
Nach Rubios Rede warnt die Londoner TIMES vor einer trügerischen Erleichterung: "Rubio schlug einen deutlich versöhnlicheren Ton an als US-Vizepräsident JD Vance. Dieser hatte im vergangenen Jahr in München eher die Europäer als Russland für den brutalen Krieg des Kremls gegen die Ukraine verantwortlich gemacht. Daher die Erleichterung im Publikum. Doch Rubio verwarf nicht die Prämisse der Trump-Regierung, dass die USA und Europa unterschiedliche Philosophien statt ein gemeinsames Anliegen verfolgen. Er drückte es lediglich höflicher aus. Und das ist eine Gefahr für die freie Welt. Westeuropäische Demokratien können nicht länger auf die Unterstützung der USA zählen", mahnt die britische TIMES.
Ähnlich sieht es der Kommentator der österreichischen Zeitung DER STANDARD: "Rubio betonte das gemeinsame Erbe, das 'Wir''. Er sprach von den 'Freunden' in Europa, er hoffte auf Zusammenarbeit. Gleichwohl fiel in seiner Rede auf, dass die tiefe weltanschauliche Kluft bleibt. Was die neue Großmachtpolitik und Sicherheitsdoktrin der USA angeht, vertrat Rubio unverändert harte Positionen – nur höflicher als Trump und seine Epigonen. Der Nervenkrieg um die neue US-Verachtung für freien Handel, internationales Recht und internationale Organisationen geht weiter. Das bedeutet nicht, dass die Allianz zerfällt, wie viele glauben. Die Folge wird sein, dass das transatlantische Bündnis mittelfristig intern umgebaut wird wie seit langem nicht", analysiert der Wiener STANDARD.
In der türkischen Zeitung EKONOMI heißt es: "Auf dieser Konferenz hat US-Außenminister Rubio die europäischen Verbündeten nicht kritisiert und ausgegrenzt, sondern die Tür für eine neue Zusammenarbeit geöffnet. Zwischen den – gelinde gesagt – exzentrischen Ausbrüchen, Drohungen und dem herablassenden Verhalten von Präsident Trump und seinem Vizepräsidenten Vance gegenüber Europa einerseits und der eher diplomatischen Sprache von Außenminister Rubio andererseits ist die Botschaft klar. Die internationale Politik wird nicht mehr 'business as usual' sein. Europa muss auf eigenen Füßen stehen – sowohl wirtschaftlich als auch in Bezug auf die Verteidigung", betont die Zeitung EKONOMI aus Istanbul.
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA notiert: "Europa hat innerhalb eines Jahres seine gemeinsame Wirtschafts-, Energie- und Verteidigungspolitik überarbeitet – was in Washington lange erwartet worden war. Trump wollte Europa auf einen Kurs hin zu größerer Unabhängigkeit drängen, und dies geschah schneller, als er es sich hätte vorstellen können. Daher sehen die meisten in München die Gespräche mit Rubio als schwierig, aber dennoch als den Beginn eines Neuanfangs. Die USA brauchen Europa, und Europa braucht die USA. Das schwierige Bündnis wird Bestand haben", ist die RZECZPOSPOLITA aus Warschau überzeugt.
Nach Ansicht der japanischen Zeitung ASAHI SHIMBUN sollten die Europäer gegenüber den USA selbstbewusster auftreten: "Es gibt zwei Punkte, die Europa als Bündnispartner niemals akzeptieren sollten: Erstens sind es Drohgebärden wie etwa bei der Grönland-Frage; zweitens Beleidigungen von Trump bezüglich des Afghanistan-Einsatzes der europäischen Soldaten. Die NATO ist bereits angeschlagen und hier müssen die Europäer ihre Diskussionen starten. Ansonsten spielen die Europäer künftig die Rolle der misshandelten Ehefrau, die von ihrem Partner heftige häusliche Gewalt erlebt und trotzdem immer noch an die Liebe glauben will", warnt ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Zu den neuen trilateralen Verhandlungen in Genf über eine Beendigung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine schreibt die Moskauer Zeitung KOMMERSANT. "Das seit Jahresbeginn hohe Tempo der Verhandlungen hat bislang noch nicht dazu geführt, dass die wichtigsten Probleme gelöst werden. Während Präsident Selenskyj konfrontative Äußerungen macht, territoriale Zugeständnisse ablehnt und immer neue Forderungen hinsichtlich Sicherheitsgarantien stellt, nehmen die USA ihren harten Druck auf Kiew zurück. Russland äußert sich nicht zu den Verhandlungen. Die US-Regierung steht vor einer schwierigen Entscheidung: Soll sie den Status quo beibehalten oder den Druck auf Kiew verstärken, das demonstrativ an seiner bisherigen Linie festhält?", ist in der russischen Zeitung KOMMERSANT zu lesen.
Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN fragt: "Vielleicht geht den Europäern allmählich ein Licht auf? Die Ukrainer haben es bereits verstanden. Sie wissen, dass es bei ihrem Kampf nicht nur um Gebiete geht, sondern um ihre Gesellschaftsform. Sie wollen einen westlichen, europäischen Rechtsstaat mit einer offenen liberalen Demokratie statt einer unterdrückerischen Autokratie aus der sowjetischen Erbmasse. Diesen Kampf fechten die Ukrainer aus, sowohl auf dem Schlachtfeld als auch zu Hause in der Zivilgesellschaft", betont AFTENPOSTEN aus Oslo.
Die schwedische Zeitung EXPRESSEN aus Stockholm befasst sich insbesondere mit den russischen Angriffen auf die Infrastruktur in der Ukraine. "Die russischen Angriffe der letzten Wochen stechen in der modernen Kriegsführung besonders hervor. Die Zivilbevölkerung soll erfrieren, und der Staat soll kapitulieren - das ist die Taktik. Das Ziel eines solchen Energiekriegs ist, maximalen Schaden anzurichten, ohne Soldaten opfern zu müssen. Europa kann nicht nur zusehen, während Russland eklatante Kriegsverbrechen begeht."
Nun nach Frankreich. Die Titelseiten der Zeitungen befassen sich mit dem gewaltsamen Tod eines jungen Rechtsextremen in der Stadt Lyon. Der 23-jährige war am Donnerstag am Rande von Protesten gegen einen Auftritt der linksgerichteten Europaabgeordneten Rima Hassan attackiert worden. Er starb später an den Folgen der schweren Verletzungen: Der Kommentator der Pariser Zeitung LE FIGARO äußert sich fassungslos: "In Lyon ist ein 23-jähriger Student gestorben. Zu Tode geprügelt. Auf dem Boden liegend. Seine Identität spielt keine Rolle. Es spielt keine Rolle, welche Hautfarbe er hatte oder welche politischen Ansichten er vertrat. Nichts, absolut nichts rechtfertigt oder entschuldigt diese Brutalität. Sie schmerzt uns alle. Diese Brutalität richtet sich vor allem gegen den Geist dessen, was wir alle zu bewahren versuchen, nämlich den Geist der Republik mit ihren Werten der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit", unterstreicht LE FIGARO.
Die Zeitung LIBERATION - ebenfalls aus Paris - macht das - Zitat - "unerträgliche Klima der Übertreibung und Intoleranz" für die Tötung des jungen Mannes verantwortlich. "Dieses Klima der Intoleranz herrscht seit einiger Zeit in der französischen Politik – und leider nicht nur dort. Es kann zu solchen Dramen führen, indem es die Gemüter derer erhitzt, die zu einfach denken, egal welcher politischen Richtung sie angehören. Aber diejenigen, die heute mit dem Finger auf diesen oder jenen Schuldigen zeigen und damit die Glut dieses Kessels voller wiederaufgewärmter Hassgefühle noch weiter anfachen, täten gut daran, ihre Ruhe und Ernsthaftigkeit wiederzufinden. Einen Monat vor den Kommunalwahlen und knapp ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen muss man sich jede Sekunde bewusst machen, dass politische Gewalt zum Tod führen kann", mahnt LIBERATION.
Hören Sie abschließend noch einen Kommentar zur Energiekrise in Kuba aus der chilenischen Zeitung LA TERCERA: "Kuba steckt in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte. Die Schuld an der aktuellen Lage trägt auch das Regime selbst, das seit Jahren eine ineffiziente Politik betreibt und nicht in der Lage ist, einen angemessenen Lebensstandard auf der Insel zu gewährleisten. Nach fast 70 Jahren Diktatur fehlt es an einer organisierten Opposition in Kuba - und das macht einen Regimewechsel zu einer noch größeren Herausforderung als in Venezuela", unterstreicht LA TERCERA aus Santiago de Chile.
