11. Februar 2026
Die internationale Presseschau

Der deutliche Wahlsieg der japanischen Ministerpräsidentin Takaichi löst weltweit ein breites Medienecho aus. Die japanische Regierungspartei LDP hat künftig eine Zwei-Drittel-Mehrheit und kann dadurch viele Vorhaben im Alleingang umsetzen.

Porträtaufnahme von Sanae Takaichi
Die japanische Politikerin Sanae Takaichi (imago / Kyodo News)
Die spanische Zeitung EL PAÍS hofft, dass das Land trotzdem seinen Grundprinzipien treu bleiben wird: "So stark Takaichis Mandat auch sein mag, es rechtfertigt keine radikalen Veränderungen. Japans verfassungsrechtliches Bekenntnis zu Frieden und Demokratie hat das Land zu einer der tragenden Säulen der regelbasierten internationalen Ordnung in Ostasien und zu einem der wohlhabendsten Staaten der Welt gemacht", argumentiert EL PAÍS aus Madrid.
Die in Schanghai erscheinende Tageszeitung WENHUIBAO hat Bedenken, ob Japan den bisherigen Kurs beibehält. "Dem von Premierministerin Takaichi betriebenen Rechtsruck steht nun nichts mehr im Wege", stellt die Zeitung fest und schreibt weiter: "Es ist zu befürchten, dass Takaichi ihr Land mit ihrer extremen nationalistischen Rhetorik und harten außenpolitischen Haltung in gefährliches Fahrwasser führen wird. Sollte es nun zu einer Verfassungsänderung in Richtung einer Militarisierung Japans und weiteren Provokationen gegen Nachbarländer kommen, würde dies eine erhebliche Bedrohung der Sicherheit und Stabilität in der gesamten asiatisch-pazifischen Region und darüber hinaus bedeuten."
Und die in Peking erscheinende Tageszeitung XINJINGBAO spricht sogar eine indirekte Warnung gegenüber Japan aus: "80 Jahre nach den Tokioter Prozessen werden die revanchistischen Kräfte, die Japans Kriegsverbrechen und Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg im Pazifik herunterspielen oder gar leugnen, immer stärker. Sollte sich Tokio tatsächlich von dem in seiner Verfassung verankerten Pazifismus abwenden, wird das heftige Reaktionen bei den Nachbarländern auslösen", mahnt die chinesische Zeitung XINJINGBAO.
Die in Moskau erscheinende Tageszeitung NESAWISSIMAJA GASETA erwartet, dass Japan sich stärker mit den USA verbünden wird, um eine Allianz gegen China zu bilden: "Für Takaichi ist die Beseitigung der Missverständnisse mit Washington eines der wichtigsten Ziele des für März geplanten Besuchs in Washington. Unter ihrer Regierung dürften sich viele Bereiche des japanischen Lebens nach rechts verschieben. Sie hat versprochen, die Militärpolitik bis Dezember zu überarbeiten, das Waffenexportverbot aufzuheben und die nach dem Zweiten Weltkrieg etablierten pazifistischen Prinzipien aufzugeben", notiert die russische NESAWISSIMAJA GASETA.
Die finnische Zeitung HELSINGIN SANOMAT geht davon aus, dass Japans Außenpolitik künftig international auf deutlich mehr Kritik stoßen wird: "Der von Takaichi vertretene Nationalismus könnte die Aktivitäten des Landes in der internationalen Gemeinschaft erschweren. Insbesondere die Beziehungen zu China werden angespannter. Auch Südkorea ist aus historischen Gründen nicht begeistert von der Rückkehr des japanischen Militarismus."
Die japanische Zeitung YOMIURI SHIMBUN rückt vor allem die Wirtschaft in den Mittelpunkt ihres Kommentars und fordert eine hohe Zuverlässigkeit von der Regierung: "Denn sollte das Vertrauen der Märkte in die Politik in Tokio mal ins Wanken geraten, wird der Trend des schwachen japanischen Yens und der hohen Verbraucherpreise noch beschleunigt werden. Das wiederum dürfte die Unzufriedenheit der Bürger unvermeidlich erhöhen. Premier Takaichi ist zu wünschen, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst wird und sie die Öffentlichkeit detailliert und sorgfältig informiert", wünscht sich YOMIURI SHIMBUN aus Tokio.
Und die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN kritisiert vor allem die Schwäche der Opposition im eigenen Land: "Sie haben es versäumt, sich konkret mit der Veränderung der Sicherheitslage und der Öffentlichkeitsmeinung auseinanderzusetzen. Warum haben sie den Willen der Bevölkerung für die Veränderung nicht erkannt? Die Oppositionsparteien müssen schnell ihre Hausaufgaben machen. Sonst können nur noch die Finanzmärkte gegenhalten und der Regierung bei falschen Entscheidungen die Rote Karte zeigen", lautet die Einschätzung von NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Einige Medien beschäftigen sich auch mit den zuletzt veröffentlichten Akten zum Sexualstraftäter Epstein. Der sozialdemokratische Politiker Cédric Wermuth aus der Schweiz schaut auf die Verstrickungen zahlreicher Manager und Spitzenpolitiker und sieht darin ein "Versagen der neoliberalen Eliten". In einem Gastkommentar des TAGESANZEIGERS aus Zürich fordert er "Schluss mit Straflosigkeit": "Die Gewaltorgien des Epstein-Zirkels sind keine Anomalie, sondern spiegeln die Realität der neoliberalen Ordnung. Eine Welt, geprägt von Ungleichheit, Rücksichtslosigkeit und Frauenverachtung, wird von Eliten beherrscht, die diese Werte exzessiv leben. Das ist kaum überraschend. Wer zukünftige Epsteins verhindern will, muss die Straflosigkeit beenden und Privilegien abbauen", heißt es im Gastkommentar des in Zürich erscheinenden TAGESANZEIGERS.
Die in London erscheinende Tageszeitung TELEGRAPH schaut auf die Regierungskrise in Großbritannien, die sich durch die Veröffentlichungen verschärft hat. Der Kommentar stärkt dem britischen Premier Starmer aber den Rücken: "Starmer hat Jeffrey Epstein nie getroffen. Er wird in den Epstein-Akten nicht erwähnt. Er ging in einer früheren Phase der Epstein-Affäre ein legitimes politisches Risiko ein. Die Labour-Partei brauchte einen international erfahrenen Manager mit engen Verbindungen zu den US-Eliten, um sich im gefährlichen Fahrwasser Washingtons zurechtzufinden. Das Wagnis ist gescheitert, weil Mandelson alle getäuscht hat, bis hin zu Vergehen, die manche als Hochverrat einstufen würden. Das allein ist jedoch kein Grund, einen Premierminister abzusetzen und dann dem Land ohne unsere Zustimmung einen Parteifunktionär aufzuzwingen", lautet das Urteil des britischen TELEGRAPH.
Die Organisation Transparency International hat ihren neuen Korruptionsindex veröffentlicht. Die USA kommen dabei deutlich schlechter weg als bisher. Die schwedische Zeitung SYDSVENSKAN gibt zu bedenken, dass auch viele Länder in Europa heute anfälliger für Korruption sind als noch vor einigen Jahren: "Schweden belegt in der aktuellen Rangliste Platz sechs. Das ist nicht schlecht. Aber wir liegen klar hinter unseren Nachbarn Dänemark und Finnland. Schweden hat seine Vorbildfunktion verloren, aber auch in der EU als Gesamtheit ist der Trend rückläufig. Das darf nicht so sein. Die EU hat für Offenheit, Demokratie und Rechtsstaat zu stehen. Sie verlangt, dass Kandidatenländer wie die Ukraine nicht nur die Korruption bekämpfen, sondern auch über Institutionen und ein Regelwerk für eine vertrauenswürdige Prävention verfügen. Europa ist immer noch der am wenigsten korrupte Erdteil in einer sich verdüsternden Welt. Transparency International fordert mehr Energie im Kampf gegen Korruption und Machtmissbrauch. Europa sollte diese Mahnung hören - und zuerst bei sich selber anfangen", so die Meinung der Zeitung SYDSVENSKAN aus Malmö.
"Es ist eine traurige Weltkarte, die Transparency International vorgelegt hat", lautet das Resümee der norwegischen Zeitung DAGBLADET: "Im Großen und Ganzen haben nur Mittel- und Nordeuropa sowie Singapur, Australien und Neuseeland akzeptable Werte vorzuweisen. Unter den globalen Top Ten hat nur Deutschland mehr Punkte als beim letzten Mal bekommen. Die meisten Länder verzeichnen niedrigere Werte, und die USA rutschen mit 64 Punkten auf Platz 29 ab. Das ist kein Zufall: Offenheit, freie Meinungsäußerung und Informationsfreiheit führen zu einem besseren Kenntnisstand und damit zu weniger Korruption. In totalitären Gesellschaften ist es dagegen genau andersherum", erläutert DAGBLADET aus Oslo.