09. Februar 2026
Die internationale Presseschau

Themen sind der politisch diskutierte Auftritt des Puertoricaners Bad Bunny bei der Halbzeitshow des Super Bowl in den USA sowie afrikanische Migranten im Ukraine-Krieg. Zunächst aber nach Japan, wo die Regierungspartei von Ministerpräsidentin Takaichi den größten Wahlsieg ihrer Geschichte errungen hat.

Japans Ministerpräsidentin Takaichi steht hinter einem Rednerpult.
Die Regierungspartei von Ministerpräsidentin Takaichi hat den größten Wahlsieg ihrer Geschichte errungen. (AP / Franck Robichon)
Die japanische Zeitung YOMIURI SHIMBUN schreibt: "Das ist ein historischer Sieg für die Partei LDP. Was ist in den vergangenen Monaten passiert, möchte man fragen. Seit der katastrophalen Niederlage bei der Unterhauswahl 2024 hatte sich die LDP nur noch um die Existenz der Regierung bemüht, und die Umfragewerte befanden sich im Tiefflug. Dann wurde Takaichi die erste Premierministerin in der Geschichte des Landes. Mit ihren einfachen, klaren, leicht zu verstehenden Botschaften wie 'Japan stärken und reich machen' hat sie die verlorenen, konservativen Wähler zurückgewonnen. Die neue stabile Kraft im Unterhaus sollte sie nutzen, um die politischen Aufgaben umzusetzen. Dabei ist es unabdingbar, der Bevölkerung die Details ihrer Vorhaben zu erklären - was sie bislang kaum getan hat", kritisiert YOMIURI SHIMBUN aus Tokio.
Die ebenfalls japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN ergänzt: "Im Wahlkampf hat sie offenbar bewusst nicht viel über die polarisierenden rechtskonservativen Themen gesprochen. Es wäre inakzeptabel, wenn sie ohne konkrete Diskussionen und mit Stärke der vielen Parlamentssitze eine Verfassungsänderung durchsetzen würde. Sollte dieser Erdrutschsieg zur Arroganz der Partei führen, wird das Misstrauen der Bevölkerung in die Politik schnell wieder zunehmen."
Die polnische GAZETA WYBORCZA merkt an: "Takaichi setzte auf ihre außergewöhnliche Popularität, insbesondere bei jungen Menschen. In Japan wird die 64-jährige Premierministerin, die Motorrad fährt, Schlagzeug spielt und Heavy Metal liebt, gleichzeitig aber auch ultrakonservativ ist und daraus keinen Hehl macht, von einem Kult umgeben, der mit dem eines Popstars vergleichbar ist."
Die australische Zeitung THE AGE sieht in dem Wahlsieg eine Bestätigung, dass sich die harte Haltung Takaichis gegenüber China auszahlt: "Pekings Einschüchterungsversuch wegen Äußerungen Takaichis zur notfalls auch militärischen Unterstützung Taiwans ist nach hinten losgegangen. Nicht nur, dass er nicht zu dem von Peking erhofften Rückzieher geführt hat, sondern er hat es Takaichi auch ermöglicht, frühzeitig ein Bild von Stärke und Entschlossenheit sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene zu vermitteln – ein Geschenk für jeden in der Politik, der noch dabei ist, sich zu etablieren. Nun stellt sich die Frage, ob Peking den Ton mäßigen und einen Ausweg aus dieser monatelangen Fehde finden wird oder ob es noch einen draufsetzt", bemerkt THE AGE aus Canberra.
In der chinesischen Zeitung JIEFANG RIBAO heißt es: "Mit ihrer Aussage zu Taiwan streut Takaichi Sand ins Getriebe der Beziehungen zu Peking, was sogar in der japanischen Gesellschaft für Unruhe gesorgt hat. Wenn die Takaichi-Regierung ihr Land aus der wirtschaftlichen Rezession herausholen will, braucht sie China. Vor allem vor dem Hintergrund der ungewisseren Weltlage darf man auch im eigenen Interesse geopolitische Risiken nicht unnötig erhöhen. Einerseits die Nachbarschaftsbeziehung zu China stabilisieren zu wollen, anderseits wiederum die Taiwan-Karte als Druckmittel gegenüber China zu spielen, ist schizophren und wird nicht funktionieren", meint JIEFANG RIBAO aus Schanghai.
Themenwechsel. Der puertoricanische Künstler Bay Bunny ist beim Super-Bowl aufgetreten - und hat die berühmte Halbzeitshow komplett auf Spanisch bestritten. Die mexikanische Zeitung LA RAZON findet: "Der Auftritt war Politik in rhythmischer Form. Während US-Präsident Trump seine fremdenfeindliche Rhetorik verschärft und gegen Migranten vorgeht, stand bei der meistgesehenen TV-Sendung der Welt ein Puertoricaner im Mittelpunkt. Die USA feierten damit im Rahmen ihres nationalen Spektakels ungewollt eine besonders unbequeme Randgruppe. Puerto Rico ist eben kein Ausland, sondern Teil der USA, und seine Bürger besitzen US-Pässe. Aber Puerto Rico ist auch kein US-Bundesstaat, sondern ein Außengebiet der USA, und seine Bürger können nicht an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen - und sie werden von vielen als Bürger zweiter Klasse behandelt. Bad Bunny zeigte dieses Spannungsfeld auf. In den Zeiten epochaler Umbrüche kann auch die Popkultur wichtige Entwicklungen aufgreifen", merkt LA RAZON aus Mexiko-Stadt an.
Die Zeitung USA TODAY kommentiert: "Den Aufstieg des Reggaeton-Künstlers in unserer Kultur darf man nicht unterschätzen – besonders wenn man bedenkt, dass derzeit Beamte der Einwanderungsbehörde ICE Latinos in den Vereinigten Staaten terrorisieren und unser Präsident versucht, sich in die politischen Geschehnisse eines südamerikanischen Landes einzumischen. Wir sind ein Land der Einwanderer, und Latinos machen einen großen Teil davon aus - jeder Fünfte von uns ist hispanischer oder lateinamerikanischer Herkunft. Spanisch ist neben Englisch die am häufigsten gesprochene Sprache in den Vereinigten Staaten. Der Auftritt von Bad Bunny erinnert unser Land daran, dass die lateinamerikanische Kultur Teil der amerikanischen Kultur ist", unterstreicht USA TODAY aus New York.
Der US-Sender FOX NEWS moniert: "Bay Bunnys Ausruf 'God Bless America!' bedeutete in Wirklichkeit: Amerika im Allgemeinen - er meinte nicht die Vereinigten Staaten. Das war verwirrend und auf subtile, aber passiv-aggressive Weise anti-amerikanisch. Warum wurde Bad Bunny überhaupt eingeladen? Es waren wohl geschäftliche Gründe. Da die Liga nach Lateinamerika expandiert, macht Bad Bunny Sinn. Doch sein Engagement war ein klarer Fehler. Die Halbzeitshow wurde sorgfältig konstruiert, um den Zuschauern zwei ähnlich toxische Ideen zu vermitteln: erstens, dass Puerto Rico eine von den USA getrennte Nation ist. Und zweitens die Idee der lateinamerikanischen Identität als Nation innerhalb einer Nation. Bad Bunny lieferte eine höchst spaltende Show. Man schaudert bei dem Gedanken, was die Liga nächstes Jahr vorhat, wenn sie darauf besteht, ihr Kernpublikum zugunsten einer globalen Expansion zu vernachlässigen", meint FOX NEWS.
Zum Schluss ein Blick auf einen Aspekt des Ukraine-Kriegs. Bereits mehrere Hundert junge Afrikaner sollen mit der Aussicht auf zivile Jobs nach Russland gelockt worden und dann als Soldaten an die Front in der Ukraine geschickt worden sein. Die länderübergreifende ost-afrikanische Zeitung THE EAST AFRICAN ist entsetzt: "Die meisten von ihnen werden wohl bei sogenannten 'Fleisch-Angriffen' getötet, also Angriffen, die hohe Verluste von Menschenleben einkalkulieren. Viele verrotten auf dem Schlachtfeld, die Russen kümmern sich nicht einmal mehr darum, Familienangehörige zu informieren. Es ist höchste Ironie, dass der kenianische Arbeitsminister Mutua kürzlich etwa ein Dutzend Kenianer nach Russland verabschiedete. Es gab sogar ein Foto davon, wie der kenianische Botschafter in Moskau die Ankommenden begrüßte. Das Signal, das die Politik sendet ist, es sei in Ordnung, nach Russland zu gehen. Und das, obwohl die Chancen hoch sind, an der Front zu landen. Und sowieso: Warum sollte ein Minister stolz sein, seine Bürger in ein Kriegsland zu schicken? Hätte Kenia einen Konflikt mit einem seiner Nachbarn, dann hätten alle westlichen Nationen längst eine Reisewarnung ausgesprochen. Es zeigt wenig Respekt vor Menschenleben, wenn ein Regierungsmitglied seine Bürger ermutigt, in ein Kriegsgebiet zu gehen. Der erste Schritt wäre doch, jene zu kontrollieren, die nach Russland wollen. Sie sollten einen wichtigen Grund für ihre Reise nachweisen müssen. Zudem sollten alle Agenten, die Menschen illegal rekrutieren, vom Kontinent verbannt werden. Auch jene, die das online versuchen, müssen gestoppt werden. Auf diplomatischer Ebene muss die Afrikanische Union aktiv dagegen vorgehen, dass Russland Afrikaner in sein Militär aufnimmt", fordert THE EAST AFRICAN.