
Der amerikanische Außenminister Rubio sprach bei seinem Treffen mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Orbán vom Beginn eines "goldenen Zeitalters" in der Beziehung zwischen beiden Ländern. Die regierungsnahe Budapester Tageszeitung MAGYAR NEMZET kommentiert das so: "Auch für Washington ist es wichtig, europäische Verbündete zu haben, mit deren Führern es sich in einer veränderten und in ständiger Veränderung befindlichen Weltordnung gut versteht. In diesem Lichte lässt sich die diplomatische Aufwertung Ungarns erklären: Unser Land spielt eine Rolle in der Weltpolitik, die seine Bedeutung gemessen an Bevölkerungszahl und wirtschaftlichem Gewicht weit überragt", konstatiert MAGYAR NEMZET aus Ungarn.
Im australischen SYDNEY MORNING HERALD heißt es dazu: "Orban hat sich zu US-Präsident Trumps engstem Verbündeten in Europa entwickelt, gerade in einer Zeit, in der die europäischen Staats- und Regierungschefs frustriert über die Pläne des US-Präsidenten in Grönland, seine wechselnden Positionen in der Ukraine-Krise und seine verhaltene Unterstützung für die NATO sind. Die nächsten zwei Monate bis zur Wahl in Ungarn werden zeigen, wie weit Trump gehen wird, um einen Gesinnungsgenossen in Sachen Populismus an der Macht zu halten", meint der SYDNEY MORNING HERALD.
Für die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA ist Rubios Besuch eine kaum verhohlene Wahlkampfhilfe: "Umfragen zufolge befindet sich Orbáns Fidesz-Partei in einem erbitterten Kampf gegen die Opposition unter Führung von Péter Magyar und dessen liberaler Tisza-Partei. Die Wahrscheinlichkeit, dass Orbán sein Amt verliert, ist hoch. Rubio ging zwar nicht direkt auf die ungarischen Wahlen ein, um nicht der Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes beschuldigt zu werden, machte aber dennoch deutlich, dass eine Abwahl Orbáns für Trump unerwünscht sei", notiert die NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Die in Istanbul erscheinende CUMHURIYET ergänzt: "Auch wenn sich nicht vorhersagen lässt, ob Orbán mit dieser Unterstützung die Wahl gewinnen wird, ist durch diesen Besuch Rubios klar geworden, dass Ungarn ein Konfliktgebiet zwischen Trumps USA und der EU - beziehungsweise zwischen dem konservativen und dem liberalen Flügel des Westens - ist. Daher werden die Wahlen am 12. April für die regionalen Gleichgewichte von großer Bedeutung sein."
Die brasilianische Zeitung O GLOBO blickt noch einmal auf den Auftritt Rubios bei der Münchner Sicherheitskonferenz und vermutet dahinter eine persönliche Agenda: "Rubio erhielt viel Applaus in München. Das war ein deutlicher Kontrast zu den stummen Reaktionen nach der aggressiven Rede von Vizepräsident JD Vance ein Jahr zuvor. Rubio kristallisiert sich innerhalb der Republikaner immer deutlicher als Hauptrivale von Vance um die Nachfolge von Donald Trump heraus. Er steht für den Versuch, einen pragmatischeren und gemäßigteren Kurs einzuschlagen als Vance mit seiner radikalen Ideologie. Das könnte sich für die Republikaner bei den Wahlen 2028 als bessere Strategie erweisen", prophezeit O GLOBO aus Rio de Janeiro.
Die europäische Sicherheitspolitik ist auch nach Abschluss der Münchner Sicherheitskonferenz weiterhin Thema in den Kommentaren. AFTONBLADET aus Stockholm erinnert dabei an den Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor vier Jahren. "Diese vier Jahre haben Europa fast ebenso stark verändert wie die Ukraine selbst. In rasendem Tempo wurden Staatshaushalte umgeschichtet, um höhere Verteidigungsausgaben zu ermöglichen. Vor allem die Beziehungen zu den USA haben sich enorm verschlechtert, aber der Trump-Schock hat sich gelegt: Man arrangiert sich mit der veränderten Lage und geht zur Tat über. Das Leid der Ukrainer ist enorm, aber Russland hat seine Ziele nicht erreicht. Die 'Koalition der Willigen' aus 35 Ländern inklusive der Ukraine hat dagegen die Zeit nach dem Krieg im Blick - und das ist ein Zeichen der Hoffnung", findet die schwedische Zeitung AFTONBLADET.
Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT sieht Europa in einer gestärkten Position: "Einer der markantesten Momente in München war die unmissverständliche Erklärung der Europäischen Union, dass sie im Prozess der Beendigung des Ukraine-Kriegs nicht länger eine 'zweite Partei' sein wolle. Auch der chinesische Außenminister Wang Yi betonte ausdrücklich, wie wichtig es sei, dass Europa 'am Verhandlungstisch und nicht auf der Speisekarte' stehe, und unterstrich, dass die dominante Vermittlerrolle der USA in diesem Prozess inakzeptabel sei. Diese Botschaft fand in europäischen politischen Kreisen großen Anklang", hebt die in Baku erscheinende MÜSAVAT hervor.
Die japanische YOMIURI SHIMBUN verlangt von der eigenen Regierung Konsequenzen: "Die Münchener Sicherheitskonferenz zeigte einmal mehr den Graben zwischen Europa und den USA, die ihre Verantwortung für Bewahrung der regelbasierten internationalen Ordnung vernachlässigen. Die japanische Regierung sollte sich für den Wiederaufbau der Ordnung anstrengen, indem sie dem Prinzip der Rechtstaatlichkeit konsequent folgt. Berichten zufolge wird Japan die NATO, die die Waffen an die Ukraine liefert, nun finanziell unterstützen. Außerdem hat Japan durch die Entwicklung eines hochmodernen Kampfflugzeuges gemeinsam mit Großbritannien und Italien schon damit begonnen, seine sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Europa zu vertiefen. Wichtig ist die Ausweitung solcher Projekte mit den Europäern", zeigt sich YOMIURI SHIMBUN aus Tokio überzeugt.
In Norwegen blickt die Zeitung DAGSAVISEN auf das sogenannte Hansa-Abkommen mit Deutschland: "Norwegens Sicherheit wird dadurch gestärkt, denn es geht um zentrale Bereiche wie weltraumgestützte Überwachung, Operationen im Nordatlantik sowie die Rüstungsindustrie. So wird die europäische Zusammenarbeit Schritt für Schritt gestärkt und das ist auch richtig und wichtig so. Donald Trump und sein Regime werden nicht ewig im Amt bleiben, aber der Bruch zwischen den USA und Europa wird sich nicht so schnell wieder kitten lassen. In einer solchen Welt müssen wir unsere Freundschaften pflegen und wir können mit Erleichterung feststellen, dass unsere europäischen Freunde gerne mit uns zusammenarbeiten", bilanziert DAGSAVISEN aus Oslo.
Zum letzten Thema. In China beginnt heute das "Jahr des Pferdes". Im Vorfeld der Feierlichkeiten sorgte ein Plüsch-Pferd für Aufsehen, das durch einen Produktionsfehler statt eines freundlichen Lächelns ein trauriges Gesicht hat. Die in Peking erscheinende Tageszeitung XINJINGBAO kommentiert das so: "Wundersamerweise ist die ursprüngliche Produktionspanne zum Verkaufsschlager in China geworden. Dabei gibt es überhaupt keinen Grund, den Kopf gesenkt zu halten, sondern wir sollten vielmehr alle unsere Kraft in den 15. Fünfjahresplan der Regierung stecken. Das Pferd verkörpert sowohl Geschwindigkeit als auch Kraft und Ausdauer. Auch wenn das vergangene Jahr für manchen nicht leicht gewesen sein mag, sollte ein jeder nun die Zügel wieder fest in die Hand nehmen. Schließlich wird jede Anstrengung und Beharrlichkeit am Ende belohnt", glaubt XINJINGBAO aus China.
ZIYOU SHIBAO aus Taiwan schreibt: "Das Jahr des Pferdes ist der geeignete Anlass, sich von überholten Verhaltens- und Denkmustern zu verabschieden und unsere Kräfte und Ressourcen in die Verteidigung unseres Landes zu stecken. Nur so werden wir Pekings Drohgebärden und asymmetrischer Kriegsführung standhalten und das kommunistische Regime von seinen Annexionsplänen abhalten können. Das scheint die oppositionelle Kuomintang in Taiwan immer noch nicht begriffen zu haben, die sich nach wie vor der Illusion hingibt, man könnte China mit einem Kuschelkurs besänftigen. Mit Gesten der Unterwürfigkeit würden wir den Aggressor aber nur noch weiter ermutigen", zeigt sich die taiwanesische ZIYOU SHIBAO überzeugt.
