
Dazu schreibt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz: "Auf den ersten Blick profitieren beide Länder von dem Abkommen: Die USA exportieren ihre Technologie, schaffen Stellen im eigenen Land und halten Konkurrenten wie China und Russland aus einem strategisch wichtigen Markt fern. Das immer noch stark vom Erdölexport abhängige Saudi-Arabien wiederum kann seine Energiequellen diversifizieren und mithilfe von Atomkraftwerken den wachsenden Strombedarf im Königreich decken. Zugleich könnte es mehr Erdöl für den Export freihalten. Das Abkommen hat jedoch einen Haken: Es schließt eine künftige Urananreicherung in Saudi-Arabien nicht aus. Diese könnte dem Königreich langfristig den Weg zu einem eigenen Atomwaffenprogramm ebnen und ein nukleares Wettrüsten im Nahen Osten auslösen. Das ist ein unnötig großes Risiko", warnt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG.
Die britische Zeitung THE TIMES führt aus: "US-Präsident Trump ist entschlossen, Irans Weg zur Atombombe zu blockieren. Deshalb macht er für Saudi-Arabien – einem Erzfeind Teherans – ein Abkommen möglich, bei dem viele befürchten, dass das Land letztlich eigenes Uran anreichern könnte. Der Präsident mag diesen Plan mit dem Ziel entworfen haben, ein neues Machtgleichgewicht im Nahen Osten zu schaffen – eine arabische Abschreckung gegen die bösartigen Kalkulationen der Mullahs. Stattdessen hebt er damit den Vorhang für einen neuen Akt der Unruhe in der Region", bemerkt THE TIMES aus London.
Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT aus Amsterdam notiert: "Das Atomabkommen zwischen der Trump-Regierung und Saudi-Arabien wird nicht sofort – auch nicht auf längere Sicht, und hoffentlich niemals - dazu führen, dass dieses Land dem Club der Atomwaffenstaaten beitreten kann. Dennoch wirkt es wie ein wenig durchdachter Schritt, der den Atomwaffensperrvertrag unnötigerweise untergräbt und vor allem darauf ausgerichtet zu sein scheint, milliardenschwere Geschäfte für die amerikanische Nuklearindustrie zu ermöglichen."
Die türkische Zeitung SABAH aus Istanbul wirft ein: "Es besteht immer die Möglichkeit, dass Nukleartechnologie vom zivilen in den militärischen Bereich gelangt. In der Geschichte gibt es dafür ein vielsagendes Beispiel: In den 1950er-Jahren übergaben die USA im Rahmen von Präsident Eisenhowers 'Atoms for Peace'-Programm dem Iran ihren ersten Kernreaktor und hochangereichertes Uran. Diese Infrastruktur bildet heute die Grundlage für das iranische Atomprogramm."
Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN hält fest: "Es ist unklar, ob Saudi-Arabien die Möglichkeit erhält, Uran anzureichern und damit Atomwaffen zu produzieren. Dann fehlt es dem Abkommen an wichtigen Kontrollmechanismen. Saudi-Arabien weigert sich, das Zusatzprotokoll der IAEO zu unterzeichnen, das der Behörde die Möglichkeit verschaffen würde, das Atomprogramm zu inspizieren. Trump erklärt, US-Kontrollen seien ausreichend. Aber das ist naiv und hilft nicht, Vertrauen aufzubauen. Das Abkommen ist eine vollständige Abkehr von der bisherigen Linie der USA, die Verbreitung von Technologien zu begrenzen, die zur atomaren Bewaffnung dienen können", unterstreicht AFTENPOSTEN aus Oslo.
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO aus Schanghai hält fest: "Es kann kein Zufall sein, dass ausgerechnet jetzt die USA und Saudi-Arabien das milliardenschwere Atomabkommen, über das man sich zwanzig Jahre lang nicht einigen konnte, unterzeichnen. Der Konflikt mit dem Iran spielt eine wesentliche Rolle. Ganz klar will Washington den Ausbau der nuklearen Fähigkeiten seiner Verbündeten im Nahen Osten stärker unterstützen, um dem iranischen Atomprogramm etwas entgegenzusetzen."
Die saudi-arabische Zeitung AL-RIYADH aus Riad gibt sich staatstragend: "In einer Zeit tiefgreifender geopolitischer Veränderungen rücken Energiesicherheit und Zukunftstechnologien zunehmend in den Mittelpunkt staatlicher Strategien. Vor diesem Hintergrund schafft das Abkommen die Grundlage für eine langfristige Partnerschaft in Forschung, Entwicklung und Wissenstransfer. Zugleich kann man davon ausgehen, dass die Vereinbarung Saudi-Arabiens Rolle in internationalen Organisationen und Initiativen zur friedlichen Nutzung der Kernenergie stärkt."
Die lettische Zeitung DIENA erläutert: "Die Frage ist, ob der US-Kongress das von Präsident Trump mit Saudi-Arabien geschlossene Abkommen zur zivilen Nutzung der Kernenergie genehmigt. Es ist damit zu rechnen, dass die Vereinbarung dort auf heftigen Widerstand stoßen wird. Ein Grund ist, dass die mögliche Anreicherung von Uran in Saudi-Arabien das Risiko einer Verbreitung dieser Technologie erhöht. Ein weiterer Grund ist, dass dieses Abkommen ein Prinzip verletzt, das bislang als Goldstandard galt. 2009 wurde ein sogenanntes 123-Abkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten geschlossen, das aber keine Anreicherung von Uran und keine Aufarbeitung abgebrannter Kernbrennstäbe umfasst. Das wurde als optimaler Weg betrachtet, um anderen Staaten den Zugang zur Kernenergie zu ermöglichen, ohne das Risiko einer militärischen Nutzung einzugehen." So weit DIENA aus Riga.
Nun nach Indien. Die österreichische Zeitung DER STANDARD notiert: "Wie hoch der Frust unter jungen Indern und Inderinnen ist, lässt sich an ein paar wenigen Zahlen ablesen: Die 'Kakerlaken-Partei' wurde vor gerade mal drei Monaten ins Leben gerufen. Innerhalb von zwei Wochen folgten der Bewegung 22 Millionen Leute auf Instagram. Seit Tagen legen Protestierende nun Neu Delhi lahm. Laut fordern sie den Rücktritt von Bildungsminister Pradhan. Aber auch Langzeitpremier Modi gerät unter Druck wie noch selten. Die Bewegung hat ganz offensichtlich einen Nerv getroffen. Schlechte Bildungschancen, geleakte Prüfungsfragen, Korruption: Für viele Junge bleibt der Traum der guten Ausbildung und des Aufstiegs eine Utopie. Richtig zornig wurden die Studierenden, als Bildungsminister Pradhan die Bewegung im Juni als 'das B-Team der Terroristen' bezeichnete. Mit Arroganz und Ignoranz auf die sehr echten Probleme der jungen Leute zu reagieren, ist fatal. Sie zu verunglimpfen, ist kurzsichtig", gibt DER STANDARD aus Wien zu bedenken.
"Der indische Premierminister Modi hat keine Angst vor Kakerlaken", titelt die polnische RZECZPOSPOLITA: "An politischer Exotik mangelt es in Indien nicht. Vor kurzem ist jedoch eine Partei entstanden, die sich trotz ihres satirischen Namens mit einem dringenden Problem der indischen Generation Z befasst. 'Cockroach Janta Party' - 'Volkspartei der Kakerlaken' - lautet der ironische Name dieser neuen Gruppierung. Die neue Partei spiegelt die Stimmung der jungen Generation Indiens wider – Menschen, die oft dank der Anstrengungen ganzer Familien eine gute Ausbildung genossen haben, aber keine Aussicht auf eine feste Anstellung haben. Sie werfen der Regierung vor, dass trotz des rasanten Wirtschaftswachstums des Landes die Arbeitslosigkeit unter der jungen Generation zunimmt. Die Bewegung wirft einen Schatten auf das Image von Premierminister Modi. Dennoch sind seine wirtschaftlichen Erfolge enorm. Solange dies so bleibt, muss er keine Konkurrenz fürchten – nicht einmal von der 'Volkspartei der Kakerlaken'", heißt es in der RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Die japanische Zeitung MAINICHI SHIMBUN beobachtet: "Heutzutage wird in sozialen Netzwerken die Wut der Bürger auf die Politik in einer unvorstellbar hohen Geschwindigkeit geteilt. Das zeigt die Situation in Indien: Eine Organisation, die ursprünglich als Satire im Internet begann, hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einer großen gesellschaftlichen Bewegung entwickelt. Der Partei-Gründer Dipke erklärt die Entwicklung so: 'Kakerlaken vermehren sich besonders dort, wo es unsauber ist. Unsere Machthaber sollten sich dies bewusst machen.'"
