
Die polnische Zeitung POLITYKA bilanziert nach dem Gespräch zwischen Trump und Netanjahu: "Die Botschaft des Weißen Hauses ist eindeutig: Trump, nicht Netanjahu, bestimmt die Richtung der US-Politik im Nahen Osten. Das Problem besteht darin, dass der Krieg mit dem Iran die Vereinigten Staaten vor allem in einen kostspieligen und politisch unbequemen Konflikt hineingezogen hat – einen Konflikt mit absolut vorhersehbaren Folgen. In gewisser Weise haben beide Staats- und Regierungschefs ihre Ziele erreicht. Trump hat gezeigt, dass er sich dem Druck Netanjahus nicht beugt und dass er es ist, der die Entscheidungen bezüglich des Iran trifft. Für den israelischen Premierminister ist das Treffen mit dem US-Präsidenten angesichts der bevorstehenden Wahlen von politischer Bedeutung – ein Foto mit Trump kommt im Wahlkampf immer gut an", vermerkt POLITYKA aus Warschau.
Die italienische Zeitung LA REPUBBLICA ist überzeugt: "Der israelische Ministerpräsident kann es sich nicht leisten, ohne amerikanische Unterstützung in die Wahlen im Oktober zu gehen. Trumps bisherige Belobigungen sind Schulterklopfer, die der US-Präsident ebenso leicht verteilt wie Beleidigungen. Er glaubt mit seinem grenzenlosen Ego und seinem Machtstreben, Netanjahu nach Belieben dirigieren zu können. Tatsächlich wurde Trump von ihm bislang jedoch häufiger manipuliert. Angefangen bei dem, was als sein 'Ikarus-Moment' bezeichnet wurde, als er sich – gerade den Beweggründen und dem Druck 'Bibis' folgend – in den Krieg gegen den Iran stürzte. Und sich dabei die Flügel verbrannte", notiert LA REPUBBLICA aus Rom.
In einem Gastkommentar der japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN heißt es zum israelischen Ministerpräsidenten: "Für Netanjahu, der die Kämpfe gegen den Iran gerne weiterführen will, ist die Hürde derzeit hoch, Trump davon zu überzeugen. Denn für Trump sind die sinkenden Ölpreise wohl wichtiger als Netanjahus Wünsche. So dürfte die Atmosphäre der Gespräche alles andere als freundlich gewesen sein", spekuliert NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die chinesische Zeitung XINMIN WANBAO gibt zu bedenken: "Jede groß angelegte Militäraktion gegen den Iran würde zwangsläufig zu einer Sperrung der Straße von Hormus führen, der globalen Lebensader für Energietransporte. Für Trump wäre der daraus resultierende weitere Anstieg der Erdölpreise ein 'Alptraum'. Hinzu kommt, dass den US-Streitkräften Berichten zufolge so langsam die Munition auszugehen scheint. Inzwischen hat Trump sogar öffentlich eingeräumt, dass es in der Iran-Frage einige Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Netanjahu gebe", hält XINMIN WANBAO aus Schanghai fest.
Die israelische Zeitung ISRAEL HAYOM konstatiert: "Trump und seine Regierungsvertreter üben immer wieder Druck auf Israel aus, seine Truppen aus dem Libanon und Syrien abzuziehen, und sie wollen zudem 'Fortschritte' im Gazastreifen sehen. All dies geschieht, während die Hamas nicht entwaffnet ist und die Hisbollah weiterhin aktiv und gefährlich bleibt. Drei Jahre nach dem Massaker hätte die Hamas eine tote Organisation sein müssen. Netanjahu hat unzählige Male versprochen, dass er dieses Ergebnis herbeiführen würde", kritisiert ISRAEL HAYOM aus Tel Aviv.
Die türkische Zeitung YENI ŞAFAK geht auf den ukranischen Präsidenten ein: "Selenskyjs Besuch in Washington unmittelbar nach den G7-Gesprächen im Juni und dem NATO-Gipfel in Ankara im Juli zeigt, dass die Ukraine nicht mehr als die 'Verliererseite' angesehen wird. Das wachsende Ansehen der Ukraine in Washington und die Tatsache, dass die tiefgreifenden Probleme mit der Trump-Regierung der Vergangenheit angehören, ermöglichen es der NATO, die Ukraine umfassender zu unterstützen. Diese Entwicklung hat jedoch noch nicht zu einer dauerhaften amerikanischen Unterstützung oder zu einer Verhandlungsposition geführt, die Russland an den Verhandlungstisch zwingen würde. Die Tatsache, dass Trumps Haltung gegenüber der Ukraine ergebnisorientiert ist, deutet darauf hin, dass sich die Haltung des Präsidenten ändern kann, wenn sich die Bedingungen ändern", schreibt YENI ŞAFAK aus Istanbul.
Die schwedische Zeitung EXPRESSEN beschäftigt sich mit der Strategie des ukrainischen Militärs im russischen Angriffskrieg: "Statt auf eine träge Bürokratie zu warten, tragen die Brigaden selber die Verantwortung für ihre Ausrüstung. Sie besorgen sich das Benötigte auf dem Markt, und die Höhe der bereit stehenden Mittel ist teilweise abhängig von den erzielten Erfolgen. Die Unternehmen konkurrieren darum, die besten und billigsten Produkte verkaufen zu können, und das setzt wiederum eine Innovationsspirale in Gang. Bei uns haben die Streitkräfte dagegen noch nicht verstanden, dass es die Menschen an der Front sind, die wissen, was sie brauchen und wie bestehende Systeme verbessert werden können. Schweden befindet sich nicht im Krieg und muss deshalb die ukrainischen Reformen nicht direkt kopieren. Wir haben Zeit zum Planen, weil wir keine unmittelbare Krise lösen müssen, aber wir müssen bereit sein. Auch unsere russischen Feinde lernen von der ukrainischen Dezentralisierung", erläutert EXPRESSEN aus Stockholm.
Blicken wir nun nach Südamerika. Bei einer politischen Veranstaltung hat der argentinische Präsident Milei seinen brasilianischen Amtskollegen Lula da Silva als "Dieb" und "Häftling" bezeichnet. Dazu bemerkt die spanische Zeitung EL PAÍS: "Die demokratische Politik lebt von Meinungsverschiedenheiten. Was sie jedoch niemals zulassen darf, ist, dass Diplomatie durch Beleidigungen ersetzt wird. Wenn ein Staatsoberhaupt - wie im Fall Mileis - persönliche Herabsetzungen zum Instrument der Außenpolitik macht, verroht das nicht nur die öffentliche Debatte, sondern schwächt auch die Institutionen, auf denen das friedliche Zusammenleben zwischen Staaten beruht. Dieses Phänomen beschränkt sich weder auf Argentinien noch auf Lateinamerika, sondern ist in weiten Teilen der Welt zu beobachten - von den Vereinigten Staaten unter Donald Trump bis nach Europa. Die Logik ist stets dieselbe: polarisieren, vereinfachen und den Konflikt immer weiter zuspitzen", analysiert EL PAÍS aus Madrid.
Die argentinische Zeitung CLARIN geht näher auf den Vorfall ein: "Milei war in São Paulo, um den Wahlkampf von Flávio Bolsonaro gegen Lula da Silva zu unterstützen. Statt einer Entschuldigung legte Milei mit unbewiesenen Vorwürfen nach, und wie nicht anders zu erwarten, hat das eine diplomatische Krise ausgelöst und zur Abberufung des brasilianischen Botschafters geführt. Ein Grund könnte sein, dass sich Milei im Kreise der rechten Regierungschefs in Südamerika profilieren will, insbesondere in Chile, Peru und Kolumbien. Vor allem aber dürfte es eine Show für Donald Trump gewesen sein, der Milei schon einmal gerettet hat. Wer weiß, ob er seine Unterstützung noch einmal benötigt? Das Vertrauen in Milei ist zuletzt gesunken, und seinem Image haben Beleidigungen im Wahlkampf 2025 mehr geschadet als genützt", betont CLARIN aus Buenos Aires.
Die brasilianische Zeitung O ESTADO DE SÃO PAULO analysiert: "Seit den 1980er Jahren haben Brasilien und Argentinien eine gemeinsame Zukunftsvision entwickelt, dabei gab es auch immer wieder Meinungsverschiedenheiten. Aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was die Präsidenten Lula da Silva und Milei seit Jahren tun: Sie zerstören eine Beziehung, die für beide Seiten von Vorteil ist. Staatsoberhäupter müssen keine persönliche Zuneigung empfinden, aber sie müssen genug Anstand und Gemeinsinn haben, um ihr Ego, ideologische Vorurteile und kleinliches Kalkül im Interesse ihrer Länder zurückzustellen. Dazu scheinen weder Lula noch Milei in der Lage zu sein", beklagt O ESTADO DE SÃO PAULO, mit der diese internationale Presseschau endet.
