
"Der Krieg hat nun die Phase der 'sauberen militärischen Ziele' überschritten, da die Angriffe auch die Zivilbevölkerung betreffen", lesen wir in der türkischen Zeitung SABAH. "US-Präsident Trump verfolgt mit dieser Eskalation sowohl ein strategisches als auch ein politisches Kalkül. Vor den Zwischenwahlen im November strebt er ein Ergebnis an, das als Sieg vermarktet werden kann. Er will sich als starker Führer präsentieren. Doch der Iran ist nicht Venezuela. Aufgrund seiner geografischen Lage, seiner Bevölkerungszahl, seines Stellvertreternetzwerks und seiner nuklearen Schwelle ist das Land weitaus widerstandsfähiger", unterstreicht SABAH aus Istanbul.
Die chilenische Zeitung LA TERCERA aus Santiago de Chile sieht schlechte Karten für Trump und seine Partei. "Der Krieg ist erneut entbrannt. Als unvermeidliche Folge steigen die Ölpreise wieder. Experten warnen vor einem lange anhaltenden Konflikt, was schwerwiegende Folgen für den US-Präsidenten haben könnte: Falls die Auswirkungen des Krieges auf die Wirtschaft anhalten, droht den US-Republikanern bei den Zwischenwahlen eine heftige Niederlage."
Auch die italienische CORRIERE DELLA SERA kommentiert die Außenpolitik des US-Präsidenten. "Nach den leeren Versprechungen in der Ukraine, nach den trügerischen Plänen für den Gazastreifen, die im Sande verliefen, erleben wir nun ein weiteres Scheitern Trumps. Der Angriff auf den Iran hat uns vor Augen geführt, wie die große amerikanische Militärmacht von den Iranern durch die Sperrung einer kleinen Meerenge in die Ecke getrieben werden kann. Der US-Präsident hat die Vorstellung salonfähig gemacht, dass Krieg ein normales Instrument zur Lösung von Konflikten sein kann. Dass man ihn ohne allzu große Probleme einsetzen kann, ungeachtet der Opfer und der internationalen Regeln. Manchmal scheint es, als mache Trump der Krieg Spaß; als würde er mit der Playstation spielen und Videos verbreiten, um zu zeigen, wie stark er ist." Soweit CORRIERE DELLA SERA aus Mailand.
Der Gastkommentator in ASAHI SHIMBUN aus Tokio zieht diese Bilanz: "Aus iranischer Sicht hat durch den Krieg ein 'geopolitischer Reset' stattgefunden, der dem Iran quasi eine neue Straße von Hormus bescherte."
In diesem Zusammenhang blickt der schwedische GÖTEBORGS-POSTEN auf den Öresund-Kanal - die Meeresenge zwischen Schweden und Dänemark. "Auch wir haben eine Straße von Hormus. Vor der schwedischen Küste transportiert die russische Schattenflotte Öl in schrottreifen Tankern und verüben Schiffe unter fremder Flagge Sabotageakte an Unterseekabeln. Fast die Hälfte der russischen Ölexporte per Schiff verläuft über die Ostsee. Das könnten wir verhindern, und das wäre ein Ass im Ärmel für Schweden. Aber es würde uns auch zum möglichen Ziel machen", überlegt GÖTEBORGS-POSTEN.
Die Kriegstaktiken Russlands und der Ukraine beschäftigen die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT aus Baku. "Die jüngsten Meldungen zur Lage in Russland deuten darauf hin, dass das militärische und wirtschaftliche Potenzial nicht mehr stabil ist. Die neue Taktik der Ukraine, gegen die russische Energieinfrastruktur vorzugehen, bereitet Russland zunehmend Probleme. Daher ist es denkbar, dass der Kreml versucht, die Schwächung des Militärpotenzials durch nukleare Drohungen zu kompensieren."
In der Ukraine haben am Wochenende erneut tausende Demonstranten die Wiedereinsetzung des entlassenen Verteidigungsministers Fedorow gefordert. Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO aus Shanghai meint: "Blickt man hinter die Kulissen, ging es bei der Entlassung um den Konflikt zwischen zwei verschiedenen Kriegsstrategien. Der junge Fedorow setzte auf den Ausbau der neuerdings erfolgreichen Drohnenarmee. Der erfahrene Generalbefehlshaber Syrskyj hingegen ist ein Befürworter der konventionellen Bodentruppen."
Nun zum Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn. In der niederländischen Zeitung DE VOLKSKRANT heißt es: "Es war wohl kein Zufall, dass Daniel Peters, Spitzenkandidat der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, einer der ersten CDU-Politiker war, der Spahns Rücktritt forderte. Bei den Landtagswahlen im September droht der CDU eine schwere Niederlage gegen die AfD. Spahns Vorgehen passt genau in den AfD-Diskurs über eine Elite, die sich über die Regeln erhebt, die für andere gelten sollen."
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG schreibt: "Mangelnde Glaubwürdigkeit ist kein Problem des geschassten Fraktionsvorsitzenden allein. Sie betrifft die gesamte Union. Im Wahlkampf lehnte Merz neue Schulden ab und sprach davon, dass man den Kindern nicht immer mehr Lasten hinterlassen dürfe. Nach der Wahl gab es eine regelrechte Schuldenorgie. Im Wahlkampf versprach die Union noch einen schlanken Staat und Steuersenkungen. Bekommen haben die Bürger das Gegenteil: minimale Entlastungen. Die Liste ließe sich fortführen. Merz hat schon recht: Die banalste Anforderung an Politiker bleibt, dass sie nach ihren Worten handeln müssen. Nur hängt dieses Problem inzwischen seiner ganzen Partei an." Sie hörten die NZZ aus der Schweiz.
Abschließend zum Sieg Spaniens bei der Fußball-WM. "Spanien hat sich als Fußballnation wohl das erfolgreichste System aufgebaut, das es je gegeben hat", lobt die australische Zeitung SYDNEY MORNING HERALD. "Die Methodik ist nahezu makellos. Argentinien hingegen war über Jahre hinweg ein Team, das ganz auf Messi ausgerichtet war. Taktisch, physisch und mental. Aber eine Strategie, die so stark auf einen Einzelnen zugeschnitten ist, stößt gegen eine perfekt eingespielte Mannschaft irgendwann an ihre Grenzen."
"Wir wurden Zeuge eines peinlichen Versuchs, den Fußball zu amerikanisieren", analysiert die polnische RZECZPOSPOLITA. "Ansätze dazu hatte man bereits bei früheren Spielen gesehen, doch nun ging die FIFA in Zusammenarbeit mit den Amerikanern noch einen Schritt weiter. Um den Stars Auftritte zu ermöglichen, wurde die Halbzeitpause von 15 auf 27 Minuten verlängert. In Amerika entstand der Eindruck, dass der Fußball – eine Sportart, die dort nach wie vor nicht verstanden wird – lediglich als Begleitung für künstlerische Darbietungen diente. Es ist gut, dass Spanien den Fußball gerettet hat", betont die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
"Der Fußball kann nicht mehr so tun, als existiere er jenseits der Politik", stellt auch die kolumbianische Zeitung EL TIEMPO fest. "Der umstrittenste Vorfall war sicherlich die Aufhebung der Sperre gegen den US-Amerikaner Balogun, die Trump für sich reklamierte. Die beunruhigende Botschaft lautet, dass nicht einmal die höchste Instanz des Weltfußballs immun gegen politischen Druck ist. Wenn diese WM etwas gezeigt hat, dann ist es, dass Fußball auch in Zukunft weit mehr als nur ein Sport sein wird. Aber er braucht unabhängige Institutionen, die sich zu guter Führung und Transparenz verpflichten", rät EL TIEMPO, die in Bogotá erscheint.
In der spanischen EL PAÍS geht es um mehr als die sportliche Leistung an sich: "Albert Camus, der in seiner Jugend Torwart beim Racing Universitario in Algier war, sagte einmal, dass er alles, was er über Moral wisse, auf dem Fußballplatz gelernt habe. Im Erfolg Spaniens lässt sich mehr als nur ein sportlicher Triumph erkennen. Es gibt da etwas, das vielleicht nicht unbedingt moralisch, aber dennoch vorbildlich ist – aufgrund der Reife der Mannschaft und ihrer Art, den Wettkampf zu bestreiten. Sie spiegelt ein offenes und selbstbewusstes Land wider. Ein Land, das sich aus unterschiedlichen Herkunftsorten und Lebenswegen zusammensetzt. Es ist ein wertvolles Bild in einer Zeit, in der sich Diskurse oft um Ausgrenzung drehen. Keine Nationalmannschaft allein kann die Spaltungen einer Gesellschaft überwinden, aber sie bietet einen Spiegel, in dem sich ein Land zumindest für einen Augenblick wiedererkennen kann."
