
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG sieht das Ende einer Ära: "Für die Atomwaffenmächte gibt es nun erstmals seit einem halben Jahrhundert keinerlei Beschränkungen bei der Aufrüstung mehr. Mit dem New-Start-Vertrag hatten sich die USA und Russland Grenzen bei der gefährlichsten Kategorie von Waffen auferlegt: den strategischen Atomwaffen, die über große Distanzen einsetzbar sind. Mit dem Ende von New Start sinkt für beide Seiten die Berechenbarkeit. Einerseits könnte nun eines der beiden Länder eine nukleare Übermacht anstreben. Andererseits geht jede Transparenz verloren", warnt die NZZ aus der Schweiz.
Die IRISH TIMES warnt vor einem neuen Wettrüsten: "Das Ende von New Start könnte auch den Atomwaffensperrvertrag von 1970 gefährden, der nächstes Jahr überprüft werden soll. In diesem Vertrag haben sich Länder ohne Nuklearwaffen dazu verpflichtet, auf eine atomare Bewaffnung zu verzichten, solange Staaten mit Atomwaffen sich ernsthaft um Abrüstung bemühen. Gleichzeitig hat die Abschreckungswirkung abgenommen. Die Verbreitung von Atomwaffen in Staaten wie Nordkorea, Pakistan und Israel hat neue Unsicherheiten und Risiken mit sich gebracht, während die Entwicklung taktischer Waffen zu gefährlichen Diskussionen über die Möglichkeit 'begrenzter' nuklearer Gefechte geführt hat." Das war die IRISH TIMES aus Dublin.
Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN sieht Verhandlungsbereitschaft und verweist auf einen früheren Vorschlag der US-Regierung für Frieden in der Ukraine. "Der sogenannte 28-Punkte-Plan beinhaltet auch einen Aspekt zur Verlängerung der Abkommen für atomare Abrüstung. Der russische Präsident Putin schlug die Verlängerung um ein Jahr vor, Trump sagte, er wäre für ein noch besseres Abkommen. Man sieht, dass der Wille doch noch da ist. Die Gespräche zwischen den Atommächten sind wichtig, eingeschlossen China, das derzeit seine nukleare Aufrüstung vorantreibt", kommentiert ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Nun in die Vereinigten Arabischen Emirate, wo Vertreter Moskaus und Kiews die Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs fortgeführt haben. Die russische Regierungszeitung ROSSIJSKAJA GASETA zeigt sich verärgert: "Vor dem Treffen der russischen und ukrainischen Delegationen in Abu Dhabi hat NATO-Generalsekretär Mark Rutte die Ukraine besucht. Das war eine demonstrative Provokation der europäischen Kriegspartei, die nur daran interessiert ist, Friedensabkommen zu verhindern. Während die amerikanischen Unterhändler Kiew zu territorialen Zugeständnissen drängen, die die Präsidenten Russlands und der USA auf dem Gipfel in Anchorage besprochen haben, hat Rutte dem ukrainischen Staatschef Selenskyj die volle Unterstützung der Allianz und die Stationierung westlicher Truppen in der Ukraine gleich nach Abschluss eines Friedensvertrags mit Moskau zugesagt", kritisiert ROSSIJSKAJA GASETA aus Moskau.
Die schwedische Zeitung SVENSKA DAGBLADET schreibt indes: "Unmittelbar vor den angeblichen Friedensverhandlungen zeigt der KGB-Mann Putin wieder einmal sein wahres Gesicht. Während es in der Ukraine am kältesten ist, werden gezielt Bomben- und Drohnenangriffe auf die zivile Energieversorgung durchgeführt, so dass die Bevölkerung gezwungenermaßen versuchen muss, in Kälte und Dunkelheit zu überleben. Es ist nicht das erste Mal, dass Russland offen Verachtung für seinen amerikanischen Gegenpart zeigt. Frühere 'Friedensverhandlungen' folgten demselben Muster: Putin weigerte sich konsequent zu verhandeln und reagierte auf jeden Vorschlag der USA mit einer Eskalation der Angriffe", beobachtet das SVENSKA DAGBLADET aus Stockholm.
Nun zum Thema Rohstoffe. Die USA wollen laut Präsident Trump eine strategische Reserve seltener Erden im Wert von zwölf Milliarden Dollar bilden. Die US-Zeitung NATIONAL REVIEW meint: "Der Aufbau von Vorräten an seltenen Erden und anderen kritischen Mineralien wird nichts an der gefährlich dominanten Position Chinas in diesem Bereich ändern. Aber es ist eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme. Auch die Europäische Union und Indien planen, entsprechende Vorräte anzulegen, allerdings in kleinerem Umfang. Bereits im August warnte Peking vor Vergeltungsmaßnahmen, sollten Käufer von Rohstoffen ihre Lager befüllen", vermerkt die NATIONAL REVIEW aus New York.
Neben einer strategischen Reserve hat die US-Regierung mit Verbündeten auch eine Allianz gegen Chinas marktbeherrschende Stellung bei wichtigen Rohstoffen gebildet. Die parteinahe Staatszeitung CHINA DAILY bezieht Position: "Die Geschichte, die verkauft wird, ist bekannt: China instrumentalisiere Ressourcen, setze den Westen unter Druck. China bleibe ein 'ideologischer Feind'. Diese Klischees sind nichts anderes als ein Drehbuch aus dem Kalten Krieg, das entstaubt und in einer neuen Verpackung daherkommt. Die logische Folgerung ist, dass China, egal wie eng es in die Weltwirtschaft eingebunden ist, niemals vertraut werden kann, sondern dass es nur kontrolliert, abgesichert und gefürchtet werden darf. Wenn der Westen Resilienz will, sollte er vielleicht damit beginnen, dem Drang zu widerstehen, jede Lieferkette in ein Schlachtfeld zu verwandeln – und anzuerkennen, dass nicht jedes Problem in seinen Volkswirtschaften von anderen Ländern verursacht wird", moniert CHINA DAILY aus Peking.
Auch das Handelsabkommen zwischen den USA und Indien wird von der Rohstoff-Frage geprägt. Ein Gastkommentator der Zeitung BUSINESS LINE aus Bangalore schreibt dazu: "Das Beste daran ist, dass niemand die Details kennt. Die Verwirrung über die Frage, ob Indien den Kauf von russischem Öl einstellt, dürfte noch einige Zeit anhalten. Ohne Zweifel ist aber die Entspannung zwischen den USA und Indien nicht nur für die bilateralen Beziehungen, sondern auch für den indopazifischen Raum und die Welt insgesamt ein gutes Zeichen. Es gibt jedoch keine Garantie dafür, dass die Zölle nicht wieder angehoben werden", überlegt BUSINESS LINE aus Indien.
GULF TODAY aus den Vereinigten Arabischen Emiraten führt aus: "Beobachter fragen sich, ob die indische Regierung ein schlechtes Geschäft gemacht hat. Trump besteht darauf, dass Indien venezolanisches Öl kauft. Auf diese Weise soll amerikanischen Unternehmen geholfen werden, die wiederum Ölquellen in Venezuela übernehmen sollen. Die Regierung in Caracas wird gezwungen, die Ölförderung für den privaten Sektor zu öffnen. Das Problem ist jedoch, dass es lange dauern wird, bis Venezuela seine Ölproduktion steigern kann und die dafür notwendige Infrastruktur aufgebaut ist", vermerkt GULF TODAY aus Schardscha.
Zum Schluss geht es um den Streit zwischen den USA und Kolumbien. Nach einem monatelangen Schlagabtausch hat Präsident Trump Staatschef Petro im Weißen Haus empfangen. Die spanische Zeitung EL PAIS aus Madrid spricht von einem guten Signal. "Weniger wegen der Beilegung der Differenzen zwischen den beiden Staatschefs, sondern weil es eine grundlegende Tatsache bestätigt. Die USA und Kolumbien können sich keinen Konflikt leisten. Sicherheit, Drogenhandel, Migration, Handel - die gemeinsame Agenda ist lang und so heikel, dass jeder Verstoß dagegen allenfalls Show ist."
Die kolumbianische Zeitung EL ESPECTADOR sieht erste Erfolge der diplomatischen Annäherung: "Die neue Botschaft aus dem Präsidentenpalast in Bogota ist klar: Die kolumbianischen Sicherheitskräfte werden ihre Verbrechensbekämpfung fortsetzen. Zu den Forderungen von Petro an die Guerilla ELN gehört, die von Drogenhändlern genutzte Infrastruktur an der Grenze zu Venezuela zu übergeben. Durch die Zusammenarbeit mit den USA werden der kolumbianische Staat und seine Institutionen gestärkt - und mit einem mächtigen Verbündeten im Rücken steigt der Druck auf die Kriminellen." Das war EL ESPECTADOR aus Bogota.
