern als Fortschritt präsentiert", hält LA VANGUARDIA aus Barcelona fest.
Die französische Zeitung LE MONDE aus Paris betont, die Wiedereröffnung des Grenzübergangs Rafah solle eigentlich "ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg zur Linderung des Leids der Palästinenser sein. Davon sind wir jedoch noch weit entfernt, denn es handelt sich bestenfalls um eine kleine Öffnung. Auch die Lieferung von lebenswichtiger Nahrungsmittelhilfe hängt weiterhin von der israelischen Besatzungsmacht ab. Der Stillstand hat gesiegt."
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY vermutet: "Dass der Grenzübergang Rafah nun geöffnet wird, war nur dank harter diplomatischer Anstrengungen möglich. Doch selbst diese Erleichterung kommt nur einer verschwindend kleinen Zahl von Personen zugute. Die meisten Menschen leben weiter ohne Schutz vor Kälte und Regen, ohne medizinische Versorgung und hinreichende Ernährung. Solange die Verhältnisse so bleiben, wird man den Eindruck nicht los, das Leid, dem die Menschen im Gazastreifen ausgesetzt sind, diene letztlich dazu, sie zu vertreiben", notiert AL QUDS AL-ARABY mit Sitz in London.
Die österreichische Zeitung DER STANDARD hebt hervor, Israel habe erklärt, dass es sich um einen symbolischen Schritt handele: "Das entspricht wohl auch eher der Wahrheit als dem, was US-Präsident Donald Trump der Welt weismachen will: dass Gaza tatsächlich auf dem Weg in Richtung Nachkriegsnormalität wäre. Während Trumps Plan von Reisefreiheit spricht, hat Israel für den Grenzübergang Rafah strenge Quoten verhängt: Nur insgesamt 150 Menschen pro Tag sollen in beide Richtungen die Grenze überqueren dürfen. Da kann Trump noch so oft betonen, dass eine palästinensische Technokratenregierung vor Ort das Sagen hat. Die Menschen in Gaza, die nun in löchrigen Zelten leben, brauchen konkrete Schritte und Hilfe beim Wiederaufbau", mahnt DER STANDARD aus Wien.
Die israelische Zeitung THE JERUSALEM POST ist mit Blick auf den Friedensplan von US-Präsident Trump überzeugt: "Wenn die Forderung lautet, dass die Palästinenser sich zuerst als 'würdige Mitglieder der Menschheit' beweisen müssen, bevor ihnen eine Zukunft gewährt wird, dann wird kein Plan jemals Erfolg haben – weder ein israelischer, ein amerikanischer noch ein internationaler. Frieden basiert nicht auf Illusionen. Wenn Gaza als hoffnungslos abgeschrieben wird, sollten die Israelis ehrlich zu sich selbst sein: Die Alternative ist nicht Sicherheit, sondern ein endloser Konflikt ohne Ausweg." Das war THE JERUSALEM POST.
Themenwechsel. Das US-Justizministerium hat zahlreiche weitere Dokumente zu dem verurteilten Sexualstraftäter Epstein veröffentlicht. Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER unterstreicht, ständig tauchten neue Namen auf - darunter auch die von Angehörigen königlicher Familien: "Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit schrieb Epstein 2011, dass es gerade gar nicht gut aussehe, wenn man seinen Namen google, und setzte ein Smiley dahinter. Mal plauderte sie mit ihm, nannte ihn 'meinen verrückten Freund' und erzählte von einer langweiligen Hochzeit, auf der sie war. Aber sie erkundigte sich auch, ob ihr 15-jähriger Sohn Bilder von nackten Frauen auf seinem Computer haben sollte - und ja, das ist derselbe Sohn, der jetzt wegen Verbrechen wie Vergewaltigung vor Gericht steht. Jetzt, wo das alles ans Licht gekommen ist, bezeichnet sie es als peinlich. Wie bitte?", fragt DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Die norwegische Zeitung ADRESSEAVISEN stellt fest: "Auch andere hochstehende Persönlichkeiten wie der frühere Minister und UNO-Diplomat Terje Rød-Larsen oder Torbjørn Jagland, Ex-Premier und Leiter des norwegischen Nobelkomitees, standen in engerer Verbindung zu Epstein, als sie anfangs zugegeben hatten. Sie alle bedauern das jetzt und sagen, sie hätten seinen Hintergrund genauer überprüfen sollen. Alle Menschen können fehlen und sich irren. Aber ganz offensichtlich haben sich hochstehende Persönlichkeiten von Macht und Vorteilen blenden lassen und ihren moralischen Kompass ausgeschaltet", kritisiert ADRESSEAVISEN aus Trondheim.
Die lettische Zeitung DIENA findet es paradox, da "die offiziellen und überprüfbaren Informationen keine neuen Erkenntnisse enthalten, sondern nur bestätigen, was ohnehin schon bekannt war. Die US-Strafverfolgungsbehörden verfügten seit Jahren über Informationen über Epsteins kriminelle Aktivitäten, ignorierten diese jedoch aufgrund seines hohen sozialen Status und vermutlich auch wegen Epsteins einflussreicher Freunde und Bekannter", so die Einschätzung von DIENA aus Riga.
Die türkische Zeitung NEFES verweist auf Epsteins E-Mail-Korrespondenz: "Hier sehen wir ein seltsames, ausgeklügeltes Beziehungsgeflecht, das sich regelrecht vor uns ausbreitet. Fast alle, von Prinzen bis zu Denkern, von Politikern bis zu Geschäftsleuten, die wir als Weltelite bezeichnen können, klopften an Epsteins Tür. Den einen bot er Macht, den anderen Unterhaltung und wieder anderen junge Frauen. Diese E-Mails zeigen, wie oberflächlich und vernarrt die Weltelite ist", urteilt NEFES aus Istanbul.
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO sieht US-Präsident Trump nicht nur wegen der Epstein-Affäre unter Druck: "Auch gehen die landesweiten Proteste wegen Polizeibrutalität trotz der Minusgrade unvermindert weiter. Obendrein haben die Demokraten eine Nachwahl zum Senat gewonnen, und zwar in einer langjährigen Hochburg der Republikaner in Texas, was Schockwellen in Trumps Partei ausgelöst hat. Es ist offenkundig, dass sich deren Politik immer mehr von den Anliegen ihrer Wähler entfernt. Hinzu kommt, dass sich viele US-Bürger durch die Polizei nicht mehr geschützt fühlen, sondern sie im Gegenteil als Bedrohung für ihr Leben ansehen. In den jetzt neu freigegebenen Epstein-Akten taucht zudem der Name Trump wieder an Hunderten von Stellen auf, weshalb seine Behauptung, die Veröffentlichung würde ihn entlasten, nicht besonders glaubwürdig erscheint", folgert JIEFANG RIBAO aus Schanghai.
Abschließend ein Kommentar zur Einigung zwischen den USA und Indien auf ein Handelsabkommen. Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN führt aus: "US-Präsident Trump gab bekannt, dass Indien den Import von Erdöl aus Russland stoppt. Als Gegenleistung sollen die Strafzölle gegen Indien gesenkt werden. Trump stellte in Aussicht, stattdessen das Erdöl aus Venezuela nach Indien umzuleiten, aber in welchem Ausmaß, ist ungewiss. Zwar ist es möglich, der russischen Wirtschaft einen Schlag zu versetzen, sollte Indien tatsächlich den Ölimport komplett einstellen. Allerdings wären die Auswirkungen am Ende begrenzt. Russland würde das Öl wohl einfach in ein anderes Land liefern", prognostiziert NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio zum Ende der internationalen Presseschau.