19. Februar 2026
Die internationale Presseschau

Deutschlandfunk, die Internationale Presseschau

Ukraine-Krieg: Verhandlungen in Genf. Das Foto zeigt die Verhandlungsführer
Ukraine-Krieg: Verhandlungen in Genf (dpa-news/Ukrainian National Security)
Heute mit Stimmen zum Machtwechsel in Peru, dem möglichen, vorzeitigen Rücktritt der Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Lagarde, und den Verhandlungen in Genf über ein Ende des Ukraine-Kriegs. Das Urteil der polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA über die Verhandlungsrunde in der Schweiz lautet: "Und wieder ein Fiasko". Die in Warschau erscheinende Zeitung geht davon aus, dass Russland gar nicht zu einem Kompromiss bereit ist - und macht das an einer Personalie fest: "Bekannt ist, dass die Atmosphäre am ersten Tag angespannt war und von Wladimir Medinski, dem Leiter der russischen Delegation, getrübt wurde. Er hatte bereits 2022 und 2025 die russischen Unterhändler in Istanbul angeführt und war für seine pseudohistorischen Tiraden bekannt geworden. Bei den ersten beiden Treffen in Abu Dhabi fehlte er. Sein nun erneutes Erscheinen als Delegationsleiter in Genf wurde als Zeichen für die verhärtete Position des Kremls interpretiert – und als Zeichen für die mangelnde Bereitschaft der Russen zu Kompromissen, die den Krieg beenden könnten", vermutet die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA.
Die slowakische Tageszeitung SME wirft US-Präsident Trump eine zu große Nähe zu russischen Positionen vor: "Dass der 'Abnutzungskrieg' bald in sein fünftes Jahr geht, ist eine traurige und fast hoffnungslose Perspektive. Für einen bedeutenden Fortschritt könnte es helfen, wenn US-Präsident Trump mehr Druck auf die Russen ausüben würde. Und zwar über das bisherige Maß hinaus", fordert SME aus Bratislava.
DER STANDARD aus Wien ist überzeugt, dass es Trump bei den Verhandlungen gar nicht wirklich um Frieden geht: "Anstatt erfahrene Diplomaten aus dem US-Außenministerium schickt Trump in seine 'Friedensverhandlungen' seit jeher den Anwalt und Immobilienentwickler Steve Witkoff und seinen Schwiegersohn Jared Kushner. Witkoff, Kushner und Trump scheinen gar nicht um Frieden, sondern rein ums eigene Geschäft zu verhandeln. Und zwar um das mit Russland. Die US-Unterstützung der von Russland geforderten Gebietsabtrennungen über die derzeitige Frontlinie hinaus lässt sich nur erklären, wenn am Ende eine lukrative Wirtschaftskooperation zwischen Russland und den USA – oder dem Trump-Clan – stehen soll", glaubt die österreichische Zeitung DER STANDARD.
Die russische Zeitung KOMMERSANT gibt sich etwas optimistischer und bemerkt, im Hintergrund hätten diesmal auch europäische Länder versucht, Einfluss zu gewinnen: "Die unerwartete Ankunft einer diplomatischen Delegation aus Sicherheitsberatern Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands und Italiens in Genf war ein weiterer indirekter Beweis dafür, dass die Verhandlungslatte diesmal höher gelegt wurde als bei den Gesprächen in Abu Dhabi. Der Versuch, die europäische Seite zum vierten - wenn nicht direkten - Teilnehmer der Gespräche zu machen, stellt allerdings eine neue Herausforderung für Moskau dar, das bisher darauf bestand, dass es am Verhandlungstisch keinen Platz für die 'europäische Kriegspartei' geben dürfe", notiert KOMMERSANT aus Moskau.
Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER glaubt, die schwache Position Europas - auch bei den Verhandlungen - an einer Person festmachen zu können und übt vor allem Kritik an NATO-Generalsekretär Rutte: "Schlimm ist, wie der NATO-Chef die Möglichkeiten der Europäer kleinredet, sich um ihre eigene Sicherheit zu kümmern. Wer glaube, Europa könne sich ohne die USA verteidigen, sei ein Träumer, behauptete Rutte vor dem Europaparlament. Das ist lächerlich. Wenn es um die grundlegenden wirtschaftlichen und technologischen Kapazitäten geht, sind wir definitiv stark genug. Wir müssen zügig Kapazitäten aufbauen, wo Ersatz für die USA nötig wird. Die NATO braucht einen Chef, der diesen Kurswechsel vollzieht. Sie kann sich keinen Chef leisten, der diese Möglichkeit mit einem Hohnlächeln abtut", lautet die Kritik der in Stockholm erscheinenden DAGENS NYHETER an Rutte.
Die italienische Zeitung LA REPUBBLICA schaut auf die ebenfalls in Genf stattfindenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran und spricht von "Zweimal schwarzem Rauch": "Das Weiße Haus wollte die Parallel-Verhandlungen in der Schweiz nutzen, um den Widerstand des Kremls und der Ayatollahs zu brechen. Beide Seiten unterbreiteten ihren Gegenparteien eine Flut großzügiger Angebote: einen für Moskau vorteilhaften territorialen Kompromiss im Donbass und eine Lockerung der Sanktionen für Teheran. Dies ließ Washington glauben, dass tatsächlich eine doppelte Wende bevorstehe. Doch innerhalb von zwölf Stunden brach das gesamte amerikanische Verhandlungsgebäude zusammen", so das Urteil der in Rom erscheinenden LA REPUBBLICA.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG kommentiert einen möglichen Rücktritt der Chefin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde. Es gibt Spekulationen, dass sie ihre eigentlich bis Oktober 2027 dauernde Amtszeit vorzeitig beenden will. Die NZZ begrüßt das und stellt zugleich Forderungen für einen möglichen Nachfolger auf: "Es ist an der Zeit für eine generelle Kurskorrektur bei der EZB. An der Spitze muss wieder ein Ökonom mit geldpolitischer Expertise stehen, völlig unabhängig von der Nationalität. Die Neue oder der Neue sollte den Mitgliedsländern ferner klar signalisieren, dass sie nicht mehr mit der nahezu bedingungslosen Schützenhilfe der EZB rechnen können. Dazu gehört auch, dass die Notenbank ihre implizite Forderung von Euro-Bonds einstellt. Die Finanzierung der EU ist Sache der Mitgliedsländer, nicht der Notenbank", appeliert die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG.
NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio sieht die Chance, dass Deutschland bei der möglichen Neubesetzung des Postens seinen Einfluss geltend machen kann: "Der Chefposten der EZB ist neben der Präsidentschaft der EU-Kommission eines der wichtigsten Ämter in Europa. Für Deutschland wäre damit endlich eine Chance gekommen, zum ersten Mal den ersehnten Posten der EZB-Spitze zu bekommen. Allerdings gibt es bereits kritische Stimmen, auch innerhalb der Zentralbank, dass Deutschland zu viele wichtige Posten besetzt", analysiert NIHON KEIZAI SHIMBUN.
In Peru ist der linksgerichtete Politiker Balcazar vom Parlament zum Interims-Präsidenten gewählt worden. Sein Vorgänger Jeri war nach nur vier Monaten im Amt wegen Korruptionsvorwürfen abgesetzt worden. Die kolumbianische Zeitung EL TIEMPO sieht darin eine verhängnisvolle Tradition in dem südamerikanischen Land: "Die Apathie der Bevölkerung, die Glaubwürdigkeitskrise des Systems, ein nicht legitimiertes Parlament und unzählige Fälle von Korruption haben dazu geführt, dass unser Nachbarland in zehn Jahren nicht weniger als acht Präsidenten hatte. Peru hat relativ stabile makroökonomische Zahlen und das gilt als einer der Gründe, warum die politische Instabilität nicht zu noch größeren Verwerfungen geführt hat. Aber die Bevölkerung darf sich nicht an diesen Zustand gewöhnen: Politik und Wirtschaft sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Kollabiert eine davon, bricht irgendwann das ganze System zusammen", mahnt EL TIEMPO aus Bogotá.
Die peruanische Zeitung EL COMERCIO übt dagegen scharfe Kritik an dem Machtwechsel und speziell an Übergangspräsident Balcázar: "Das Parlament hat einen historischen und unverzeihlichen Fehler begangen. Die Parlamentarier haben einen Mann an die Macht befördert, dessen Äußerungen und Überzeugungen völlig inkompatibel mit demokratischen Prinzipien und fundamentalen Menschenrechten sind. Die Geschichte wird diejenigen verurteilen, die den bisherigen Präsidenten José Jerí nur abgesetzt haben, statt ihn vor Gericht zu bringen, ebenso diejenigen, die Balcázar an die Macht gebracht haben. Seine einzige Aufgabe muss jetzt darin bestehen, transparente Wahlen durchzuführen und bis dahin den wirtschaftlichen Kurs des Landes unverändert zu lassen."