13. Februar 2026
Die internationale Presseschau

Heute mit Kommentaren zur Münchner Sicherheitskonferenz und dem Ausschluss des ukrainischen Skeleton-Piloten Wladislaw Heraskewytsch von den Olympischen Spielen. Zunächst aber zum EU-Wirtschaftsgipfel in Belgien.

Das Bild zeigt Bundeskanzler Friedrich Merz, der auf einem Wirtschaftsgipfel eine Rede hält.
Bundeskanzler Merz beim europäischen Wirtschaftsgipfel in Belgien. (picture alliance / dts-Agentur / -)
Dazu meint die spanische Zeitung EL MUNDO: "Auf dem Gipfel ging es um Wirtschaft, aber nicht nur: Europa debattiert zurzeit über die Steigerung seiner Wettbewerbsfähigkeit, aber es geht auch um die allgemeine strategische Ausrichtung. Wie soll der Kontinent zu einem starken geopolitischen Akteur in einer Welt werden, die immer mehr von einzelnen Großmächten dominiert wird? Die von Bundeskanzler Merz und der italienischen Ministerpräsidentin Meloni präsentierte Idee von einem Europa der zwei Geschwindigkeiten mit Deutschland und Italien als zentrale Motoren ist ein realistischer Vorschlag. Es geht dabei um eine schnellere Entscheidungsfindung in der Union unter Umgehung des Einstimmigkeitsprinzips. Der französische Präsident Macron ist gegen eine solche italienisch-deutsche Formel, aber er ist politisch geschwächt. Die EU steht jetzt an einem historischen Scheideweg. Sie hat keine Zeit mehr zu verlieren", mahnt EL MUNDO aus Madrid.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz schätzt: "Mit einem gemeinsamen Konzept für mehr Wettbewerbsfähigkeit dürfte es schwierig werden. So fürchtet Frankreich vor allem die hoch subventionierte Industrie Chinas, die europäische Firmen in Bedrängnis bringt. Die Regierung liebäugelt daher mit einem noch sehr vagen Plan, gewisse Importe aus Fernost zu begrenzen. Deutschland hat weniger Angst vor der asiatischen Wirtschaftsmacht, will dessen Regierungen aber vor allem nicht vor den Kopf stoßen. So haben am Gipfel gleichsam alle Regierungschefs ihre Agenden bewirtschaftet. Innenpolitisch ist das verständlich, voran kommt Europa so aber nicht. Wettbewerbsfähiger wird Europa nur, wenn es Maßnahmen ergreift, die bei Gewohnheiten ansetzen und weh tun. Dafür müsste man allerdings den Kampf mit Interessengruppen aufnehmen, anstatt einfach mehr Geld zu fordern", argumentiert die NZZ aus Zürich.
Die Zeitung POLITIKEN aus Dänemark zeigt sich optimistisch: "Die EU arbeitet inzwischen mit Hochdruck daran, sich von US-Technologien, amerikanischem Flüssigerdgas und chinesischen Rohstoffen und Chips unabhängiger zu machen. Das konservative Lager in Europa sieht die Lösung in mehr Deregulierung, während das Mitte-links-Lager lieber mehr Investitionen in Forschung, Bildung, Infrastruktur und grüne Energien sehen würde. Unklar ist allerdings, woher das Geld dafür kommen soll. Aber die Finanzmärkte sehen immer mehr in Europa den Sieger, nicht in den USA. Europäische Aktien haben im vergangenen Jahr mehr abgeworfen als amerikanische, und das ist ein gutes Signal: Globale Investoren kommen mit ihrem Geld lieber nach Europa", so POLITIKEN aus Kopenhagen.
Heute Nachmittag eröffnet Bundeskanzler Merz die Münchner Sicherheitskonferenz. Mit Blick auf den MSC-Report zur Lage der Weltpolitik, der vor der Konferenz veröffentlicht wurde, schreibt die polnische RZECZPOSPOLITA: "Das Hauptphänomen, mit dem die Welt laut den Autoren des Berichts konfrontiert ist, ist die Zerstörung bestehender Regeln und Mechanismen. Einige Staaten setzen zunehmend eine 'Bulldozer-Taktik' ein und wenden brutale Methoden und rohe Gewalt an. Angeführt wird diese Lawine der Zerstörung natürlich von Donald Trumps Amerika. Andere folgen diesem Beispiel, und das Ergebnis – wie die Autoren des MSC-Reports schreiben – ist 'ein neues Klima, in dem diejenigen, die Bulldozer, Abrissbirnen und Kettensägen einsetzen, oft bewundert, wenn nicht gar offen gefeiert werden.' Die derzeit vorherrschende Politik der Europäischen Union besteht darin, das US-Engagement aufrechtzuerhalten und gleichzeitig eine größere Autonomie vorzubereiten. Um aber auf diesem Weg erfolgreich zu sein, braucht es neben Entschlossenheit, umfangreichen Investitionen in den Energie- und Verteidigungssektor und verbesserter Zusammenarbeit auch konkrete Beweise dafür, dass Reformen und politische Kurskorrekturen machbar und wirksamer sind als der Einsatz von Bulldozern“, bemerkt die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
"Auf der Münchener Sicherheitskonferenz werden die Risse zwischen Amerika und Europa sichtbar", titelt die chinesische Zeitung WENHUI BAO und stellt fest: "Der Ton vor dem Beginn der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz klingt so pessimistisch wie nie zuvor. Die Möglichkeit der europäischen strategischen Autonomie wird bezweifelt, nachdem die transatlantischen Beziehungen Risse bekommen haben. Aber der Kontinent besitzt wichtige politische und wirtschaftliche Ressourcen und kann autonom werden. Er darf sich bloß keine interne Uneinigkeit und keine industrielle Fragmentierung leisten - und auch keine Abhängigkeit von den USA im Bereich Technologie und Energie. Ein neues Gleichgewicht in den transatlantischen Beziehungen und eine neue Zukunft Europas können Wirklichkeit werden", erwartet WENHUI BAO aus Schanghai.
Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER erklärt: "Das vergangene Jahr hat nur allzu deutlich gezeigt, dass es für den Westen keine Berechenbarkeit mehr gibt. Internationalen Unternehmen fällt es deshalb schwer, ihre Investitionen zu planen. Damit steigt Europas Zuverlässigkeit im Wert, aber wir müssen diese Chance auch ergreifen und Unternehmen die richtigen Rahmenbedingungen für Investitionen bieten. Deshalb ist es auch entscheidend, dass die europäischen Staatsführer auf der diesjährigen Sicherheitskonferenz in München ihre Zusammenarbeit verteidigen. Und sie dürfen nicht vergessen, dass allgemein gültige Spielregeln für den Markt und wirtschaftlicher Weitblick ebenfalls für Sicherheit sorgen. Wenn solche Qualitäten in einer unruhigen Welt im Wert steigen, kann die EU tatsächlich eine Spitzenrolle einnehmen - auf europäische Art", hofft DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Themenwechsel: "Bei den Olympischen Winterspielen durfte der ukrainische Skeletonpilot Wladyslaw Heraskewytsch wegen seines Helms, der im russischen Angriffskrieg getötete ukrainische Sportlerinnen und Sportler zeigt, nicht starten", notiert DER STANDARD aus Österreich und fragt: "Kann das IOC seinen Protagonisten die freie Meinungsäußerung untersagen? Und agiert das IOC nicht auch selbst höchst politisch? In Cortina und Mailand sind aktuell 13 'neutrale' Aktive aus Russland dabei, von denen sich schon einige kriegsunterstützend geäußert haben. Oberste olympische Regel ist: Quod licet Iovi, non licet bovi. Was Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt. Ja, für das IOC, das Jupiter-gleich am hohen Olymp sitzt, sind die Sportlerinnen und Sportler nichts anderes als Ochsen. Unpolitische Ochsen, die kuschen und sich vor den Karren spannen lassen", befindet DER STANDARD aus Wien.
Die britische Zeitung THE GUARDIAN schlägt in dieselbe Kerbe: "Wenn das IOC ein unabhängiges Gremium einsetzen konnte, um über die Teilnahme russischer Athleten zu entscheiden, warum nicht dasselbe für Heraskewytsch und andere ähnliche Fälle tun? Und vielleicht hätte das IOC sogar ein Auge zudrücken und Heraskewytsch die Teilnahme erlauben können. Das hätte sicherlich für Aufsehen gesorgt. Doch schon einen Tag später wären wir bei der nächsten Geschichte über irgendeinen Skandal angelangt. Eines lässt sich jedoch mit Sicherheit sagen: Heraskewytsch hat ein Zeichen gesetzt, das lange in Erinnerung bleiben wird", unterstreicht THE GUARDIAN aus London.
Die SALZBURGER NACHRICHTEN aus Österreich glauben: "Es wäre ein perfekter Zeitpunkt für das Internationale Olympische Komitee gewesen, einem Land im Grauen des Krieges Fingerspitzengefühl entgegenzubringen. Es bleibt das Signal des IOC: Legt euch mit uns nicht an! Ohne daran zu denken, dass Olympische Spiele ohne Athletinnen und Athleten nichts wären. Wo bleibt das grundsätzliche Bekenntnis des IOC, dass die Aktiven das Herz der Spiele sind? Eine Chance wurde verpasst", bedauern die SALZBURGER NACHRICHTEN zum Ende dieser Internationalen Presseschau.