21. Februar 2026
Die internationale Presseschau

Thema in den Zeitungen ist auch heute die vorübergehende Festnahme des ehemaligen britischen Prinzen Andrew. Außerdem geht es um das angespannte deutsch-französische Verhältnis. Zunächst aber zur Entscheidung des Obersten Gerichtshofes der USA zur Zollpolitik von Präsident Trump.

US-Präsident Donald Trump steht an einem Rednerpult an einem Mikrofon und hält eine Tafel, auf der die Zölle für verschiedene Länder festgehalten sind.
Thema in den Zeitungen: Das Urteil des Supreme Court zur Zollpolitik von US-Präsident Trump (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Mark Schiefelbein)
POLITIKEN aus Dänemark meint: "Die Botschaft des Supreme Court an das Weiße Haus war eindeutig: Ein US-Präsident darf nicht ohne den Kongress Zölle einführen, um andere Länder zu bestrafen. Damit wird das Fundament der Außen- und Handelspolitik erschüttert, die Trump seit Beginn seiner zweiten Amtszeit verfolgt: Schließlich hat er selbst Zölle als das wichtigste Element seiner Politik bezeichnet. Noch schlimmer wird es für Trump dadurch, dass die Entscheidung des Supreme Court sechs zu drei ausfiel. Er kann also nicht mehr damit rechnen, dass die konservative Mehrheit unter den Richtern automatisch zu seinem Vorteil gereicht", hält POLITIKEN aus Kopenhagen fest.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG kommentiert: "Der Supreme Court widerlegt all jene Stimmen, die behaupteten, die USA würden sich unter Donald Trump zu einer Diktatur entwickeln. Die Gewaltenteilung ist intakt. Für Trump bedeutet dies ohne Zweifel eine schwere, wenn nicht gar die schwerste Niederlage seit Beginn seiner zweiten Amtszeit. Er hat bei der Einführung der Zölle schwere taktische Fehler begangen. Willkürlich wirkte bereits die Höhe der Zolltarife. Warum zum Beispiel die Schweizer Exporte anfänglich mit einem Tarif von 39 Prozent belegt wurden, war mit keinerlei vernünftigen Argumenten zu erklären", heißt es in der NZZ aus der Schweiz.
NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio bilanziert: "Trump hat mit seiner Zollpolitik eine totale Niederlage erlitten. Durch ihre Handelspolitik haben die USA das Vertrauen in ihre Rolle als weltweiter Anführer verloren. Viele Länder wollen mittlerweile ihre Abhängigkeit von Washington reduzieren. Japan ist derzeit offenbar der einzige Staat, der die mit Trump vereinbarten Investitionen in den USA ganz brav umsetzt."
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO aus Schanghai gibt zu bedenken: "Die klagenden US-Unternehmen haben zwar den Prozess gewonnen, doch ob und wann sie ihre Aufwendungen für die erhobenen Importzölle zurückerhalten, steht in den Sternen. Und Präsident Trump wird sein Zoll-Spiel gewiss auf einem anderen Weg weitertreiben."
THE GLOBE AND MAIL aus dem kanadischen Toronto unterstreicht: "Trumps Niederlage vor dem höchsten US-Gericht bedeutet vorläufig nicht viel. Die Regierung wird die Zölle wohl rasch auf anderem Wege wieder einführen. Langfristig allerdings werden sich Risse in Trumps Agenda zeigen. Das Urteil weist seiner Außenpolitik Grenzen auf und es zeigt, dass die Verfassung in den USA noch lebt."
Das WALL STREET JOURNAL bemerkt zur Reaktion Trumps auf das Urteil: "Der Präsident schuldet dem Obersten Gerichtshof eine Entschuldigung - den einzelnen Richtern, die er am Freitag diffamiert hat, und der Institution selbst. Auch andere Präsidenten haben den Gerichtshof kritisiert, wenn ihnen ein Urteil nicht gefallen hat. Aber Trump hat die Richter, die gegen ihn gestimmt haben, als Verräter beschimpft, die von ausländischen Akteuren gekauft worden seien. Das ist selbst für Trumps Verhältnisse übel. Der Fehler liegt nicht bei den Richtern, sondern bei seiner eigenen Zollbesessenheit", findet das WALL STREET JOURNAL aus New York. Und damit zum nächsten Thema.
Die französische Zeitung LE MONDE befasst sich mit dem Stand der deutsch-französischen Beziehungen. Anlass ist das gemeinsame Rüstungsprojekt FCAS, das zu scheitern droht. "Frankreich und Deutschland werfen sich nun gegenseitig vor, für das drohende Aus des Kampfflugzeugprojekts verantwortlich zu sein. Das veranschaulicht die aktuelle deutsch-französische Krise. Paris hatte große Hoffnungen in den deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz gesetzt. Nach Jahren des Unverständnisses zwischen Emmanuel Macron und dem Sozialdemokraten Olaf Scholz sah Paris den Machtantritt des Konservativen Friedrich Merz als historische Chance für die Erneuerung eines von Amerika verlassenen Europas. Weniger als ein Jahr später kommt die kalte Dusche. Frankreich und Deutschland scheinen sich nicht mehr zu verstehen und nicht einmal mehr zu versuchen, sich zu verstehen. Es ist jedoch unerlässlich, aus dieser schwierigen Lage herauszukommen. In einem Europa, das Donald Trump und Wladimir Putin zu spalten träumen, haben Frankreich und Deutschland kaum eine Wahl: Sie sind gezwungen, sich anzunähern, und zwar schnell", fordert die Zeitung LE MONDE, die in Paris erscheint.
Das ägyptische Wochenmagazin AL-AHRAM WEEKLY blickt zurück auf die Münchner Sicherheitskonferenz und lobt insbesondere die Rede von Bundeskanzler Merz: "In den Fluren und Sälen der Konferenz herrschte das Gefühl, dass etwas Grundlegenderes als politische Meinungsverschiedenheiten im Gange sei. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz fasste diese Stimmung bei der Eröffnung der Konferenz gut zusammen. Er sprach eine Warnung aus, wonach die regelbasierte internationale Ordnung nicht mehr existiert. Und er forderte die Europäer auf, sich auf Opfer in einer, wie er es nannte, härteren Ära vorzubereiten, die von Großmachtpolitik geprägt sei. Eine solche Formulierung ist wichtig. Selten erklären Staats- und Regierungschefs offen, dass genau das System, das ihre Regierungen jahrzehntelang verteidigt haben, untergraben wird", hebt AL-AHRAM WEEKLY aus Kairo hervor.
Das SVENSKA DAGBLADET aus Stockholm schreibt mit Blick auf das transatlantische Verhältnis: "US-Außenminister Marco Rubio wählte in seiner Rede in München zwar etwas diplomatischere Worte als Vize J.D. Vance vor einem Jahr. Aber die Trump-Regierung strebt eine geschwächte EU an. Durch einen Leak wissen wir, dass man in Washington Österreich, Ungarn, Polen und Italien für Länder hält, die man zum Verlassen der EU bewegen könnte. So verhält sich kein zuverlässiger Verbündeter".
Themenwechsel. Die vorübergehende Festnahme des britischen Prinzen Andrew ist Thema in vielen Zeitungen. Die türkische Zeitung HÜRRIYET notiert: "Andrew wird vorgeworfen, sensible britische Geschäftsinformationen mit Epstein geteilt zu haben, als Andrew britischer Handelsbotschafter war. Neue Dokumente enthüllen außerdem, dass der ehemalige Prinz auch Affären mit anderen jungen Frauen hatte. Das alles hat eine unglaubliche Unruhe in der britischen Gesellschaft ausgelöst, die sowohl der königlichen Familie als auch der Regierung schaden könnte", glaubt HÜRRIYET aus Istanbul.
"Alles an dieser Sache ist beispiellos", lesen wir im GUARDIAN aus Nigeria. "Andrew Mountbatten-Windsor ist der erste hochrangige Royal in der modernen Geschichte, der festgenommen wurde. Die gesamte Monarchie ist nun in Gefahr."
Die BANGKOK POST aus Thailand sieht es ähnlich: "Die Auswirkungen dieses Skandals auf das Fortbestehen der britischen Monarchie können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der Skandal hat die Kluft zwischen den Generationen in Bezug auf die Unterstützung für die Institution vertieft. Letztendlich hängt das Überleben der Monarchie von ihrer Fähigkeit ab, echtes Mitgefühl für die Überlebenden zu zeigen und sich zu einer Rechtsstaatlichkeit zu bekennen, die über die Loyalität zur Familie hinausgeht."
Der britische DAILY TELEGRAPH wendet hingegen ein. "Wie kommt es, dass Andrew bislang die einzige Person ist, die im Zusammenhang mit den Epstein-Akten festgenommen wurde? Ein Grund dafür ist natürlich, dass alles, was mit dem Königshaus zu tun hat – ob gut oder schlecht –, die Aufmerksamkeit der internationalen Medien auf sich zieht. Aber die Verfolgung von Andrew lenkt auch von den Politikern, Beamten, Milliardären und Intellektuellen ab, die in Epsteins hässlichem Zirkus mitgespielt haben. König Charles hat es so formuliert: 'Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen.' Aber dieser Lauf muss weit mehr als nur einen Mann umfassen", befindet der DAILY TELEGRAPH, der in London erscheint. Mit diesem Kommentar endet die Presseschau.