25. Juli 2026
Die internationale Presseschau

US-Präsident Trumps neue Zölle sind das beherrschende Thema in den Kommentaren. Begründet werden sie mit dem Vorwurf, die betroffenen Länder setzten sich nicht genug gegen Zwangsarbeit ein. Viele Zeitungen beziehen außerdem Stellung zu den Ursachen und Auswirkungen der Waldbrände in mehreren Ländern.

US-Präsident Trump steht bei einer Ansprache an einem Rednerpult zwischen zwei Fahnen.
US-Präsident Donald Trump (IMAGO / ZUMA Press Wire / IMAGO / Saul Loeb - Pool via CNP)
"Trump gibt im Zollkrieg mit der ganzen Welt nicht auf", titelt die polnische RZECZPOSPOLITA und schreibt: "Die Begründung für diesen Schritt ist jedoch so fadenscheinig, dass der Oberste Gerichtshof ihn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kippen wird. Das Problem an dieser Zollpolitik ist, dass sie den US-Präsidenten politisch teuer zu stehen kommen könnte. Umfragen zufolge lehnen 74 Prozent der Amerikaner solche Maßnahmen ab. Nicht nur erfüllte sich das Versprechen des Weißen Hauses nicht, dass Zölle Investitionen in die heimische Produktion ankurbeln würden. Auch die Inflation ist stark angestiegen. Ökonomen schätzen, dass die Importeure 90 Prozent der zusätzlichen Kosten an die amerikanischen Verbraucher weitergegeben haben", fasst die RZECZPOSPOLITA aus Warschau zusammen.
Die Zeitung JIEFANG RIBAO aus Shanghai nennt die Begründung für die US-Zölle "ironisch", und mahnt: "Es sei daran erinnert, dass gerade die Vereinigten Staaten dem seit 1932 gültigen internationalen Übereinkommen über Zwangs- und Pflichtarbeit bis jetzt nicht beigetreten sind. Immerhin hat Washington aus der Vergangenheit zumindest eines gelernt. Es bedient sich diesmal ausgerechnet Paragraf 301 des US-Handelsgesetzes, wohl weil selbst der Oberste Gerichthof kaum etwas dagegen einwenden kann."
Und die norwegische Zeitung DAGSAVISEN stellt zur Zwangsarbeits-Begründung fest: "Das ist wenig glaubwürdig, aber vermutlich hat sich Trump dieses Mal juristisch besser abgesichert als das letzte Mal, als er anschließend eine Niederlage vor dem Obersten Gerichtshof kassierte. Es hilft also wenig zu jammern - ab sofort unterliegen norwegische Waren einem Zoll von 12,5 Prozent. Das schmerzt, zumal wir in der höchsten Kategorie gelandet sind, während die EU und Großbritannien mit 10 Prozent davonkommen. Es gibt unterschiedliche Ansichten zu einer norwegischen EU-Mitgliedschaft, aber die internationale Lage ist heute eine völlig andere als noch vor wenigen Jahren. Jetzt bleiben wir auf einer höheren Rechnung sitzen als unsere europäischen Nachbarn, weil wir nicht in der EU sind. Das sollte ein Denkanstoß sein", gibt DAGSAVISEN aus Oslo zu bedenken.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG kommentiert die Zollpolitik wie folgt: "Donald Trump sieht seine Zölle offensichtlich als Beitrag zur Sicherheit der USA. Dabei verteuern sie bloß das Leben und die Produktion der Firmen im Inland. Geradezu lächerlich wirkt die Begründung, mit den neuen Abgaben wolle man gegen Zwangsarbeit vorgehen. Der Handelsbeauftragte Jamieson Greer wird bloß froh sein, eine rechtlich abgestützte Begründung für seinen neuen Basiszoll gefunden zu haben. Ganz in Vergessenheit gerät dabei, dass ein starkes Land zuallererst eine starke Wirtschaft braucht und Freihandel dabei hilft", erinnert die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz.
Die SOUTH CHINA MORNING POST sieht den Kern der neuen Zölle keinesfalls bei den EU-Staaten: "Wie viele Ablenkungsmanöver auch rund um die Zollkriege gestartet werden, ein Großteil davon hat doch mit China zu tun. Bei Trumps Angriff auf den Multilateralismus ging es nach außen hin darum, das US-Handelsdefizit zu senken - unter anderem, indem man es durch Zölle aufputscht - und die Produktion wieder in die USA zu holen. Trotz Trumps Prahlerei bleibt das Handelsdefizit massiv. Mehr noch, Chinas Exporte sind im ersten Halbjahr 2026 um 17,6 Prozent gestiegen. 'Zölle' mag Trumps Lieblingswort sein, aber das schützt ihn nicht davor, dass sie ihm Kummer bereiten werden", vermutet die SOUTH CHINA MORNING POST aus Hongkong. So viel zu diesem Thema.
Im Süden Europas wüten Wald- und Buschbrände. Besonders betroffen sind Frankreich und Spanien. Die Zeitung EL MUNDO aus Madrid resümiert: "Die verheerenden Waldbrände rund um Madrid haben zur Evakuierung von mehreren zehntausend Menschen geführt. Es war richtig von der Region Madrid, die Ausrufung des nationalen Notstands zu beantragen. Die Zentralregierung reagierte umgehend, und das war auch nötig. Nur sie verfügt über einen umfassenden Überblick über alle Ressourcen und kann als Ansprechpartner für die EU dienen. Aber durch die Pandemie ist das Misstrauen zwischen der Zentralregierung und den Regionen gewachsen und das steht einer Zusammenarbeit im Weg. Da gilt es, aus früheren Fehlern zu lernen, damit Spanien zeigen kann, dass es in der Lage ist, auf eine solche Katastrophe angemessen zu reagieren", notiert EL MUNDO aus Spanien.
Die französische Zeitung LIBÉRATION ordnet die Brände in einen größeren Kontext ein: "Die Brände, die seit Tagen in Frankreich wie in Spanien wüten, werden häufig als 'außergewöhnlich' eingestuft. Dieser Begriff sagt im Prinzip, was er sagen soll: Gemessen an ihrer Kraft, an der Zahl der betroffenen Hektar, der Zahl der evakuierten Personen sind diese Brände in jedem Fall 'außergewöhnlich'. Allerdings ist dieser Ausdruck gleichzeitig so falsch, dass er auf keinen Fall als Alibi für die Untätigkeit im Klimaschutz dienen kann. Diese Brände sind nicht 'außergewöhnlich', sondern genau auf Linie mit allem, was Experten in ihren Argumentationen bislang vorgebracht haben. Eine Brandsaison, die sich weit über die Sommermonate hinaus erstreckt, größere Brandflächen, mehr Risikogebiete: Das ist das neue 'gewöhnlich'", konstatiert die LIBÉRATION aus Paris.
Die Zeitung IRISH INDEPENDENT aus Dublin verbindet den Kommentar mit einer Aufforderung an die eigene Regierung: "Wissenschaftler warnen uns, dass dieses Jahr die perfekten Voraussetzungen für Waldbrände schafft. Die Regierung wird untersuchen müssen, inwiefern wir für solche Geschehnisse gewappnet sind, ob unsere Feuerwehr gut genug aufgestellt ist, ob die Öffentlichkeit geschult ist, wie man Waldbrände verhindert und was zu tun ist, wenn sie ausbrechen. Irland erlebt seine längste Hitzewelle seit dem Sommer 1976, aber diese Art von Wetter ist kein Einmal-in-fünfzig-Jahren-Ereignis, also müssen wir uns endlich ernsthaft mit den Konsequenzen auseinandersetzen", ist der IRISH INDEPENDENT überzeugt.
Auch in Kanada wüten mehrere schwere Waldbrände. Die Zeitung THE GLOBE AND MAIL aus Toronto analysiert mögliche Ursachen: "Die aktuelle US-Regierung hat dem Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft rücksichtslos und selbstmörderisch den Rücken gekehrt. Währenddessen hat unsere eigene Regierung unter Premierminister Carney sich von Justin Trudeaux's mutigen Schritten zur Einschränkung von fossilen Brennstoffen abgewandt. Das ist der falsche Weg, um den Klimawandel zu bekämpfen. Kanadas Waldindustrie mag ein Teil des Problems sein, wenn es um die Waldbrände geht, sie ist aber auch Teil der Lösung: Gut gepflegte Wälder brennen seltener und sie binden große Mengen an Kohlenstoff. Unser Hauptaugenmerk muss die kohlenstoffarme Zukunft sein. Und in der Zwischenzeit können wir uns bei der Waldpflege mehr anstrengen", fordert THE GLOBE AND MAIL aus Kanada.
Zuletzt noch ein Blick nach Venezuela und die Situation dort nach den zwei schweren Erdbeben. Die Zeitung MAINICHI SHIMBUN aus Tokio merkt an: "Es fehlt an sauberem Trinkwasser und schlechte Hygiene führt zu wachsender Infektionsgefahr. Besorgniserregend ist, dass die Wirtschaftskrise und das politische Chaos den Wiederaufbau verzögern könnten. US-Präsident Trump hat zwar diesmal schnell mit Hilfstruppen reagiert, ist aber nach wie vor zurückhaltend bei Unterstützung, die nicht direkt im nationalen Interesse steht. Auch die führenden Industriestaaten haben in den letzten Jahren ihre finanzielle Unterstützung für die humanitäre Hilfe reduziert. Die internationale Gemeinschaft sollte die Lage richtig einschätzen. Erforderlich ist langfristige, nachhaltige Hilfe für Venezuela", bemerkt die japanische Zeitung MAINICHI SHIMBUN, mit der diese Presseschau endet.