
"Der Hass nimmt zu. Das queere Deutschland ist nicht mehr sicher", titelt die Zeitung POLITYKA aus Polen und schreibt weiter: "Am Samstag fuhr ein Transporter in eine Menschenmenge, die den Christopher Street Day feierte. Der Anschlag traf ein Symbol des queeren Deutschlands. Lange Zeit verlief die Pride-Veranstaltung ohne größere Zwischenfälle, doch in den letzten Jahren hat sich die Lage drastisch verändert. Im Jahr 2024 wurden 28 Personen festgenommen, weil sie einen Anschlag auf den Berliner Marsch geplant hatten. Ein Jahr später riefen die Veranstalter die Teilnehmer zur Wachsamkeit auf, und die Polizei verstärkte die Sicherheitsmaßnahmen für die Veranstaltung. Experten führen den Anstieg von Angriffen auf LGBT+-Veranstaltungen in Deutschland auf die Rhetorik der erstarkenden Alternative für Deutschland zurück. Leider fügt sich der Angriff auf die Berliner Pride-Veranstaltung in einen weltweiten Trend ein", resümiert die POLITYKA aus Warschau.
Auch die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN vermerkt: "In letzter Zeit werden die Gleichberechtigung und die Rechte queerer Menschen weltweit wieder vermehrt abgelehnt. Was in Berlin passiert ist, ist ein Angriff auf eine Gesellschaft, die Diversität anerkennt. In der Demokratie müssen Meinungsverschiedenheiten durch Gespräche überwunden werden. Extremismus, der Gewalt rechtfertigt, darf nie erlaubt werden. Wichtig ist, dass Vorurteile oder Hasskommentare in den sozialen Netzwerken keinesfalls als 'Meinung' unterschätzt werden. Denn Gewalt bricht sich nicht plötzlich Bahn, sondern ist eine Folge vieler negativer Äußerungen gegen Diversität", heißt es in der ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Die dänische Zeitung JYLLANDS-POSTEN hebt hervor: "Der in Berlin geborene mutmaßliche Täter war mit dem islamistischen Milieu in Kontakt geraten. Besonders bedroht sind Juden und Homosexuelle, aber darüber hinaus geht es um unsere Demokratie und unsere Freiheiten. Wir können und dürfen nicht damit leben, dass Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind, zu Terroristen werden. Wir dürfen keine islamischen Parallelgesellschaften dulden, in denen antidemokratische Kräfte, die Unterdrückung von Frauen und Hass auf Juden und Homosexuelle gedeihen. Die Scharia lässt sich nicht in eine demokratische Gesellschaft integrieren. Gewaltbereitschaft, Homophobie und Antisemitismus vertragen sich nicht mit Meinungsfreiheit und anderen Freiheiten. Dagegen müssen wir uns mit allen Kräften einsetzen", fordert JYLLANDS-POSTEN aus Århus.
DE TELEGRAAF aus den Niederlanden hält fest: "Der Anschlag in Berlin zeigt, dass die größte Gefahr für Europa nach wie vor aus dem dschihadistischen Lager kommt. Die Sicherheitsdienste warnen schon seit längerem davor, dass immer mehr Jugendliche durch das in den sozialen Medien weit verbreitete dschihadistische Gedankengut beeinflusst werden. Das Aufkommen immer jüngerer Dschihadisten wird viele europäische Länder vor die Frage stellen, ob das Jugendstrafrecht noch zeitgemäß ist. Milde Strafen können potenzielle Attentäter von solchen Taten ebenso wenig abhalten wie Therapien", glaubt DE TELEGRAAF aus Amsterdam.
"Was gilt es zu tun?" fragt der TAGES-ANZEIGER aus der Schweiz. "Ein Hebel liegt in der Überwachung sozialer Netzwerke. Spielten zuvor bei der Radikalisierung junger Männer Moscheen eine zentrale Rolle, findet diese heute vor allem im digitalen Raum statt. Islamisten verbreiten dort auf Jugendliche zugeschnittene Propaganda. Derzeit durchforstet die Polizei diese Plattformen unsystematisch und von Hand. Das ist nicht ausreichend angesichts der Vielzahl von radikalen Imamen und IS-Sympathisanten, die dort Hass verbreiten. Künstliche Intelligenz könnte helfen, Verdachtsfälle systematisch auszuwerten. Der politische Widerstand dagegen ist groß. Der Anschlag in Berlin könnte dies ändern", betont der TAGES-ANZEIGER aus Zürich.
Die Waldbrände in Spanien, Frankreich und Kanada sind Thema in der internationalen Presse. Die spanische Zeitung EL MUNDO notiert: "Die verheerenden Waldbrände haben in mehreren Regionen Spaniens zur Ausrufung des nationalen Notstands geführt und gezeigt, dass das Land einer strukturellen Bedrohung ausgesetzt ist. Das erfordert entschlossenes Handeln, und zwar mit allen Ressourcen, die einem modernen Staat zur Verfügung stehen müssen. Tatsächlich stellen extreme Waldbrände mittlerweile ein nationales Problem dar. Trotzdem hat es die Regierung versäumt, die Löschflugzeugflotte zu erneuern. Der Klimawandel schreitet rasant voran, und die Mittelmeerländer sind von der Entwicklung besonders betroffen. Also müssen wir uns auf bislang ungekannte Weise und mit modernsten Technologien vorbereiten. Das aber kann nur durch eine effektive staatliche Führung und eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen erreicht werden", erklärt EL MUNDO aus Madrid.
Die französische Zeitung LE FIGARO stellt heraus: "90 % der Brände werden durch menschliches Handeln verursacht – sei es durch Unachtsamkeit, Leichtsinn oder, leider, durch die vorsätzliche Tat eines Brandstifters. Alle Brandschneisen und Wasserzugänge bleiben wirkungslos, solange sich nicht jeder einer Sache bewusst wird: Die Schönheit und der Reichtum der französischen Regionen liegen in unseren Händen. Nicht nur in den Händen der Behörden – sondern in unseren eigenen", mahnt LE FIGARO aus Paris.
Die kanadische Zeitung THE GLOBE AND MAIL sieht die Waldbrände im eigenen Land so: "An einem typischen Tag während einer schweren Waldbrandsaison brennen landesweit Hunderte von Feuern gleichzeitig. Proaktive Maßnahmen wie kontrolliertes Abbrennen und die mechanische Beseitigung von brennbarem Material sind im Umfeld gefährdeter Siedlungen von unschätzbarem Wert. Doch die Ausweitung dieser Maßnahmen auf Hunderte Millionen Hektar zur Verhinderung von Megabränden stößt auf unüberwindbare regulatorische, finanzielle und operative Hürden. Die Anerkennung der Grenzen menschlichen Eingreifens ist kein Eingeständnis einer Niederlage, sondern die Voraussetzung für eine vernünftige Politik. Anstatt zu verlangen, dass Einsatzkräfte die gewaltigsten Brände der Natur bezwingen, müssen wir unsere Ressourcen strategisch dort einsetzen, wo sie am meisten bewirken: beim Schutz von Menschenleben und Siedlungen", so die Zeitung THE GLOBE AND MAIL aus Ontario.
Angeblich wegen der Waldbrände verhängten die USA neue Zölle gegen Kanada. Das kommentiert die schwedische Zeitung SYDSVENSKAN: "Die Waldbrände in Kanada vergifteten die Luft in den USA, schimpfte US-Präsident Trump und verhängte 50-prozentige Strafzölle gegen das Nachbarland im Norden. Später hieß es zwar aus dem Weißen Haus, dass die Zölle wegen kanadischer Gegenmaßnahmen auf frühere Zölle beschlossen worden seien. Aber es sagt etwas über Trumps Weltbild aus, wenn er bei Katastrophen in anderen Ländern erst einmal Mitleid mit den USA hat. Besonders groß wird die Ironie, wenn man im Jahr davor eine Präsidentschaftswahl mit dem Slogan ‚Drill, baby, drill!‘ gewonnen hat und sich plötzlich Gedanken darüber macht, dass sich Emissionen über Landesgrenzen hinweg auswirken. Außer den Zöllen gegen Kanada verhängten die USA zuletzt auch Zölle zwischen 10 und 12,5 Prozent gegen mehr oder weniger die ganze Welt", stellt SYDSVENSKAN aus Malmö fest.
Zu den neuen US-Zöllen meint der SYDNEY MORNING HERALD aus Australien: "Was auch immer US-Präsident Trump und seine Regierungsvertreter glauben – oder zumindest behaupten: Die Zölle sind eine Steuer für amerikanische Unternehmen und Haushalte. Nach Berechnungen der Federal Reserve Bank of New York werden rund 90 Prozent der dadurch entstehenden Kosten von Unternehmen und Verbrauchern in den USA getragen. Trump glaubt vielleicht, dass andere Länder große Geldbeträge in die Kassen des US-Finanzministeriums einzahlen. Doch das ist nicht der Fall", unterstreicht der SYDNEY MORNING HERALD. Und damit endet die Internationale Presseschau.
