
"Putin stellt Polen und die NATO auf die Probe", titelt die polnische GAZETA WYBORCZA und schreibt: "Das Eindringen eines russischen Marschflugkörpers in den polnischen Luftraum markiert eine neue, noch gefährlichere Phase des hybriden Krieges, den Russland gegen die NATO – und damit auch gegen unser Land – führt. Der russische Flugkörper trug einen scharfen Gefechtskopf mit 400 Kilogramm Sprengstoff. Es ließe sich kaum ein deutlicheres Signal dafür finden, dass Russland die Lage eskaliert – und bereit ist, auf NATO-Gebiet Zerstörung oder gar Todesopfer zu verursachen. Die polnischen Streitkräfte haben die Probe bestanden. Ein polnischer F-16-Kampfjet war in Position, um den russischen Flugkörper abzuschießen, wäre das Geschoss nicht zuvor auf einem Feld abgestürzt und explodiert", so die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Ebenfalls aus Polen erklärt die Zeitung RZECZPOSPOLITA: "Russland will den Eindruck erwecken, gefährlicher zu sein, als es tatsächlich ist, um den Westen zu Zugeständnissen zu zwingen. Wenn wir diesen Krieg nicht verlieren wollen, dürfen wir nicht tatenlos zusehen. Die Ukraine braucht heute unsere Hilfe, um den Vernichtungskrieg zu überstehen, den Russland ihr erklärt hat. Es geht darum, durch die Verteidigung der Ukraine auch uns selbst zu verteidigen. All jenen, die behaupten, das alles gehe uns nichts an, hat der russische Präsident Putin durch den Vorfall in der Region Lublin einmal mehr vor Augen geführt, dass sie sich irren", notiert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Zum russischen Angriffskrieg betont die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER: "Seit mittlerweile mehr als vier Jahren zeigt der Kreml ein um das andere Mal sein wahres Gesicht, werden tote Kinder und Erwachsene aus zerstörten ukrainischen Wohnhäusern geborgen. Gleichzeitig hat die Ukraine aber auch die Fähigkeit entwickelt, mit einer sensationell hohen Anzahl selbst gebauter Drohnen immer tiefer auf russischem Territorium zuzuschlagen. Sie nutzt diese Fähigkeit jedoch anders als ihre Gegner, nämlich indem sie Ölraffinerien und Schiffe der Schattenflotte angreift. Der Kontrast zwischen der Kriegsführung beider Seiten und den dahinterstehenden Absichten ist gewaltig. Was wir sehen, ist ein Kampf um den Wert von Menschenleben, denn für den russischen Präsidenten Putin sind Morde an Zivilisten eine bewusste Strategie", hebt die DAGENS NYHETER aus Stockholm hervor.
Auch die chinesische Zeitung WENHUI BAO beleuchtet den Angriff der Ukraine auf iranische Frachter im Kaspischen Meer. Der ukrainische Präsident Selenskyj sagte, die Attacke hätte sich gegen Schiffe gerichtet, die für den Transport militärischer Fracht mit Beteiligung des Iran genutzt würden: "Mit dem Angriff auf einen zivilen iranischen Frachter will die Ukraine offenbar verdeutlichen, dass sie nicht um amerikanische Ressourcen konkurriert, sondern vielmehr als Partner dazu beiträgt, den Iran zu bekämpfen. Es ist aber noch nicht klar, ob die Ukraine dafür mit mehr Unterstützung der USA rechnen kann, ebensowenig wie die Haltung Europas zur völkerrechtlichen Legitimität dieses Angriffs klar ist. Es ist auf jeden Fall geopolitisch ein riskantes Spiel der Ukraine. Der Nahostkonflikt droht über die Straße von Hormus hinaus zu eskalieren. Der Iran-Krieg und der Russland-Ukraine-Krieg verschränken sich immer mehr ineinander", befürchtet WENHUI BAO aus Shanghai.
Die indische Zeitung HINDUSTAN TIMES aus Neu Delhi stellt Forderungen an die USA und Europa: "Die USA müssen konkrete Schritte in Form militärischer Hilfe unternehmen, um die Lage der Ukraine auf dem Schlachtfeld zu verbessern und das strategische Kalkül Russlands zu verändern. Schließlich müssen die USA und ihre europäischen Verbündeten die Produktion von Abfangraketen hochfahren. Sollte es zu solch koordinierten Maßnahmen kommen, könnte dieser blutige Krieg beendet werden."
Wir blicken in die spanische Exklave Ceuta in Marokko. Dorthin sind zehntausende Migranten gelangt. Die Zeitung EUROPA SUR aus Spanien unterstreicht: "Ceuta erlebt die größte Migrationskrise seit fünf Jahren. Die Ankunft so vieler Menschen überfordert die Aufnahmekapazitäten und sorgt für eine komplexe Sicherheitslage. Der oberste spanische Gerichtshof hat kürzlich entschieden, die sofortige Rückführung von Personen zu untersagen, die schwimmend nach Ceuta oder Melilla gelangt sind. Dieses Urteil wurde in Marokko über soziale Medien verbreitet, und die Behörden von Ceuta sehen einen Zusammenhang mit dem jüngsten Zustrom. Es ist bereits Militär im Einsatz, aber die Exklave hat beim Innenministerium in Madrid weitere Unterstützung angefordert. Das zeigt, wie prekär die Sicherheitslage dort mittlerweile ist", erläutert EUROPA SUR aus Algeciras.
Die italienische Zeitung LA REPUBBLICA macht darauf aufmerksam: "Im gesamten Jahr 2025 war es lediglich sechs illegalen Migranten gelungen, Ceuta zu erreichen, und vom Beginn dieses Jahres bis zum vergangenen 15. Juli keinem einzigen. Wenn die Ankünfte nun wieder eingesetzt haben, dann deshalb, weil - entgegen der von der spanischen Regierung hervorgehobenen 'vorbildlichen Zusammenarbeit' mit Marokko - die Kontrollen auf marokkanischer Seite in den vergangenen Tagen gelockert worden sein sollen. Doch warum? Am 20. Juli hatte Spaniens Ministerpräsident Sánchez Algier besucht, den Rivalen Marokkos und langjährigen Unterstützer der Polisario. War dies aus Sicht Rabats eine Provokation? Madrid weist diese Möglichkeit zurück", vermerkt LA REPUBBLICA aus Rom.
Die spanische Zeitung EL PAÍS konstatiert: "Die Migranten riskieren ihr Leben, indem sie die Grenze schwimmend überqueren, und mindestens 18 sind dabei bereits umgekommen. Die Migranten kommen nicht aus dem Nichts. Armut und mangelnde Perspektiven unter jungen Marokkanern sind eine Erklärung, wenngleich nicht die einzige. Wenn die Regierung in Rabat jetzt nicht unverzüglich handelt, wird dies den Verdacht nähren, dass Migration gezielt missbraucht wird, um diplomatischen Druck auf ein befreundetes Nachbarland aufzubauen, und das ist inakzeptabel", findet EL PAÍS aus Madrid.
Die Pläne von FIFA-Chef Infantino, die Fußball-Weltmeisterschaft für Investoren zu öffnen und unter anderem der Widerstand des Europäischen Fußballverbandes dagegen ist Thema in der japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN: "Auch wenn andere Kontinental-Verbände für die Pläne stimmen sollten: Ohne die UEFA wäre es unmöglich, eine Fußball-WM, die die ganze Welt begeistert, zu veranstalten. Finanzielle Ressourcen sind zwar notwendig, damit der Sport nicht von der Politik vereinnahmt wird - deshalb sollte eine Kommerzialisierung nicht komplett ausgeschlossen werden - aber unter Gianni Infantino ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich gerade durch diese Kommerzialisierung die Politik einmischen darf. Die Reaktion der UEFA ist folgerichtig", meint die Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Und der SYDNEY MORNING HERALD aus Australien hält fest: "Entscheidend ist, wer am Ende die Macht besitzt, wessen Interessen Vorrang haben und wie kommerzielle Zwänge die Entscheidungen im Laufe der Zeit beeinflussen. Genau dazu fehlen bislang jedoch entscheidende Details. Die FIFA betont, sie werde die vollständige Kontrolle über alle sportlichen und regulatorischen Entscheidungen behalten und im Grunde keinerlei Macht abgeben. Doch nichts gibt es umsonst. Die wirtschaftliche Logik weist nur in eine Richtung: mehr. Mehr Vermarktungsfläche. Mehr Mannschaften und mehr Spiele. Mehr WM-Gastgeber, die sich die Last teilen. Mehr Trinkpausen. Längere Halbzeitpausen, damit noch mehr peinliche Konzerte Platz finden. Mehr Premium-Angebote. Teurere Eintrittskarten. Teurer - einfach alles", argwöhnt der australische SYDNEY MORNING HERALD zum Ende der Internationalen Presseschau.
