06. Februar 2026
Die internationale Presseschau

Heute mit Kommentaren zum Start der Olympischen Winterspiele in Italien und zum Stellenabbau bei der renommierten US-Zeitung Washington Post. Doch zunächst geht es um die direkten Gespräche zwischen den USA und dem Iran über dessen Atomprogramm.

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi mit seinem omanischen Amtskollegen Sayyid Badr Albusaidi während ihres Treffens vor den Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA in Muscat im Oman
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi mit seinem omanischen Amtskollegen Sayyid Badr Albusaidi (AP)
Zu den diplomatischen Bemühungen im Oman schreibt die italienische Zeitung LA STAMPA: "US-Präsident Trump hat womöglich begriffen, dass er - um einen von ihm geschätzten Ausdruck zu verwenden - nicht die Karten in der Hand hält. Trump könnte zwar den Iran mit Flugzeugen, Raketen und Drohnen angreifen. Doch das würde möglicherweise nicht ausreichen, um einen Regimewechsel im Iran herbeizuführen. Einen langen Krieg will Trump nicht, und er kann ihn sich auch nicht leisten", bemerkt LA STAMPA aus Turin.
Die chinesische Zeitung XINMIN WANBAO vermerkt: "Gestern hat der Iran mitgeteilt, dass erstmals seine neue ballistische Rakete Khorramshahr-4 in einer unterirdischen Anlage der Revolutionsgarden stationiert wurde. Die US-Vertreter am Verhandlungsort Oman sollen wissen, dass diese Rakete mit einer Reichweite von 2.000 Kilometern Israel und alle US-Militärstützpunkte in der Region angreifen könnte. Die Botschaft an die westliche Welt lautet: Der Iran ist in der Lage und fest entschlossen, sich zu verteidigen", notiert XINMIN WANBAO aus Schanghai.
Die türkische Zeitung HÜRRIYET hebt hervor: "Die Verhandlungen im Oman zwischen Vertretern Washingtons und Teherans werden von der US-Drohung mit einem Militärschlag gegen das iranische Regime überschattet. Und der Iran warnt wiederum davor, dass ein Angriff zu einem regionalen Krieg führen werde. Der Verhandlungstisch in Muskat steht auf äußerst wackligen Füßen. Auch der Verhandlungsspielraum ist sehr gering", konstatiert HÜRRIYET aus Istanbul.
Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT bemerkt "Der Iran hatte einen Vorschlag des türkischen Präsidenten Erdogan, dass die Delegationen in Istanbul verhandeln sollten, abgelehnt. Die Entscheidung war kein Zufall. Teheran wollte nur mit den USA verhandeln, nur über das Atomprogramm und nur an einem vertrauten Ort. Daher wurde das Treffen im Oman geplant. Am Verhandlungstisch sitzen lediglich Vertreter aus Washington und Teheran. Dies ist keine Formalie, es ist eine politische Botschaft und sie ist eindeutig: Der Iran akzeptiert die Türkei nicht als Vermittler", schlussfolgert MÜSAVAT aus Baku.
Im Zentrum der Diplomatie steht nicht nur Omam, sondern die gesamte Golfregion. Im Rahmen seiner dreitägigen Reise hat Bundeskanzler Merz den strategischen Dialog mit Saudi-Arabien betont und eine Absichtserklärung mit Riad angekündigt. Unterdessen unterzeichnete dort der türkische Präsident Erdogan mehrere Kooperationsabkommen. Ein Gastkommentator der ARAB NEWS bemerkt: "Die wirtschaftliche Dimension der saudisch-türkischen Beziehungen ist vielversprechend. Die Zusammenarbeit stärkt die ökonomische Stellung und den Einfluss in der G20-Gruppe. Politisch haben die beiden Länder ein hohes Maß an Kooperation in mehreren regionalen Fragen gezeigt, darunter Syrien, Jemen, Sudan sowie in der Palästinenser-Frage. Beide Seiten betonen zugleich, wie wichtig es sei, die Abkommen in den Bereichen Verteidigung und Cybersicherheit umzusetzen. Eine solche Zusammenarbeit würde zur Stärkung der regionalen Stabilität beitragen", zeigen sich die ARAB NEWS überzeugt.
Nun in die USA. Die renommierte Zeitung "Washington Post" hat angekündigt, einen großen Teil seiner Belegschaft zu entlassen. Die spanische Zeitung LA VANGUARDIA verweist auf die wirtschaftlichen Probleme der Branche, aber: "Ein entscheidender Grund sind auch die politischen Allianzen und Kehrtwendungen von Amazon-Gründer Jeff Bezos, dem die Zeitung seit 2013 gehört. Seine Entscheidung, im Präsidentschaftswahlkampf 2024 keine Empfehlung für die demokratische Kandidatin Kamala Harris auszusprechen, kostete die 'Washington Post' rund eine Viertelmillion Abonnements. Angesehene Journalisten verließen die Zeitung, was die Abwärtsspirale beschleunigte. Die 'Washington Post' verlor ihren Ruf als unabhängiges streitbares Medium, das sich der Wahrheit verpflichtet fühlt", erläutert LA VANGUARDIA aus Barcelona.
In einem Gastkommentar der japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN heißt es: "Die 'Washington Post', die einst die Watergate-Affäre aufdeckte und sich nicht von der Regierung einschüchtern ließ, spielt für die Demokratie der USA eine sehr wichtige Rolle. Allerdings stellt sich diesmal die Lage anders dar: Das Management steht wirtschaftlich stark unter Druck. Nach Auflösung der Sportredaktion und der Auslandsbüros will sich die 'Washington Post' auf die Inlands- und Wirtschaftsberichterstattung konzentrieren. Das Vorhaben der Zeitung, zu den eigenen Wurzel zurückzukehren, zeigt ihr starkes Selbstbewusstsein", meint NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die indische Zeitung THE HINDU kritisiert: "Die Schließung des Korrespondenten-Büros in der Ukraine etwa wirkt sich direkt auf die Berichterstattung der Zeitung über die Machenschaften des Weißen Hauses unter Donald Trump aus. Die US-Regierung versucht, sich bei Russland beliebt zu machen und die Beziehungen zu Europa neu zu gestalten, indem es die Einheit der NATO unverhohlen untergräbt. Das Schicksal der 'Washington Post' ist eine warnende Geschichte, deren Moral lautet: Während die Demokratie in der Dunkelheit sterben mag, stirbt die freie Presse am helllichten Tag." Das war THE HINDU aus Chennai.
In Italien starten heute die Olympischen Winterspielen. Die österreichische Zeitung DIE PRESSE sieht es so: "Zweifellos hat Olympia seine Glaubwürdigkeit längst verspielt. Weniger mit der auf die Fahnen gehefteten Tradition als Friedensbringer, sondern als würdige Bühne für die besten Sportler der Welt. Guten Gewissens zu Winterspielen zu reisen, um seinen Lebenstraum zu verwirklichen, war zuletzt kaum noch möglich. Die fragwürdige Ära von Sotschi, Pyeongchang und Peking, der zur Schau gestellte Gigantismus samt den völlig aus dem Ruder gelaufenen Milliardenbudgets schreckten ab. Mit Haut und Haar wehrten sich Bevölkerungen in ganz Europa gegen Olympiabewerbungen. Zu Recht! Zu sehr wurde die Strahlkraft dieses Events ausgelöscht. Nun kehren die Spiele zurück in ein Kernland des Wintersports – und müssen für einen Neuanfang genutzt werden", fordert die DIE PRESSE aus Wien.
Die finnische Zeitung KARJALAINEN hält fest: "Russland bleibt wegen seines völkerrechtswidrigen Angriffskriegs in der Ukraine von den Spielen ausgeschlossen - und diese Entscheidung ist die einzig richtige. Allerdings wächst gleichzeitig auch der Druck, russischen Athleten die Teilnahme an diesen so prestigereichen Wettkämpfen zu ermöglichen. Ja, es herrscht Krieg. Aber er kann nicht ständig auch über den Sport geführt werden." Das war KARJALAINEN aus Joensuu.
Auch die polnische RZECZPOSPOLITA geht auf den Ausschluss der russischen Sportler ein : "Politisch gesehen hat Putin seit Trumps Amtsantritt in den USA nur gewonnen, und es ist beängstigend, daran zu denken, dass die beiden Herren am Tag nach dem Erlöschen der olympischen Flamme in Mailand verkünden könnten, eine Einigung über die Leiche der eingefrorenen Ukraine erzielt zu haben", notiert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Die norwegische AFTENPOSTEN mahnt: "Es darf nicht vergessen werden, dass Leute wie Putin den Sport politisch missbrauchen - und es muss rote Linien geben, wenn der Sport seine positive Kraft behalten soll. Vor ein paar Jahren entstand der Begriff Sport-Washing wegen der Winterspiele in China und der Fußball-WM in Qatar. Diktaturen - aber nicht nur sie - nutzen den Sport, um ein positiveres Bild von sich zu erzeugen. 2028 wird Olympia und in diesem Jahr die Fußball-WM in den USA stattfinden", bemerkt AFTENPOSTEN aus Oslo.