23. Juli 2026
Die internationale Presseschau

Heute mit Kommentaren zum Hacker-Angriff durch eine Künstliche Intelligenz, dem Krieg der USA gegen den Iran und seinen Auswirkungen auf die US-Regierung.

Der ukrainische Armeechef Oleksandr Syrskyj von der Seite im Porträt in Uniform.
Der entlassene ukrainische Armeechef Oleksandr Syrskyj (picture alliance / SvenSimon / Presidential Office of Ukraine)
Zunächst aber ein Blick in die Ukraine. Die spanische Zeitung EL MUNDO kommentiert die Personalwechsel im Land. "Es herrscht eine tiefe Unzufriedenheit in der ukrainischen Bevölkerung über die Entlassung des beliebten Verteidigungsministers Fedorow durch Präsident Selenskyj. Bislang waren die Demonstranten mit ihren Forderungen nur bedingt erfolgreich: Selenskyj entließ lediglich Militärchef Syrskyj, der als Hauptrivale Fedorows galt. An seine Stelle tritt nun dessen Vertrauter Drapatyj, der voraussichtlich weiterhin auf moderne Drohnentechnologien statt auf Syrskyjs traditionelle Strategien setzen wird. Aber es ist mit weiteren Demonstrationen mit der Forderung nach einer Wiedereinsetzung Fedorows zu rechnen. Möglicherweise wurde er entlassen, weil Selenskyj seine Vormachtstellung durch ihn bedroht sah. Für Selenskyj ist das ein kritischer Moment", stellt EL MUNDO aus Madrid fest.
"Die Entlassung von Syrskyj ist ein schwerer Schlag für die Position von Selenskyj", schreibt die russische Zeitung KOMMERSANT: "Selenkyj versucht, eine akute politische Krise zu vermeiden, verliert aber dabei die Kontrolle über die Armee. Syrskyj war dem Präsidenten treu ergeben. Durch seine Entlassung wird Selenskyjs Autorität in den Augen des ukrainischen Generalstabs untergraben. Der Generalstab ist nun überzeugt, dass der Präsident bereit ist, ihm treu ergebene Militärführer im Falle einer Bedrohung seiner eigenen Macht ohne Weiteres zu opfern", glaubt KOMMERSANT aus Moskau.
"Der Wechsel an der Armeespitze ist richtig", notiert dagegen die NEUER ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz: "Damit wird ein Konflikt beigelegt, der inmitten des Krieges den nationalen Zusammenhalt und die Moral der Streitkräfte gefährdet hat. Es stimmt, dass der ukrainische Präsident Selenskyj immer wieder autoritäre Reflexe zeigt und zu Kurzschlussreaktionen neigt. Trotzdem ist Selenskyj kein rücksichtsloser Alleinherrscher. Er braucht den Rückhalt des Volkes, der Soldaten, der Freiwilligen, die den Abwehrkampf gegen die russischen Invasoren bis heute weitgehend geschlossen mittragen. Selenskyj hat bislang diesen Rückhalt. Aber er kann es sich nicht leisten, ihn aufs Spiel zu setzen. Der Eklat deutet darauf hin, dass sich der Präsident zu sehr abgeschottet hat. Selenskyj kommt nun mit einem blauen Auge davon. Und die Ukraine geht im besten Fall gestärkt aus der Affäre hervor", bemerkt die NZZ aus Zürich.
Die polnische Zeitung POLITYKA blickt auf den neuen Oberbefehlshaber: "Generalmajor Drapaty verkörpert einen modernen Führungsstil: Er hört auf seine Untergebenen, sucht häufig die Frontlinie auf und genießt Respekt. Nun hat er eine der wichtigsten Positionen des Landes übernommen: die des Oberbefehlshabers der Streitkräfte der Ukraine. Ein Wechsel der Führungsebene bringt eine grundlegende Veränderung der Art der Verantwortung und der erforderlichen Kompetenzen mit sich. Der Oberbefehlshaber arbeitet mit Politikern, der Industrie und der Verwaltung zusammen. Er muss zugleich Soldat, Stratege, Diplomat und effizienter Verwalter sein. Befehle werden ihm fortan nicht mehr von Menschen in Uniform, sondern in Anzügen erteilt. Hoffen wir, dass Drapatyj diesen Herausforderungen gewachsen ist“, unterstreicht POLITYKA aus Warschau,
Mit einem Modell einer Künstlichen Intelligenz des Entwicklers OpenAI hat es einen Zwischenfall gegeben. Die KI hat sich selbstständig in das Computersystem einer Firma gehackt. Die US-Ausgabe der Zeitung THE GUARDIAN findet: "Die Vorfälle klingen wie Science-Fiction: Eine KI, die sich eigenständig Zugang zu Unternehmen verschafft. Doch es ist nur allzu real – und genauso so beängstigend, wie es klingt. Es ist ein konkretes Beispiel für etwas, das wir nicht länger ignorieren können: KI-Systeme sind extrem leistungsfähig geworden, und wir scheinen keine verlässlichen Mittel zu haben, ihr Verhalten zu kontrollieren. Der Vorfall dieser Woche sollte ein Weckruf sein und uns dazu zwingen, eine unbequeme Frage zu stellen: Sollten wir wirklich gefährliche Systeme entwickeln, die wir nicht beherrschen können?" fragt THE GUARDIAN aus New York.
Die Zeitung KURIER aus Österreich wiegelt dagegen ab: "Sind wir in einem neuen Zeitalter angekommen, in dem eine wildgewordene Künstliche Intelligenz für Chaos sorgt? Eher nicht. So sollte man immer im Hinterkopf behalten: Firmen wie OpenAI leben davon, ihr Produkt möglichst fähig und mächtig aussehen zu lassen. Die Mitteilung über den Sicherheitsvorfall liest sich wie ein Werbetext für das neue Modell. Genau darum sollte man bei derartigen Mitteilungen immer Vorsicht walten lassen. KI ist eine Technologie, die für massive Umwälzungen in Gesellschaft und Wirtschaft sorgen wird. Das bedeutet aber nicht, dass man den gesamten Hype für bare Münze nehmen sollte", betont der KURIER aus Wien.
In den Krieg zwischen den USA und dem Iran greifen jetzt auch die Huthis aus dem Jemen ein. Sie sind mit dem Iran verbündet und drohen damit, Ölexporte aus Saudi-Arabien zu blockieren. Die pan-arabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY mit Sitz in London beschreibt die Folgen: "Der Schritt wird die Schifffahrts- und Versicherungsunternehmen veranlassen, die Anfahrt zu saudischen Häfen als riskant einzustufen. Dies wird in der Folge zu höheren Versicherungsprämien, Routenänderungen und Lieferverzögerungen führen. Doch die Entwicklung ist höchst riskant. Denn ein Angriff auf einen wichtigen Tanker oder saudische Infrastruktur könnte den derzeitigen Konflikt in eine umfassendere Konfrontation verwandeln."
Die türkische Zeitung CUMHURIYET beleuchtet die Kriegsfolgen im Iran und in den USA: "Die finanziellen Mittel und Raketenbestände des Pentagons schwinden rapide und die USA steuern auf einen katastrophalen Invasionsversuch zu. Auch der Iran zahlt einen hohen Preis mit einer hohen Inflation und einer schrumpfenden Wirtschaft. Während die iranische Bevölkerung allerdings historische Widerstandskraft beweist, steht die Regierung in Washington angesichts der bevorstehenden Zwischenwahlen unter großem politischem Druck. Die Krise in der Straße von Hormus symbolisiert den endgültigen Niedergang der amerikanischen Hegemonie", so CUMHURIYET aus Istanbul.
Die portugiesische Zeitung JORNAL DE NEGOCIOS verweist auf die Senats-Anhörung von US-Verteidigungsminister Hegseth zum Iran-Krieg: "Die US-Regierung wollte beim Senat zusätzliche 67 Milliarden Dollar beantragen. Aber dann musste Verteidigungsminister Hegseth zugeben, dass der Krieg bereits 37,5 Milliarden Dollar verschlungen hat. Das Schockierende daran ist keineswegs nur die Höhe dieser Beträge, sondern auch die Selbstverständlichkeit, mit der Hegseth eine solche Finanzspritze fordert, ohne auf die Bürger einzugehen. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass der Krieg im Nahen Osten keine Auswirkungen auf die Zwischenwahlen im November haben wird, solange die US-Amerikaner die Folgen des Kriegs nicht unmittelbar am eigenen Leib zu spüren bekommen", ist JORNAL DE NEGOCIOS aus Lissabon überzeugt.
Die dänische Zeitung POLITIKEN aus Kopenhagen beobachtet: "Je mehr Geld das Weiße Haus fordert, desto schwerer lässt sich ignorieren, dass die USA den fünften Monat in einem Krieg stecken, der nie offiziell vom Kongress gebilligt wurde. Für Präsident Trump ist das Problem deshalb nicht nur militärischer, sondern auch politischer Natur. Er kann sich nicht zum Sieger in einem Krieg erklären, der immer mehr Soldaten, Waffen und Steuermilliarden benötigt. Er kann sich aber auch nicht aus einem Krieg zurückziehen, den seine Regierung als entscheidend für die Sicherheit der USA bezeichnet. Die Wähler kaufen Trump seine Beteuerungen von einem baldigen Kriegsende nicht mehr ab - und der Abstand zwischen seinen Versprechen und der ständig wachsenden Rechnung lässt sich immer schwerer erklären", vermerkt POLITIKEN aus Kopenhagen zum Ende der Presseschau.