
Die polnische GAZETA WYBORCZA meint: "Die Huthi sind für den Iran ein hervorragendes Instrument der asymmetrischen Kriegsführung: Sie sind in der Lage, die Intensität ihrer Angriffe über Monate oder gar Jahre hinweg zu steuern und der Weltwirtschaft so enorme Kosten aufzubürden – mit minimalem Aufwand. Pro-iranische Milizen könnten Schiffe auch außerhalb des Persischen Golfs bedrohen. Die iranischen Revolutionsgarden bauen ihre Langstreckendrohnen aus, die Ziele in Hunderten Kilometern Entfernung von der iranischen Küste treffen können. Damit weiten sie die Gefahrenzone weit über den Persischen Golf hinaus auf das Arabische Meer und den Indischen Ozean aus", befürchtet die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
"Die Erklärung der Huthis ist kein weiterer Akt revolutionären Theaters. Es ist der jüngste iranische Versuch, die strategische Geduld Saudi-Arabiens durch einen seiner fähigsten Stellvertreter auf die Probe zu stellen. Das ist ein gefährliches Spiel", heißt es in einem Gastkommentar im Online-Auftritt des katarischen Fernsehsenders AL-JAZEERA. Und weiter: "Sollte Teheran die Huthis weiterhin als Druckmittel gegen Saudi-Arabien einsetzen, könnte Riad zu dem Schluss kommen, dass die Kosten der Zurückhaltung die Kosten entschlossener Maßnahmen übersteigen. Sollte dieser Moment eintreten, wird die darauf folgende Offensive kaum Ähnlichkeiten mit dem Jemen-Krieg vor einem Jahrzehnt haben. Der Iran und die Huthis könnten es dann bereuen, die Grenzen der strategischen Geduld Saudi-Arabiens auf die Probe gestellt zu haben."
Die chinesische Tageszeitung WENHUIBAO aus Schanghai analysiert: "Die jüngste Drohung der Huthi-Miliz ist eine Reaktion auf Luftangriffe, die dem Flughafen der Hauptstadt Sanaa in dem von ihnen kontrollierten Teil des Jemens galten. Fraglich ist, ob sie wirklich diese Verkehrsader abriegeln können, über die 75 Prozent der Ölexporte von Saudi-Arabien abgewickelt werden. Käme es zu einer doppelten Blockade der Straße von Hormus und dieses alternativen Seewegs, würde ein Viertel der weltweiten Erdölversorgung wegfallen. Daher wird schon allein diese Ankündigung die Weltmarktpreise weiter in die Höhe treiben."
Die australische Zeitung THE AGE kommentiert die Aussage von US-Präsident Trump, sich um das Rote Meer zu kümmern: "Die USA haben sich schon so erfolgreich um die Straße von Hormus 'gekümmert', dass derzeit nur noch eine Handvoll Tanker täglich die Passage wagt. Trumps jüngste Aussagen zeigen, dass er Erfolg und Sieg offenbar anders definiert als die meisten anderen. Jeder Tag, an dem die beiden Meerengen geschlossen sind und die Preise für Öl und raffinierte Erdölprodukte hoch bleiben, macht immer deutlicher, wie erfolglos und demütigend der US-amerikanische Militäreinsatz ist und wie hoch seine Kosten sind - nicht nur für die USA, sondern für die ganze Welt", konstatiert THE AGE aus Melbourne.
Themenwechsel. In Norwegen wird heute an die Terroranschläge in Oslo und auf der Insel Utøya vor 15 Jahren erinnert. Der Rechtsterrorist Anders Breivik hatte 77 Menschen getötet. Die norwegische Zeitung VERDENS GANG überlegt: "Wir wissen nicht, wie Norwegen ohne den Terror vom 22. Juli 2011 heute aussehen würde. 15 Jahre nach diesem finstersten aller Tage müssen wir aufstehen und einander daran erinnern, was auf dem Spiel steht, was wir bekämpfen, aber auch beschützen müssen. Der 22. Juli ist immer noch die brutale Realität für diejenigen, die damals mittendrin standen. Für manche Überlebende und Angehörige steht die Zeit noch immer still, ist das Leben stehen geblieben. Wir anderen tragen die Verantwortung, die dunklen Kräfte niederzuringen und jeder auf seine Weise dazu beizutragen, dass die Gesellschaft und die Demokratie weiterticken können", betont VERDENS GANG aus Oslo.
Die Zeitung DAGBLADET, die ebenfalls in Oslo erscheint, legt einen anderen Fokus: "Die Ideen, mit denen Breivik seine Handlungen begründete, sind immer noch im Umlauf und finden schnellere Verbreitung als je zuvor. Auf TikTok grassieren abstoßende Memes zum 22. Juli. Der Polizei zufolge gibt es mehr radikalisierte Jungen zwischen 12 und 17. Sie werden meistens über soziale Medien rekrutiert. Falls wir die Geschichte nicht weitertragen, werden andere versuchen, sie umzuschreiben. Wenn Algorithmen den Ton angeben, kann der Ernst der Geschichte für eine Generation verloren gehen, die die Anschläge nicht selber erlebt hat. Wenn Terrorismus zur Unterhaltung und ein Massenmörder auf ein Meme reduziert wird, ist das ein Zeichen dafür, dass der Abstand zu den Ereignissen zu groß geworden ist und die Geschichte nicht mehr verstanden wird", moniert DAGBLADET.
Die schwedische Zeitung AFTONBLADET zieht Lehren aus den Terroranschlägen im Nachbarland: "Rassismus und Hetze gegen Minderheiten werden nicht nur an den Tagen zum gesellschaftlichen Problem, an denen sie in blindwütige Gewalt umschlagen. Sie vergiften jeden Tag unsere Gesellschaft, schränken Handlungsspielräume ein und schüren Hoffnungslosigkeit. Sie machen unser Leben ganz einfach ärmer. Der 22. Juli 2011 hat die meisten Schweden tief getroffen. Es gab Zeit für tröstende, einigende Worte. Aber wer die Opfer eines rassistischen rechtsextremistischen Anschlags ehren will, muss auch Klartext sprechen: Heute ist an der schwedischen Regierung eine radikalisierte Rechte beteiligt, die von Rassismus angetrieben wird. Das ist ein - im Wortsinne - lebensgefährlicher Trend, dem wir uns vor und bei den Parlamentswahlen im September entgegenstellen müssen“, schreibt AFTONBLADET aus Stockholm.
Nun zur Außenpolitik des neuen britischen Premierministers Burnham. Die japanische Tageszeitung YOMIURI SHIMBUN kommentiert: "Es ist enttäuschend, dass Burnham sich in seiner Amtsantrittsrede kaum zur Außenpolitik geäußert hat. Sein Vorgänger Starmer war ein starker Anführer für die militärische Hilfe für die Ukraine. Burnham kündigte an, die Beziehungen zur Europäischen Union verbessern zu wollen. Diesen Worten sollte er Taten folgen lassen. Donald Trump missachtet die internationale Zusammenarbeit. Deshalb wird die Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und Japan beim Freihandel und bei der Verteidigung immer wichtiger. Gemeinsam mit Italien entwickeln die beiden Staaten einen Kampfjet der nächsten Generation. Auch nach dem Regierungswechsel in London muss das trinationale Rüstungsprojekt vorangetrieben werden", fordert YOMIURI SHIMBUN aus Tokio.
Auch die türkische Tageszeitung HÜRRIYET schaut auf Großbritanniens künftige Rolle in der Welt: "Noch ist unklar, wie Burnham mit US-Präsident Trump umgehen wird. Trump hatte den zurückgetretenen Premier Starmer wegen fehlender Unterstützung im Iran-Krieg kritisiert. Beim ersten Telefongespräch zwischen Burnham und Trump gab es jedoch einen positiven Kontakt. Einem Bericht zufolge will Burnham Ölfelder wieder öffnen lassen, die wegen der Klimakrise geschlossen wurden. Dies würde die Wirtschaft voranbringen. Der US-Präsident freute sich sehr darüber. Außerdem hat der britische Premier John Healey auf den wichtigen Posten des Finanzministers berufen. Healey kennt die Türkei gut und trug schon in der Vergangenheit zu guten Beziehungen bei", beobachtet HÜRRIYET aus Istanbul.
"Unsere Herangehensweise in Irland an Burnham ist einfach: Wie irisch ist er eigentlich?", fragt der IRISH INDEPENDENT. Die Tageszeitung aus Dublin kommt zu dem Schluss: "Trotz seiner irischen Wurzeln hat sich Burnham zu Nordirland nie über die traditionelle Position der Labour-Partei hinaus geäußert. Wie seine Vorgänger kümmert er sich weitaus mehr um den Norden Englands als um Nordirland. Das ist Absicht. Die Unterstützung der Wähler aus der Arbeiterklasse in Städten wie Sunderland und Wolverhampton wird über den Erfolg oder Misserfolg entscheiden." Mit diesem Kommentar vom IRISH INDEPENDENT endet die Presseschau.
