
In der britischen Zeitung METRO kritisiert ein Gastkommentator aus der queeren Community den Versuch rechter Politiker, den Anschlag in Berlin am Rande des CSD zu vereinnahmen: "Eigentlich müssten sich queere Menschen gerade Zeit nehmen, zu trauern. Doch leider müssen wir uns jetzt mit einer Reihe widersprüchlicher Aussagen von Personen auseinandersetzen, die vorgeben, sich um unsere Rechte zu sorgen, nur um hasserfüllte Ansichten zu verbreiten. Queere Menschen lehnen Extremismus und Fanatismus in all seinen Formen ab, ganz gleich, ob er von christlichen Nationalisten, Tech-Milliardären oder islamistischen Extremisten ausgeht. Wäre der mutmaßliche Täter in Berlin weiß gewesen, würden dieselben Stimmen, die jetzt unsere Toleranz gegenüber Muslimen hinterfragen, von einem 'Einzeltäter' sprechen. Menschen, die unsere Community bislang nicht unterstützt haben, dürfen solche Taten nicht nutzen, um neue Vorurteile zu schüren", lautet ein Appell in der Zeitung METRO mit Sitz in London.
In der für die LGBTQ-Community in Chicago gegründeten Wochenzeitung WINDY CITY TIMES führt ein Teilnehmer der Stonewall-Proteste in New York City 1969 aus, worauf der Christopher Street Day und die Pride-Paraden basieren: "Solche Taten wie in Berlin erinnern uns alle an die Realität, die jede LGBTQ-Person kennt. Wenn wir uns öffentlich zusammenfinden, zu einer Pride-Parade oder zu anderen Veranstaltungen, gibt es immer Menschen, die wollen, dass wir wieder verschwinden. Sie wollen, dass wir leise sind. Jedes Jahr machen Millionen von uns genau das Gegenteil. Wenn Terroristen, Extremisten oder andere Hasserfüllte uns davon abhalten, öffentliche Feste oder Veranstaltungen auszutragen, dann haben sie genau das erreicht, was sie wollten. Das dürfen wir nicht zulassen. Von 15.000 Teilnehmern beim ersten Pride Day 1970 bis Millionen Teilnehmern heutzutage weltweit - das ist nicht zufällig passiert. Es ist passiert, weil Generationen für Generationen es abgelehnt haben, zu verschwinden", wird in der LGBTQ-Zeitung WINDY CITY TIMES gemahnt.
Der Wiener STANDARD greift die innenpolitischen Folgen des Anschlags auf: "Einfache Antworten gibt es nicht, auch wenn Parteien wie die AfD dies vorgaukeln. Zwei Monate vor den Wahlen in drei deutschen Bundesländern – Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin – spielt der Anschlag der Partei massiv in die Karten. Das von vielen ultrarechten Parteien vertretene Konzept der 'Remigration', im Falle der AfD auch von deutschen Staatsbürgern mit migrantischem Hintergrund, liest sich aus AfD-Sicht wie eine Lösungs-Blaupause auf den aktuellen Fall. Bei genauerem Blick ist es aber nichts weiter als eine Instrumentalisierung von Migration für den Wahlkampf", lautet eine Analyse des STANDARDS aus Österreich.
Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN vermerkt: "In Deutschland besteht die Sorge, dass der Angriff auf den CSD die AfD vor den Landtagswahlen im Herbst stärkt. Schon früher haben Islamisten in Deutschland ihren Terror offenbar zeitlich abgestimmt, denn sie wünschen sich den Konflikt herbei, der sich durch eine mächtigere AfD ergibt. Natürlich müssen die Dinge beim Namen benannt werden, aber ebenso müssen moderate Konservative darauf achten, sich vom Gedankengut der radikalen Rechten zu distanzieren und müssen moderate Muslime dasselbe gegenüber extremen Varianten des Islam tun", meint die Zeitung AFTENPOSTEN aus Oslo.
Im dänischen KRISTELIGT DAGBLAD wird die Debatte über das Vorgehen der Behörden aufgegriffen: "Alles deutet darauf hin, dass die deutschen Maßnahmen beim Umgang mit Abdul B. so dialogbasiert und nachgiebig waren, dass er sich in seiner Haltung sogar bestätigt fühlen musste. Er konnte glauben, es mit einer Zivilisation zu tun zu haben, die unfähig ist, ihre eigenen Ideale durchzusetzen. Seine Haftstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, sodass sie in der Praxis keine Konsequenzen hatte. Also konnte er am Samstag zu einer Tat schreiten, über die niemand überrascht sein sollte, der seine islamistische Haltung ernstnahm und als die Bedrohung betrachtete, die sie war. Deradikalisierung ist keine Antwort auf Radikalisierung", betont ein Kommentator des KRISTELIGT DAGBLAD aus Kopenhagen.
Der ukrainische Präsident Selenskyj trifft sich heute mit US-Präsident Trump in Washington. Am vergangenen Wochenende hatte die Ukraine ein iranisches Frachtschiff im Kaspischen Meer angegriffen. Die türkische Zeitung HÜRRIYET schreibt dazu: "Der Angriff erfolgte zu einem Zeitpunkt, zu dem die Wählerschaft von Trump dem ukrainischen Widerstand zunehmend Sympathien entgegenbringt. Die Trump-nahe, rechtsextreme Aktivistin und Verschwörungstheoretikerin Laura Loomer interviewte kürzlich Selenskyj und kommentierte anschließend: 'Ich bin auf die russische Propaganda hereingefallen.' Während Trump bei seinem Amtsantritt Selenskyj verunglimpfte, scheint sich die Stimmung in Washington angesichts der Erfolge der Ukraine vor Ort zugunsten Kiews zu wenden", ist in der Zeitung HÜRRIYET aus Istanbul zu lesen.
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO sieht das ukrainische Vorgehen kritisch: "Kaum wurden russische und iranische Schiffe im Kaspischen Meer durch Angriffe der ukrainischen Streitkräfte beschädigt, eilt Präsident Selenskyj auch schon nach Großbritannien und in die USA, um dort dafür Lob einzuheimsen und um Anerkennung zu buhlen. Durch die jüngsten Kriegserfolge will er sich die weitere Unterstützung des Westens sichern. Dadurch werden sich aber die beiden Konflikte – zwischen der Ukraine und Russland und zwischen den USA und dem Iran – weiter miteinander verflechten und die geopolitische Lage noch angespannter und komplexer machen", folgert die Zeitung JIEFANG RIBAO aus Schanghai.
Gestern hatte Selenskyj bereits den neuen britischen Premier Burnham besucht. Dabei wurden auch neue Militärhilfen für Kiew angekündigt. Die russische Zeitung KOMMERSANT moniert: "Großbritannien pumpt Kiew mit Waffen voll. Bemerkenswert ist, dass London vor allem Offensivwaffen liefert – Ausrüstung, die für Angriffe auf die russische zivile Infrastruktur eingesetzt wird –, während gleichzeitig betont wird, all dies geschehe im Namen des 'Friedens'. Die Gespräche in Großbritannien deuten jedoch darauf hin, dass sich Kiew und seine europäischen Unterstützer nicht auf Frieden, sondern auf eine weitere Eskalation der Feindseligkeiten vorbereiten", heißt es im KOMMERSANT aus Moskau.
In Peru tritt die rechtsgerichtete Politikerin Keiko Fujimori heute das Präsidentschaftsamt an. Sie hat familiäre Wurzeln in Japan. Dort wird in der Zeitung ASAHI SHIMBUN auf den gesamten südamerikanischen Kontinent geblickt: "Es ist ein klarer Rechtsruck zu erkennen, wie in Kolumbien, Argentinien, Honduras oder Chile. Die Menschen sind von den Linksregierungen enttäuscht, die ihre Erwartung auf Abbau der Ungleichheit oder stärkere Sozialleistung nicht erfüllen konnten. Auch die ernsthaft verschlechterte Sicherheitslage in vielen Ländern ist einer der Gründe für die Unterstützung für die rechte Politik. Keiko Fujimori steht vor großen Herausforderungen. Allein mit autoritärem Regieren wäre die Sicherheit nicht zurückzugewinnen. Sollte ihre Politik die Justiz und das Parlament missachten, würde sich das Land umso tiefer spalten", so ein Ausblick der Zeitung ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Die peruanische Zeitung EL COMERCIO aus Lima notiert: "Auf Señora Keiko Fujimori ruhen große Hoffnungen, denn sie übernimmt die Führung eines Landes mit vielen Problemen, die unverzügliches Handeln erfordern. Dafür muss die Präsidentin eng mit dem Parlament zusammenarbeiten, und es wäre ein Fehler, wenn sie aus den bevorstehenden Aufgaben ein politisches Schlachtfeld macht. Das hat die Bevölkerung in den letzten Jahren zur Genüge erlebt, und sie ist dieses peinliche Schauspiel gründlich satt."
