
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY schreibt: "In einer regional sehr angespannten Situation propagiert Trump seinen sogenannten 'Friedensrat' für Gaza. Gleichzeitig geht Israel in dem Gebiet weiter mit großer Aggressivität vor, während es im Westjordanland immer weitere Gebiete annektiert. Außerdem eskaliert das Land zusammen mit den USA die Kriegsrhetorik gegen den Iran. Dies ist ein eklatanter Widerspruch zum Anspruch des Rates, angeblich Frieden erreichen zu wollen. Da sich weder regional noch international Stimmen gegen diese Politik erheben, wird der Weg für eine politische Lösung zunehmend enger. Die Frage ist, welche Art von Frieden Trumps Rat unter diesen Umständen erreichen will", heißt es in AL QUDS AL-ARABY aus London.
Dem Rat beigetreten ist Pakistan. Die in Lahore erscheinende Zeitung DAILY TIMES zweifelt an dem Gremium: "Kernfragen zum Gazastreifen bleiben ungelöst. Wer wird dort regieren? Was geschieht mit den bewaffneten Gruppen und wie werden die Grundbedürfnisse der Menschen erfüllt? Ein Wiederaufbauprojekt, das die Palästinenser als reine Nutznießer und nicht als Beteiligte behandelt, ist kein Friedensplan. Pakistan sollte am Verhandlungstisch bleiben, aber es muss seinen Platz als Druckmittel nutzen."
Die spanische Zeitung LA VANGUARDIA aus Barcelona bemerkt: "Der Friedensrat verfügt über mehrere Milliarden Dollar, aber ihre Verwendung - ob nun für humanitäre Hilfe oder für den Wiederaufbau in Gaza - kann nur in enger Absprache mit Israel erfolgen, das die Grenzübergänge und den Luftraum kontrolliert. Die Legitimität dieses Gremiums wird künftig davon abhängen, ob es ihm gelingt, einen wirksamen Waffenstillstand für den Gazastreifen zu erreichen und die Palästinenser politisch einzubeziehen."
Zum nächsten Thema. In Indien haben sich Politiker und Experten zu einem KI-Gipfel getroffen. Die TIMES OF INDIA aus Mumbai erläutert: "Jeder globale KI-Gipfel endet mit einer Erklärung zu Leitwerten. Indiens neuestes Mantra lautet: moralisch, verantwortungsbewusst, national, verfügbar und valide. Das ist ein lobenswertes Ziel, aber die Realität des KI-Marktes macht es schwer, das in die Praxis umzusetzen. Diese Realität wurde gestern auf dem Gipfel deutlich, als Anthropic-Chef Dario Amodei und sein Rivale Sam Altman von OpenAI sich weigerten, für die Kamera Hände zu schütteln. Seien wir ehrlich: KI entwickelt sich in einem harten Wettbewerb. Keiner der großen Namen hat Einnahmen, die seine stratosphärische Bewertung rechtfertigen würden", erinnert die TIMES OF INDIA.
Die Zeitung ZHONGGUO SHIBAO aus Taiwan nimmt die Rede des indischen Regierungschefs Modi in den Blick: "Er trifft den Zeitgeist, wenn er KI von einem exklusiven Vorrecht weniger Technologiegiganten zu einem Instrument zur Lösung sozioökonomischer Probleme des Globalen Südens machen will. Indien lehnt die vollständige staatliche Überwachung nach chinesischem Vorbild ab, übernimmt aber auch nicht den amerikanischen Laissez-faire-Ansatz. Einfach wird der Weg jedoch nicht sein. Indien selbst ist mit strukturellen Engpässen bei Energie- und Wasserressourcen sowie der Abwanderung hochqualifizierter Talente konfrontiert. Zudem verfolgen die Länder des Globalen Südens ihre eigenen Interessen", konstatiert ZHONGGUO SHIBAO aus Taipeh.
Die türkische Zeitung MUHALIF aus Istanbul sieht in Zusammenhang mit KI eine neue Gefahr: Digitalen Faschismus. "Er nutzt Massenüberwachung, ethisch unmoralische Experimente an Menschen sowie Propaganda und Zensur. Mit dem technologischen Fortschritt kommen neue Kontrollmittel in die Hände faschistischer Staaten und Diktatoren. Für alle, die an die Demokratie glauben, ist es an der Zeit, vorsichtiger zu sein, Warnungen auszusprechen und zu handeln."
In einer Kolumne in der US-Zeitung THE PHILADELPHIA INQUIERER ist zu lesen: "Wir sollten den Einsatz von KI fördern, der der Gesellschaft zugute kommt – beispielsweise bei der Diagnose kranker Patienten und der Entwicklung von Medikamenten zu ihrer Heilung –, aber gleichzeitig diejenigen Aspekte der KI regulieren oder verbieten, die das Leben verschlechtern. Das liegt zum Teil in der Verantwortung der Politiker, aber auch in unserer. Gesellschaftliche Trends wie das Aufkommen des 'Nachbarschaftsgedankens' – Fremde bilden neue Gemeinschaften, um den Faschismus von Einwanderungsrazzien zurückzudrängen – oder ein Anstieg der Gewerkschaftsmitgliedschaften sind gesunde Anzeichen dafür, dass die Amerikaner endlich genug davon haben, dass die Technologie uns auseinander treibt. Der Kampf gegen den Autoritarismus einer unkontrollierten und oft unerwünschten KI ist die Schlacht des 21. Jahrhunderts, die noch lange nach dem Sieg über den politischen Autoritarismus in Trumps Vereinigten Staaten und anderswo weitergeführt werden wird", glaubt der Kolumnist des PHILADELPHIA INQUIERER.
Gestern wurde der ehemalige britische Prinz Andrew Mountbatten-Windsor vorübergehend festgenommen. Der DAILY TELEGRAPH aus London ist überzeugt: "Es ist der schlimmste Moment für die Monarchie seit fast 400 Jahren. Keine Scheidung, kein Rücktritt, keine außerehelichen Affären der Vergangenheit kommen dem auch nur annähernd gleich. Selbst die Abdankung von Edward dem Achten, die zu ihrer Zeit so skandalös war, verblasst angesichts des Anblicks eines Mannes, der als Prinz geboren wurde und nun auf einer Polizeiwache sitzen musste."
Die Zeitung THE AUSTRALIAN aus Sydney fasst zusammen: "Als der ehemalige Prinz als eine Art Handelsgesandter um die Welt reiste, wurde dies als Entgegenkommen der Regierung gegenüber der Monarchie angesehen. Sie gab Andrew eine Aufgabe, indem sie britische Interessen förderte. Aber wie die E-Mails von Epstein angeblich zeigen, vertrat er seine eigenen Interessen und die seiner Freunde. Sollte sich herausstellen, dass Andrew vertrauliche Informationen der Regierung weitergegeben hat, käme dies Insiderhandel gleich. Aus diesem Grund ermittelt die Polizei nun wegen Amtsmissbrauchs gegen ihn. Andrew hat wiederholt jegliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein bestritten. Aber er wird nun viele Fragen zu beantworten haben und sich einer intensiven öffentlichen Kontrolle stellen müssen, wenn er angeklagt wird", betont die Zeitung THE AUSTRALIAN.
Die schwedische Zeitung EXPRESSEN hebt hervor: "Man kann sich auch fragen, warum Mountbatten-Windsor 2001 von Tony Blair zum britischen Handelsvertreter ernannt wurde. Ein eingebildeter, luxusliebender Mann, der sich schmeicheln ließ, sich über moralische Gesetze erhob, gleichzeitig aber auch weniger Geld als die meisten Mogule hatte - das musste zwangsläufig schiefgehen. Es war klug, dass König Charles bereits handelte, bevor die große Flut an Epstein-Dokumenten hereinbrach, indem er seinem Bruder so gut wie alles nahm, vom Titel und dem königlichen Status bis zu seinem Domizil Royal Lodge. Er hat seinen Bruder geopfert, um die Krone zu schützen", analysiert EXPRESSEN aus Stockholm.
Zum Abschluss noch ein Kommentar aus Simbabwe. Die Zeitung THE CHRONICLE aus der Stadt Bulawayo begrüßt es, dass die Europäische Union ihre Sanktionen gegen das Land teilweise aufgehoben hat. "Die Beziehungen zwischen Simbabwe und der EU haben sich deutlich verbessert. Im vergangenen Jahr gab es zum ersten Mal ein gemeinsames Wirtschaftsforum in Harare. Simbabwes Initiative für neue Beziehungen mit dem Motto 'Für alle ein Freund, für niemanden ein Feind' trägt Früchte. Dies hat zu besseren Kontakten zu vielen Ländern auf der ganzen Welt geführt, die nun entweder mit uns Geschäfte machen oder in unserem Land investieren wollen, um von unseren reichhaltigen natürlichen Ressourcen zu profitieren."
